Marec Béla Steffens:
DIE WELT DER BUCHSTABEN - Das dritte Buch vom Kater, der Märchen erzählt. Illustrationen von Krystyna Steffens,
Vechta 2004, ISBN 3-936389-89-6, Geest-Verlag, 194 Seiten, Format 13,7 x 20,5, x 0,7 cm, € 10,-.
Erhältlich im Buchhandel, bei http://www.amazon.de und direkt beim Verlag: http://www.geest-verlag.de.

Nach den Büchern "Der Kater erzählt Märchen" und "Der Straßenbahnschaffner von Venedig" widmet sich der Autor nun der Welt der Buchstaben. Die Vorgehensweise ist in allen drei Bänden die selbe: Die liebe Katze gibt den ersten Satz vor, und der Kater muss daraus ein Märchen entwickeln. Aber was fängt man nur an mit so skurrilen ersten Sätzen wie:

"Es war einmal ein kleines o, das stand sooo gerne auf dem Kopf: o." - oder: "Es waren einmal ein paar Eiswürfel, die wollten nicht so sein wie andere Eiswürfel. Sondern sie wollten in die Sahara gehen und Giraffen treffen"?

Genau! Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als ebenso skurrile Märchen daraus zu spinnen. Darin hat der Autor Marec Béla Steffens ja mittlerweile Übung. Und so treffen wir in seinem neuen Buch beispielsweise das abenteuerlustige Buchstabenpaar o und l, das so gerne Anerkennung für seine Kopfstände bekommen möchte. Nur merkt es im alltäglichen Leben eben niemand, wenn das o und das l auf dem Kopf stehen. Im Zirkus aber, da müsste man doch für solche artistischen Darbietungen gefeiert werden ...

Die Abenteuer von o und l inspirieren das u und das n zu einer Karriere in New York. S, c und h besuchen ihre Kollegen in anderen Ländern und bekommen Gegenbesuch von Schriftzeichen aus aller Welt. Das @ hat sogar einen eigenen Fanclub. Das G springt für ein verschwundenes Elefantenohr ein. Und das kleine j möchte unbedingt Karriere in der Musik machen. Dummerweise ist es unmusikalisch, und der Kater, der Märchen erzählt, muss sich ganz schön ins Zeug legen, um dem j seinen größten Wunsch zu erfüllen. Leider können nicht alle Buchstaben und Zeichen so ein aufregendes Leben führen. DieLeerstelleistbeleidigtundmachtnichtmehrmit. Das hat natürlich ernste Konsequenzen ...

Man merkt es gleich auf den ersten Seiten: Der Autor hat eine blühende Phantasie, einen köstlichen Humor und unbändige Lust am Fabulieren und Formulieren. Kinder dürften mit den kreativen Wortspielereien und den intelligenten Anspielungen auf Kultur und Zeitgeschehen noch überfordert sein. Aber für Erwachsene, die geistreich-absurde Geschichten zu schätzen wissen, sind die Märchen des Katers ein reines Vergnügen.

Hier eine kleine Leseprobe aus "Das siebzehnte und vorletzte Kapitel, welches das letzte wäre, wenn nicht noch eines danach käme":

"(...) Wahrscheinlich war das Ohr auf Reisen gegangen, das passierte ja alle naselang in den Märchen des Katers. Steckte es vielleicht in der Nohrmandie? Erholte es sich in einem Kurohrt? Spielte Ohrgel, oder besuchte vielleicht ein Ohrchesterkonzert? Versteckte sich das Ohr auf einer Bohrinsel? War es dabei, als Teil eines Vohrworts in die Literatohr einzugehen?Oder das große O, das kleine h und das kleine r hatten sich getrennt und gingen jetzt verschiedene Weg. Doch es konnte auch anders gekommen sein: vielleicht hatten sie ein paar Verwandte getroffen uns sahen sich jetzt zusammen Horrohrfilme an. So viele Möglichkeiten. (...)" (Seite 93)

Marec Béla Steffens wurde 1964 in Hamburg geboren. Nach dem Studium der Volkswirtschaft lebte er ein Jahr lang mit einem Forschungsstipendium in Ungarn. 1992 wurde er an der Universität Hamburg promoviert. Seit 1991 arbeitet er bei der Siemens AG, und zwar nach längeren Einsätzen in Shanghai , Budapest und Warschau derzeit in Duisburg. In Ungarn war er regelmäßig mit Opernkritiken in der deutschsprachigen "Budapester Zeitung" vertreten. Er schrieb schon als Kind Geschichten und hat nach seiner Heirat mit Krystyna geb. Bogucka wieder damit angefangen.

"Die Welt der Buchstaben" ist das nunmehr dritte Kater-Märchenbuch, und ich kann es nur empfehlen. Auch für die ersten beiden Bücher vom Märchen-erzählenden Kater gilt: Zugreifen! Lesen! Musikalische Holzwürmer, altmodische Chamäleons, Kathedralen, die in Urlaub fahren und schnarchende Frikadellen darf man sich keinesfalls entgehen lassen!


Edith Nebel

Autor: Edith Nebel       http://www.aufriss.de





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