Ein schöner Vormittag war das gewesen, findet Hasso. Bin mit Herrchen mit dem Zug in die Nachbarstadt gefahren, um dort Freunde zu besuchen, auch sind wir lange Gassi gegangen. Bin aber erstaunt darüber, dass uns viele fremde interessante Vierbeiner begegneten, bei einigen war die Chemie sofort Klasse, bei anderen kam keine Antenne zustande, aber das ist ja im Leben überall so.
Am späten Nachmittag machten Herrchen und ich uns wieder mit dem Zug auf die Heimfahrt. Ein Vergnügen war das allerdings keineswegs, der Zug war proppenvoll, im Abteil noch zwei weitere Hunde, nicht unbedingt meine Kragenweite, aber ich ließ mir nichts anmerken. Der eine davon kläffte andauernd nervig, obwohl die Leute versuchten, ihn zu beruhigen. Durch die Enge im Abteil hatte ich überhaupt keine richtige Möglichkeit, es mir bequem zu machen, dazu ringsum lautes Stimmengewirr, und dann war es auch kein gemütlicher, moderner Zug, während er Fahrt knarrte und quietschte es ständig, das tat meinen Ohren weh.
Ich wurde richtig nervös und entsetzlich müde, hofte nur darauf, dass die Fahrt bald zu Ende sei und ich es mir zu Hause richtig gemütlich machen könnte, ein Schläfchen würde mir sehr wohl tun, um meine Lebensgeister wieder auf Vordermann zu bringen.
Na endlich, der Zug erreichte den Bahnhof unserer Stadt, wurde aber auch höchste Zeit, dass die blöde Fahrt zu Ende war. Alles drängelte sich zum Ausgang, aber dabei verging doch noch geraume Zeit, bis ich mich mit Herrchen auf dem Bahnsteig befand, der quoll richtig über mit Reisenden, da noch ein anderer Zug angekommen war. Auch waren noch mehr Hunde darunter, denn ich vernahm lautes Bellen.
Ja - und nun kam plötzlich noch ein weiteres, persönliches Problem auf mich zu, ich verspürte großen Druck auf meiner Blase, musste ganz dringend Pippi. Die Treppe vom Bahnsteig hinunter dauerte es auch ziemlich lange für meine Begriffe, denn zu viele Menschen wollten alle gleichzeitig hinuntergehen. Der Druck auf die Blase wurde immer stärker, unangenehmer, schrecklich, das Bedürfnis. Ich versuchte ja schon mit aller Kraft, die Pippi zurückzuhalten, hoffentlich waren wir bald aus dem Bahnhof raus, dann musste ich es aber rauslassen.
Als wir die Treppe runter waren, und mit den vielen anderen Menschen dem Ausgang zugingen, spürte ich aber plötzlich, weiter kam ich auf keinen Fall, die Pippi wollte auf der Stelle raus. Herrchen schien davon nichts zu merken. Mir war es jetzt aber auch egal, ich hockte mich hin und ließ der Pippi freien Lauf, während ringsum die Menschen weitergingen.
Herrchen hatte wohl von meinem dringenden Bedürfnis noch immer nichts mitbekommen, denn er zog plötzlich stark an der Leine, die zum Glück lang genug war, aber ich musste weitergehen, einige Schritte nur. Die restliche Pippi wollte noch raus, da meine Blase am Platzen war. Jetzt wurde mir alles egal. Ich hockte mich wieder in der vollen Bahnhofshalle hin und blieb nun aber sitzen, während die Pippi lief und lief, ein großer Bach bildete sich auf dem Boden. Herrchen schien nun doch etwas zu merken. Ich bellte kurz laut auf, er drehte sich um, der Druck der Leine ließ augenblicklich nach. Nachdem die ganze Pippi raus war, die Blase endlich leer, hatte ich wieder ein tolles Feeling, war vielleicht erleichtert, tat mir richtig gut.
Die ganze Sache war mir etwas unangenehm, dass ich nicht bis draußen vorm Bahnhof warten konnte, ich merkte auch, dass einige Menschen kein Verständnis für mein Benehmen hatten, denn ich hörte Stimmen, aber auch die von meinem Herrchen war darunter. Ich spürte in dieser Situation auch, dass er voll auf meiner Seite stand. Vielleicht waren ja auch Hundebesitzer dabei, die für mich vollstes Verständnis hatten.
Jedenfalls wartete mein Herrchen nun, bis ich fertig war mit Pippimachen, streichelte mich ausgiebig, um mich zu beruhigen, denn das brauchte ich jetzt sehr dringend. Es gab ja die Bahnreinigung die würde schon meine Pippi schnell wieder wegputzen. Ich jedenfalls fühlte mich nun wieder besser. Draußen angekommen, tat mir die frische Luft enorm gut, nach einem kurzen Spaziergang waren wir endlich zu Hause und ich hatte es sehr eilig, an meinem Lieblingsplatz das heiß ersehnte Schläfchen zu halten.