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Moritz: Eine Familie kommt auf den Hund
oder ein Märchen wird wahr


Es war einmal eine Familie mit drei erwachsenen Kindern. Der Mann sprach:“ Wenn ich in Rente gehe, hole ich mir einen großen Hund für lange Spaziergänge.“ Da sprach die Frau: „Wir könnten uns doch schon mal Pflegehunde holen, denn Pflegestellen werden z.Zt. sehr gebraucht und wenn wir uns in einen Hund verlieben, behalten wir ihn.“
Gesagt, getan und so kam an einem Tag im Juni Moritz in die Familie, ein großer, junger, bildschöner DSH Rüde im Alter von sechzehn Monaten.
Die Großmutter der Familie hatte Angst vor großen Hunden, da sie als junge Frau mal von einem Schäferhund angefallen worden war. Sie ging allen Hunden aus dem Wege und wollte in Zukunft nicht mehr zu Besuch kommen, aus Angst von dem Hund gebissen zu werden.

Die Frau redete eine halbe Stunde lang mit Engelszungen auf sie ein. Schließlich willigte Großmutter mit einem Stoßseufzer und den Worten ein: „ Du weißt gar nicht, was du mir da antust.“ Großmutter wagte sich dann mit mulmigem Gefühl im Magen und Leckerchen bewaffnet in die Höhle des schönen Biestes und war sehr überrascht und gerührt, als sich der Hund ihr zu Füßen warf und ihre Hand leckte. Sie schaute in seine dunklen Augen und es war Liebe auf den ersten Blick!

Nur leider entpuppte sich Moritz auf der Straße als schönes Biest, es bellte alles, was sich dort fortbewegte, äußerst aggressiv an. Selbst Radfahrer und Autos, die sich in größerem Abstand von ihm bewegten, wurden aufs heftigste angebellt. Da er ein großes Tier war (67 cm Schulterhöhe) und sich kräftig in die Leine warf, ließ der Muskelkater daher in den Armen all derer, die mit ihm Gassi gingen, nicht lange auf sich warten. Seine erste Familie hatte ihn abgegeben mit den Worten: " Sie werden sehen, der Hund macht sie fertig!"

Nach einer Woche überlegte die Familie erschöpft im Familienrat, ob sie wirklich die richtige Familie für diesen wilden Hund sei oder ob andere mit mehr Erfahrung diesen Hund nicht besser bändigen könnten.
Aber Großmutter war den Tränen nahe, als sie hörte, dass sie vielleicht Abschied von ihm nehmen sollte!
Auf Bitten und Flehen von Großmutter, ihm doch nicht nochmals ein Verlassenwerden zu zumuten, beschlossen sie dann, es schließlich noch einmal mit ihm zu versuchen, denn zu Hause war Moritz ja ein lieber Hausgenosse.
Für Großmutter war das schöne Biest inzwischen ihr „liebes Schätzchen" und „kleines, liebes Kerlchen" und wurde von ihr verhätschelt und getätschelt und mit allen möglichen Leckereien verwöhnt. Und in ihrer Angst, Moritz wieder zu verlieren, drohte Großmutter nun jedem mit Enterbung, der auch nur daran dachte, ihren Schatz an andere vermitteln zu lassen!
Großmutter weicht seit dem auch keinem anderen großen Hund mehr auf die andere Straßenseite aus und auch Hundehaare auf ihrem guten Teppich stören sie überhaupt nicht mehr.

Und so leben sie noch heute mit ihrem Hund Moritz glücklich und zufrieden.


Autor: J. Strauß





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