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Peggy


Nach dem Tod unserer Hündin Inka verbrachten wir 1995 einige Wochen in England. Meine Frau und ich waren beim Essen im Pub. Der Gastwirt hatte in seiner Wohnung einen schwarzweißen Border-Collie. Mit seinen blauen Augen sah er mich an, und er saß den ganzen Abend neben uns. Wir streichelten ihn und spätestens danach wussten wir, dass uns bald wieder ein so lieber Hund in unserem Leben erfreuen wird. Als wir wieder zurück in Deutschland und Zuhause waren, erzählte ich meiner Familie davon. Die wollten davon aber nichts wissen. Wenn ich nur eine Andeutung über einen Hund machte, wurde das Gespräch mit einem klaren "Nein" beendet.

Trotz des klaren "Nein" der Familie habe ich mich über Border-Collies informiert. Der Border-Collie ist meistens ein schwarzweißer, mittelgroßer, langhaariger Hütehund. Das Ursprungsland der Rasse sind die Britischen Inseln, wo sie auch heute noch die meist verbreiteten Hütehunde sind. Der Border-Collie ist eine der ältesten existierenden Hunderassen. Der erste Collie-ähnliche Hütehund wurde 35 v. Chr. in dem Buch "De re rustica" von Cato und Vero beschrieben. Es handelt sich hierbei um einen großen, dreifarbigen Hund, der den heutigen Berner Senne Hunden oder dem Rottweiler geähnelt haben mag. Diese Hunde wurden im Zuge der römischen Invasion 55 v. Chr. nach Britannien eingeführt. Im neunten Jahrhundert besetzten die Wikinger Schottland und Irland. Sie brachten zum Hüten Ihrer Herden Spitz-ähnliche Hunde mit. Diese Hunde waren meist schwarz oder hellbraun mit weißen Abzeichen, hatten kurzes, dichtes Fell und oft blaue Augen. Dieser Typ Hund vermischte sich langsam mit den römischen Hirtenhunden, wobei zwei verschiede Typen entstanden. Im schottischen Hochland und in Wales entwickelte sich ein leichter, kleiner Hütehund, der sich in den steinigen Hügeln schnell und sicher bewegen konnte und so in der Lage war, auch das störrische Welsh-Mountain Schaf zu wenden. Zur gleichen Zeit entstand in den Tieflagen von Schottland und im flachen Nordengland ein schwerer und größerer Typ. Alle diese Hunde waren schwarzweiß oder dreifarbig. Der heutige Border-Collie ist eine Mischung aus beiden Typen.

Uns war es nicht wichtig einen reinrassigen Hund zu kaufen. Die Merkmale des Border-Collies und sein treues Wesen waren uns wichtiger. Wir träumten sehr oft von einem Border-Collie:

Eines Tages bekam meine Frau Rücken Probleme und sie musste gezwungenermaßen einige Zeit zu Hause verbringen.

Weil ich zu dieser Zeit Hausmann war, ging ich wie jeden Samstag, so auch am 27.01.96 zum Bäcker und holte Brötchen und die Zeitung. Ich nahm wie bei jedem Einkauf den praktischen Einkaufskorb meiner Frau mit, um in der Stadt auf dem Wochenmarkt noch Obst und Gemüse zu besorgen. Ich fuhr los und als ich dann einen Parkplatz gefunden hatte, nahm ich mir die Zeit, kurz in die Zeitung zu schauen. Unter der Rubrik Tiermarkt fand ich eine Annonce über Border-Collie Welpen. Ich nahm mir Bleistift und Papier zur Hand und suchte eine Telefonzelle.

Ich rief die Telefonnummer an und fragte nach den Hunden. Eine Frau sagte mir, dass von 5 Welpen noch eine Hündin da sei und ich gerne vorbeikommen könnte. Ich bat die nette Frau um eine Wegbeschreibung und meldete meinen Besuch an. Ebenfalls bat ich die Frau den Hund für mich aufzuheben, um nicht umsonst die Strecke gefahren zu sein. Der Ort war 65 km von unserer Wohnung entfernt.

