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Krümel der Bär – Teil 2


Ein Grillfest mit einem Germanischen Bärenhund

Wer wüsste keine netten Begebenheiten zu erzählen, wenn man sich mit Bekannten trifft, gemeinsame Vorbereitung, gemeinsames Essen, Gespräche, zusammen etwas trinken, einfach dem egoistischen Alltag zu entrinnen, eine schöne Vision und ein herrliches Erleben, wenn es dann stattfindet.

Wer einen Hund an seiner Seite hat, der weiß, wo sein Platz im Rudel ist, kann auch diese Freude mit seinem vierbeinigen Freund teilen.

So geschehen im Hause meines Sohnes, bis ein Kumpel mit Spitznamen Bredi sich der fröhlichen Gesellschaft anschließt.

Mein Sohn ruft mich noch die gleiche Nacht an um mit mir zusammen Krümels verändertes Verhalten zu analysieren. Krümel lehnt Bredi total ab. Angespannt und mit bösem Knurren verfolgt er jede seiner Bewegungen, sogar das Abaschen der Zigarette registriert er grummelnd. Kein Gang zum WC ohne dass Krümel grummelnd aufspringt, kein anderer Gast wird so von Krümel behandelt. Sehr widerwillig befolgt der Hund die Aufforderung Platz und bleib, er kommt aus seiner Grummelphase nicht heraus, als Susi sich verabschiedet und Bredi aufsteht, die Arme nach ihr ausstreckt, interessiert Krümel kein Kommando, er drängt Bredi von Susi ab, bleibt dazwischen stehen.

Wenn es irgendein Typ gewesen wäre, hätte ich lapidar gesagt, du magst auch nicht jeden, gönne es dem Hund, dass  er solche Empfindung haben kann. Es war aber Bredi, den ich sehr lange kenne, jeder Hund aus meinem Rudel ist ihm zugetan, was man vom Berner bestimmt auch nicht immer erwarten darf.

Ich quetsche alle Informationen aus meinem Sohn heraus und wir kommen beide zum gleichen Schluss, Krümels Hirtenhundanteil wird durch eine Nachlässigkeit meines Sohnes geweckt, wer einen Hund wie Krümel hat, muss wissen, dass ein Hirtenhund , und Krümel ist das ja nur anteilig, in ihm ist viel Hütehund, selbst Situationen einschätzt und sie auf seine Weise regelt.


Aus Krümels Sicht hat er seinen Herrn noch nie so schlaff erlebt, wie an diesem Abend. Ein völlig Fremder kommt dazu, reißt dem Herrn die Fleischschale mit dem Rudelfutter aus der Hand, obwohl der nein sagt, nimmt sich das Futter aus der Schale, frisst es auch noch auf, sein Herr wird nicht mal sauer, das geht so nicht, und damit war Bredi Rudelfeind, dass der nur meinem Sohn geholfen hat, weil dieser noch mit jemandem gesprochen hat, das Nein gehörte zum anderen Gespräch, hat unser Krümel im Eifer des Gefechtes übersehen. Ein Wort meines Sohnes an Bredi, zum Beispiel hier nimm, hätte diese Situation nicht aufkommen lassen. Ein Bärenhund ist ein genauer Beobachter. Susi kennt er schon länger, und sie musste er dringend vor dem Rudelfeind schützen. Und wieder sage ich, was für ein Hund!

Armer Bredi, wir werden es richten und mit dir und Krümel klären,  dass Du kein Rudelfeind bist, mein Sohn wird künftig solche Details auch besser beachten, denn von seinem Hund als Trottel gesehen zu werden, trifft hart.

Oh Mensch wie bist du wundersam für mich

Da ich ein Germanischer Bärenhund bin, verändere ich mich im Laufe eines Jahres ganz beachtlich und ich verrate euch gleich, meine Entwicklung ist noch lange nicht abgeschlossen, wie mein Bruder Einstein möchte ich ganz gern noch werden in den nächsten 2 Jahren!

Als ich dich mit 13 Wochen traf, hast du mit freundlicher Stimme gegurgelt, ach ist der süß, hast mich überall angegrabbelt ohne dich zu fragen, wie ich das finden könnte.

Treffe ich dich heute, wechselst du die Straßenseite, ich will dich begrüßen, du denkst, ich hatte noch kein Frühstück. Bei einem von uns beiden stimmt was nicht!

Wie oft habe ich schon gedacht, ach hätte ich doch ein Krönchen wie der Pudel, nicht dass ich dächte dieser Look machte mich schöner, aber dein Dominanzgehabe bliebe mir erspart, von dem du natürlich nichts ahnst, dem Pudel fasst du ja auch nur nicht auf den Kopf, weil seine Frisur zerstört werden würde. Wenn meine Menschen es machen, ist es mir egal, wenn es fremde Menschen einfach tun, würde ich ihnen zum Ausgleich gern ans Bein pinkeln, aber ich beherrsche mich.

Wenn du mir unbedingt etwas Gutes tun willst, wie wäre es mit meinem Hals oder meiner Schwanzwurzel, wenn Du weißt, wo die sitzt, ich kann dir auch noch die Ohren anbieten, nur lasse Deine Hand von meinem Oberkopf weg.

Auch wenn du dich von hinten einfach über mich beugst, hätte ich gern einen Sack voller Flöhe, die dich anspringen. 

Wenn du mich kraulen willst, mache vorher paar Fingerübungen, damit ich deine Fingerspitzen nicht wie Spinnenbeine empfinden muss, könnte sein, dass ich nach der Spinne schnappe, was hat die auf mir verloren, ich bin doch nicht ihre Beute.

Fasse mich ja nicht an, wenn ich dir signalisiere, lasse mich in Ruhe.  Habe übrigens noch nie beobachtet, dass dich jeder, der an dir vorbei kommt befummelt, und glaube mir, ich brauche das auch nicht von jedem!

Wenn du nicht fummeln lässt, hast du Moral, wenn ich nicht fummeln lasse habe ich ein schlechtes Wesen, oh Mensch wie bist du wundersam für mich.

Da treffe ich auf einem Gassigang mit meinem Frauchen einen Jogger mit zu kleinen Turnschuhen. Wie ich darauf komme, nun ja, er muss, wenn er die Turnschuhe anzieht, den Verstand ausziehen, oder soll ich glauben, dass er gar keinen hat?

Mein Frauchen lässt mich sitzen, damit er ungestört an uns vorbeilaufen kann, das ist ihm noch nicht genug, ich sitze in seiner Spur, neben uns ist alles frei. Er läuft nicht weiter, bleibt so trampelnd vor uns stehen, schreit uns an, beschimpft mein Frauchen, den hätte ich gern zurück zu seinem Verstand gejagt! Diesen wesensschwachen Kerl habe ich eingespeichert, der roch so derb nach Dummheit, das geht auch beim Duschen nicht verloren.

Mensch, es macht mir wirklich nichts aus, als Hund, der ich nun mal bin, unter dir zu stehen, aber wenn ich zu dir aufschauen soll, lasse mir nicht nur deine Schwächen ins Auge tropfen!

Erst wenn du Vieles richtiger machst, wirst du an mir weniger Fehler finden.

Dem Rudel treu verbunden

Krümel ist zu einem altersmäßig sehr schönen Jungrüden herangewachsen. Er kennt alle Hunde der Gegend von seinen Spaziergängen, mit den meisten kommt er auch gut zurecht.

Wenn sich die Möglichkeit ergibt, spielen sie ausgiebig miteinander.

Es gibt bei ihm, wie bei uns Menschen auch, Vorlieben und Abneigungen.

Krümels größte Abneigung geht in Richtung Terrier, speziell den Jack Russell kann er gar nicht leiden, und den trifft er oft. Eine Möglichkeit wäre, dass er diese Abneigung von meinem Rudel einfach übernommen hat, wir haben keine diesbezüglichen Nachforschungen angestellt, man muss sich ja nicht zwingend näher kommen.

Krümel strotzt nur so vor Kraft und in ihm scheint die Pubertät zu toben. Kräftemäßig könnte ich ihn nicht mehr beherrschen, mein Sohn schon. Er setzt aber auch das Halti bei Krümel ein, ein wunderbares Hilfsmittel!

Sie können meine Cavaliere fragen, keiner von ihnen wäre dafür, mir eine Anerkennung für Konsequenz auszusprechen, Krümel träfe da eine Aussage, die ganz gegensätzlich wäre.

Bei einem Hund dieser Größe kann man sich schlicht keinerlei Nachlässigkeit leisten, ich habe mir vorgeführt, wie es wäre, wenn Krümel nicht mehr körperlich von mir regierbar, nicht auf mich hört. Da hätte ich dann an der Wand gestanden und gewartet, bis mein Sohn mich von dem Hundetyrannen befreit, der ja in Wirklichkeit keiner wäre, er hätte ja nur die Rolle mit mir getauscht, und er wäre konsequent in seiner Forderung an mich, das dürfen Sie glauben. Eine andere Vision, ich muss Fleisch braten, will es aus dem Kühlschrank holen, Krümel sagt Irrtum, ich hab Hunger, nein, das will ich so nicht.

Und wenn jetzt jemand glaubt, schreien bringt es, der irrt, für seinen Hund ist man dann außer nicht fähig auch noch eine unangenehme Geräuschkulisse.