Keine Zeit mehr das Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt zu besorgen ging ich zurück zum Auto. Was nun, ich hatte nur noch 15 DM einstecken. Zu Hause aber sollte niemand mein Vorhaben bemerken. Ich konnte jetzt nicht mehr nach Hause um Geld zu holen, also besorgte ich mir Geld am Geldautomat einer Bank. 1 Stunde Fahrt war es für die einfache Wegstrecke. Als ich dann in dem winterlich verschneiten Dorf ankam schlug mein Herz schneller und schneller.
Ich war auf einem kleinen Bauernhof in der Pfalz angekommen. Ich klingelte und eine Frau öffnete die Tür. Als die Tür wieder hinter mir zuging hörte ich nur Vogelgezwitscher, Katzen und ein weinendes Kind. Nachdem sich die Situation etwas entspannte, zeigte die Frau mit dem Finger die Treppe hoch. Ganz oben auf der Treppe stand so ein kleines Ding. Es wedelte mit dem Schwanz und freute sich riesig über meine zurufe. Langsam kam ein niedliches Braun- Weiß gestreiftes Wollknäuelchen die Treppe herunter.

Es stockte mir der Atem. Ich streckte die Hand aus und rief Peggy. Als ich Peggy zum ersten mal sah wedelte sie mit dem Schwanz und sprang hoch. Es machte ein paar Freudentröpfchen "Pipi" auf den Boden. Ich begutachtete und sah mir Peggy genau an. Peggy hatte keinen Stammbaum, was mich aber nicht im geringsten störte, wie Sie wissen.

Auch ihre Eltern, die beide voller Leben waren, wurden mir gezeigt. Der Vater war ein Border-Collie und die Mutter ein richtiger Collie wie Lassie. Sie tobten alle auf dem Hof herum und spielten zwischen Schafen und Hühnern, genau so wie es diese Hunde lieben. Ich hatte einen guten Eindruck von diesem ländlichen Hof. Sie war der letzte Welpe aus dem Wurf, die anderen vier Welpen (3 Hunde und 1 Hündin) waren alle schon weg. Peggy war geimpft und entwurmt.


Peggys neues Zuhause

In meinem Kopf war alles klar. Nach 15 Minuten fällte ich die Entscheidung Peggy mit nach Hause zu nehmen. Die Bäuerin gab mir dann den Kaufvertrag und Impfpass, und ich gab ihr das Geld für den Hund. Ich setzte Peggy in das Einkaufskörbchen meiner Frau. Beim Hinausgehen gab mir die Bäuerin noch einen Sack Futter mit ohne Geld dafür zu verlangen. Der Welpe wurde bisher mit dem Futter gefüttert. Es war Wochenende und die Geschäfte schon geschlossen. Ich fand ich es sehr nett von der Frau daran zu denken. Herzlich bedankte ich mich dafür und ging zum Auto. Das Körbchen mit Peggy stellte ich auf den Beifahrersitz.