Mit einem leichten Hüftschwung von mir in seine Flanke weiß der Hund, er steht im Weg, manchmal zeige ich ihm das Zeichen, das die Anhalter machen, oder ich rolle mit den Augen und seufze laut, natürlich kann ich auch scharf sagen geh, wobei scharf eine Stimmnuance und kein verdrehen der Lautstärke ist!

Ich denke Krümel will gar keine Konfrontation mit mir, er folgt mir gern ganz freiwillig.

Wir haben ein gemeinsames Verstehen gefunden und die Rollen sind klar verteilt, hier bin ich der Boss, er akzeptiert mich.

Ausnahmen bestätigen die Regel, eine Ausnahme ist, in Sankt Immen ist eine heiße Hundedame, dann ist Krümel wie jeder andere Rüde auch nur noch Instinkt geleitet, dann darf er uns einfach nicht besuchen, er würde auch mit unseren Rüden Streit haben, so nimmt er sie nicht als Gegner  wahr, da muss nichts ausgetragen werden aus seiner Sicht, und das ist gut so.

Draußen gibt es aber Rüden, mit denen müssen die Fronten klar abgesteckt werden, wenn wir die Halter kennen, ist das kein Thema, dann tragen die Rüden es aus, und der Frieden für spätere Spaziergänge ist hergestellt, man weiß, wie man sich zu begegnen hat. Ein Raufer ist Krümel nicht.

Wieder einmal  unterwegs mit seinem Frauchen  trifft Krümel eine Hundefreundin auch mit Frauchen. Da nichts gesunder für den Hundekörper ist als ein Spiel mit einem Artgenossen, es stellt jeden noch so langen Spaziergang in den Schatten, machen die Frauen die Hunde los auf der Weide, angrenzend sind Felder in weiter Ferne unser Haus.

Die Hunde jagen sich in großen Kreisen, balgen miteinander, die Frauen  tauschen Erfahrungen aus. Da taucht ein großer streunender Rüde auf, den keiner kennt, die Frauen nicht, die Hunde nicht. Er interessiert sich natürlich für die Hündin, die auch nicht abgeneigt ist, wenn nicht Krümel so abweisend wäre.

Mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zeigt er dem andern, verschwinde, Du bist hier unerwünscht, bevor die Aufforderung im Kommentkampf  unterstrichen werden muss, zieht der Streuner weiter. Krümel zufrieden wendet sich wieder der Hündin zu, sie rennen wieder Kreise, scheinen immer noch nicht erschöpft zu sein.

Plötzlich bleibt Krümel ganz angespannt stehen, dann setzt sich der Hundekörper in Bewegung, es sieht aus, als berühren die Hinterläufe die Nase, so hat meine Schwiegertochter ihren Hund noch nie in Bewegung gesehen, und wie schnell er sich entfernt!

Es hätte absolut keinen Sinn gemacht, ihn rufen zu wollen, abwarten war angesagt.

Krümel hat inmitten des Spiels wahrgenommen, dass der fremde Rüde sich immer mehr seinem Sankt Immen Rudel nähert. Seinem Rudel ist er sehr verbunden, das hat er uns schon viele Male gezeigt.

Die Bernermädel empfangen ihn schon am Zaun, sind auch sehr aufgebracht über den fremden Rüden, der dann Krümel wahrnehmend  nicht an unserem Zaun verweilt. Zur Sicherheit markiert  Krümel doch noch mal das Sankt Immen Territorium, man kann ja nicht wissen! Was für ein Hund!  

Ein Bärenhund und heiße Bräute

Heute nehme ich meinen Job als Boss ziemlich unkonzentriert wahr, der Himmel ist dunkel, die Wolken fallen bald auf das Haus, so viel Wasser haben sie gespeichert, das ist es nicht, in mir ist so eine unbestimmte Sehnsucht, ich kann sie nicht beschreiben, sie lässt mich gar nicht mehr ich selbst sein.

Das fängt schon gestern an, ich bin  beim Rudel, tolle mit den Bernerdamen herum, da bläst der Wind mir einen Duft zu, der mich rein närrisch macht.

Ich höre auf zu spielen, strecke meinen Kopf in den Wind und produziere Laute, die bisher keiner von mir kennt.

Der Boss vom Sankt Immen Rudel meint,   Krümel, ruhig, du lockst ja alle Wölfe von Polen an, wenn du so weiterheulst, ja, ich heule herzzerreißend. Ist doch auch ein Jammer, irgendwo gibt es eine heiße Braut, und ich kann nicht zu ihr.

Endlich kommen meine Leute nach Hause, das lenkt mich etwas weg von meinem Seelenschmerz. Das wisst ihr ja wohl von euch, na gut, ihr könnt vielleicht nicht so heulen oder ihr traut euch nur nicht.

Die Wolken sind nicht auf die Erde gefallen, sie schütteln ihre Last ab, ihr würdet sagen, es gießt aus Kannen. Normalerweise hätte ich jetzt keine Lust auf einen Spaziergang, heute schon, vielleicht finde ich ja heraus, wo die Braut wohnt. Unser Weg führt zum Rudel, mein Boss hat mich an der Leine.

Das ist auch so ein Menschending, bis Mitte Juli dürfen wir uns nicht einmal richtig durch bewegen, Leinenzwang heißt dies leidige Thema, zum Schutz der Tiere, die der Jäger später abschießt, ich sage es ja, Mensch du wundersames Wesen.

Nein, keine Spur im Gras von meiner Duftpuppe, dafür wird eine Erinnerung wachgerufen, ich grummel, mein Boss bespricht noch mit seiner Frau, warum ich das Gras anknurre, da hab ich ihn entdeckt, versteckt sich vor mir im Kornfeld, wieder so nah bei meinem Rudel, Bursche, heute vertreib ich dich nicht nur, heute bekommst du einen Denkzettel.

Mit einem gewaltigen Satz springe ich ins Korn, sorry Boss, ich vergesse immer, dass du nur zwei Beine hast, weniger Bodenhaftung bei  Nässe, und dass du dich an die Menschengesetze wie Leinenzwang halten musst, wie gern hätte ich dich nicht im Schlepptau mitgenommen, du bremst mich ganz schön ab, aber ich kriege den Streuner, so was freches nicht mit mir, dann eben ein anderes Mal, so blöd wie der ist, wird es das geben.

Mit dem Halti hätte ich diese Chance nicht gehabt, denk mal drüber nach Boss!

Wenn Hündinnen heiß sind habe ich keinen Gehorsam, keinen Hunger und keinen Durst, du lernst mich schon noch richtig kennen.

Wenn ein Bär philosophiert

Mit meinem Umzug aus dem heimischen Rudel habe ich ja nun mehr als Glück.

Wenn ich mir vorstelle, da holt sich ein Zweibeiner einen Bären, weil er sonst von Niemandem wahrgenommen wird, oh je, was wäre ich für den doch eine große Enttäuschung.

Neben mir geht er ganz unter, weil alle nur auf mich schauen.

Noch abartiger ist der Gedanke, mich hätte einer geholt, der meint, dass ich der bessere Mensch sei.

Ich bin ein großer Hund und werde niemals das werden, was der von mir erwartet.  Ich soll in einer Welt zurechtkommen, mit der du bereits abgeschlossen hast?

Ich kann dem Menschen meine gute Nase leihen, meine Schnelligkeit…eben all das, wo ich eine gute Ergänzung bin, ich kann ihm nicht seinen Psychiater ersetzen, den er dringend braucht, wenn er als Mensch mit den Menschen nicht klar kommt.

Ich sehe es vor mir, dich werde ich führen müssen, du bist nicht die Persönlichkeit, die ein Rudel anführen kann, du wirst meine Bedürfnisse nie erkennen, du siehst mich nicht als Hund. Bekomme deine Probleme in den Griff, bevor du einem Hund welche machst!

Besser oder schlechter ist ja wohl nicht die Frage, wenn dir meine Zuverlässigkeit gefällt, wo steht, dass Menschen sie nicht haben dürfen? Dir gefällt die Klarheit in meinem Verhalten, wo steht, dass Menschen sich gegenseitig immer etwas vormachen müssen?

Fragst du dich nie, wie du auf mich wirkst, wenn Du so sprichst?

Da gibt es Menschen, die sagen, Hunde, niemals, diese Unterwürfigkeit ist ekelhaft.

Wahrscheinlich waren sie Zeugen einer Hundeabrichtung durch Menschen, die sonst nie etwas zu melden haben, so etwas gibt es leider auch. Schüttel, wenn mich so ein Mensch geholt hätte, ich wäre ja kein Hund mehr, nur eine Marionette! Ich denke aber, mir wäre das nicht passiert, nicht mit dem Stück Hirtenhund in mir.

Du zeigst mir, wo mein Platz im Rudel ist, lässt mich Dein Partner sein, machst mir hundlich verständlich was Du von mir willst und lässt mich ein Hund sein?

Dann kannst Du dich für einen Bruder oder eine Schwester von mir interessieren, mir geht es so gut, dass ich bleibe, wo ich bin und mein allerbestes gebe. 



Autor: Karin Petersohn      http://www.sankt-immen.de





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