Neben dem Straßenverkehr hielt ich Peggy ständig im Augenschein. Ich sah, dass sich das 8 Wochen alte 4,8 kg leichte Wollknäuelchen sich sehr wohl neben mir fühlte. Ihre erste Autofahrt meisterte sie sehr gut. Sie war sehr brav. Als ich dann die Autobahnausfahrt meines Wohnortes erreichte stieg die Anspannung. Wie sind die Reaktionen zu Hause?
Keiner im Haus wusste wo ich war und welche Überraschung sich im Einkaufskörbchen befand. Als ich an der Wohnung ankam sah ich, dass Großputz angesagt war. Die Haustüre war weit geöffnet. Ich stellte das Körbchen mit Peggy auf die Treppe. Danach wartete ich um die Ecke und beobachtete wie Peggy die Herzen meiner Familie eroberte. Als die neue Situation sich als ein positives Ereignis erwies, stellte ich das Körbchen an die Wohnzimmertüre meiner Frau, die von all dem noch nichts bemerkt hatte. Sie saß auf der Couch. Als sie den Korb bemerkte stockte ihr der Atem, wie sie sah was sich darin befand. Sie freute sich so sehr über das kleine Ding, das über den Korbrand hinausschaute. Anfangs waren die Eltern noch etwas skeptisch, doch das legte sich noch am selben Tag. Diese Hürde war genommen. Heute sind wir alle froh und glücklich darüber. Die erste Nacht in neuer Umgebung war etwas ganz neues für Peggy. Sie war sehr schüchtern auf ihrem kleinen Bettchen, das wir für sie vorbereitet hatten.
Sie war fast stubenrein und hat in den ersten Tagen nur ein paar mal Pipi auf den Boden gemacht. Sie lernte schnell und machte anfangs ihr großes und kleines Geschäft im Garten. Nach dem Wochenende gingen wir dann in ein Hundegeschäft und kauften Peggy ihre erste Hundeausstattung: Leine, Bürste, Halsband, Schüsselchen und einen Büffelhautknochen. In der Tierhandlung drehte sich alles um Peggy. Jedermann wollte Peggy im Arm halten und knuddeln.
Wohin wir sie mitnahmen, Peggy stand immer im Mittelpunkt. Sie war so ruhig und hat nicht einmal gebellt. Ich dachte, hoffentlich kann sie überhaupt bellen. Juan, unser Freund brachte Spielsachen vorbei. Er hatte selbst vor kurzer Zeit einen kleinen braunen Kurzhaar Dackel für seine Tochter gekauft. Peggy hatte anfangs etwas Angst vor dem neuen Quietschball und dem Spielzeug Igel den er mitbrachte. Sie testete ihn vorsichtig mit den Pfoten ab und immer wenn er quietschte rannte sie weg. Das war lustig.


Peggys Krankheit

Nach ca. einem Jahr voller Glück und Freude mit uns, wurde Peggy plötzlich am 08.04.97 sehr krank. Wir brachten sie zu unserer Tierärztin, die sie untersuchte. Sie hatte sehr viel Durchfall und wollte nicht fressen. Gott sei Dank hat sie ausreichend Wasser getrunken, was sehr wichtig war. Der Verdacht auf einen Tumor im Magen-Darm Bereich wurde immer wahrscheinlicher. Bei Peggy musste eine endoskopische Untersuchung gemacht werden. Montags brachten wir sie in die Tierklinik und wir waren nun das erste Mal für 4 Tage voneinander getrennt.

Sie wurde endoskopisch untersucht. In dieser Woche waren wir alle sehr nervös. Ich glaube, wir haben mehrmals am Tag in der Klinik angerufen, um zu hören wie es ihr ging. Freitags holten wir sie wieder in der Klinik ab. Peggy war völlig fertig und verstört, aber dennoch froh uns zu sehen. Die Untersuchungen haben dem lieben kleinen Ding völlig zugesetzt. Man sah ihr an, dass sie eine schwere Woche hinter sich hatte. Die Ärztin erklärte uns, wann und welche Medikamente Peggy gegeben werden sollten. Die Untersuchung ergab, dass es kein Tumor war. Die Freude war riesig. Mit Infusionen und Tabletten, sowie der Umstellung des Futters wurde die Behandlung von unserer Tierärztin fortgeführt. Es sollte besser werden, und es wurde auch besser.

Die Anstrengungen und die salzhaltigen Infusionen, die sie bekam, verhinderten dass sie fast 14 Tage kein Futter fressen wollte. Die Infusion dauerte ungefähr 60 - 100 Minuten. Nötig war es, die Lösung einmal am Tag dem kleinen Körper zuzuführen und zwar so lange, bis sich eine positive Wirkung einstellte. Wir waren jeden Tag 1-2 Stunden in der Tierarztpraxis am Tropf. Das tapfere Tier, das jede Prozedur (Spritze oder Katheder) fast täglich verabreicht bekam, war dann doch in der Praxis zwischen anderen Tieren überfordert. Nach Rücksprache mit unserer Tierärztin konnten wir die Behandlung von zu Hause aus ohne Bedenken durchführen. Peggy spürte, dass sie daheim die nötige Ruhe und Pflege hatte. Sie lag brav während der Behandlung da.
Nach einigen Infusionen kam dann aber langsam die erhoffte Wende. Plötzlich verlangte Peggy wieder nach Futter. Mit kleineren Portionen mussten wir ihren kleinen Magen sehr langsam wieder ans Fressen gewöhnen. Sie war schwach, hatte aber den Willen diese Infektion nun doch noch zu überstehen. Nach und nach verlangte sie mehr Futter. Man merkte es ging aufwärts und uns allen fiel ein Stein vom Herzen.


Peggys Genesung

Im Februar 1998 war es soweit und man konnte sagen, Peggy hat nun alles gut überstanden und ihren Rhythmus wieder zurückgefunden. Die Krankheit dauerte doch mehrere Monate und verlangte von jedem viel Einsatz und Energie ab. Heute ist Peggy wieder so gut drauf, fast so gut wie vorher. Sie ist wieder voller Leben und frisst 2-3 mal täglich. Im Moment bekommt ihr ein Diätfutter Gemisch aus Trocken- und Dosenfutter am Besten. Sie darf nichts am Tisch bekommen, weil sie es nicht gut verträgt.


Nach Auskunft der Tierärztin kann ihr aber ab und zu an gewissen Tagen, wie z.B. an ihrem Geburtstag, ein kleiner Leckerbissen gegeben werden. Es darf aber nur Fettfreies gekochtes Putenfleisch sein. Diesen Leckerbissen verachtete Peggy an ihrem zweiten Geburtstag - wie Sie sicherlich vermuten werden - im November 97 nicht. Die Schüssel war Ratzeputz leer. Heute können wir alle mit der Futterumstellung gut leben und sind sehr froh darüber, dass Peggy nicht gestorben ist.

Alle haben durch Einsatzbereitschaft, Ausdauer und gutem Willen gezeigt, dass Zusammenarbeit wichtig ist um auch einem Tier wieder auf die Beine zu helfen. Was sie aber nach wie vor nicht verlernt hat und auch gerne wieder macht, ist das Holen und Zurückbringen ihres Balles. Sie fährt sehr gerne im Auto mit und verfolgt aufmerksam den Verkehr. Wenn dann ein schöner Tag zu Ende geht, möchte sie bei jemanden aus der Familie zu Füßen liegen und denjenigen mit ihrem warmen Fell wärmen. Sie liebt es sich auch gerne auf der Couch zu entspannen.
Wir möchten uns hiermit nochmals herzlich bei allen Beteiligten, die mit der Behandlung und der Genesung unserer Peggy verbunden waren, herzlich bedanken.
Ein ganz besonderes Dankeschön richten wir an unsere vertrauensvolle Tierärztin und deren Team, dass immer für uns Zeit hatte und uns auch am Wochenende nie wegschickte, wenn es mir gar nicht so gut ging.


Peggy macht Urlaub

Im September 1999 verbrachte ich schöne Tage mit Herr- und Frauchen im Schwarzwald. Wir waren jeden Tag auf Tour und manchmal kam ich sogar außer Atem. Es gab viel für mich zu tun und mir wurde es nie langweilig.


Sogar das Schwimmen habe ich noch nicht verlernt. Das hat mir vielleicht Spaß gemacht! Jedes Mal wenn mein Frauchen ein Stöckchen geworfen hat, habe ich es immer brav zurückgebracht. Ich glaube, dieser Tag im Wasser hat mir am meisten Spaß bereitet. Eine gute Abkühlung an einem warmen Tag.

Am Abend, nach meinem Spaziergang mit meinem Herrchen wurde ich dann doch langsam Müde. Wir waren immer unterwegs in den Wäldern. Von einem Hügel zum Anderen, begleitete mein Herrchen mich. Die Stille der Gegend war ich gar nicht gewöhnt, denn wo ich wohne, ist es viel lauter.


Nun bin ich müde und mache mal eine kurze Pause!

Weihnachten 2001 verbrachten wir alle zusammen im Schwarzwald.



Wir hatten viel Spaß zusammen bei diesem Wetter. Wenn die Sonne schien war es angenehm, aber wenn der Schnee, der Wind und die Kälte kam war es nicht so toll.

Leider wussten wir nicht, dass es so kalt wird.



Ab und zu machte es uns Mühe ein geeignetes Plätzchen zu finden für einen unbeschwerten Spaziergang, oder ein Stöckchen zu werfen.


Autor: R. + V. Hanke    http://www.hanke-digital.de





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