Der Tag fing so schön an. Oma besuchte uns und ich schnupperte sofort an ihrer Handtasche. Da ist bestimmt was Leckeres für mich drin. Richtig! Aber es dauert bloß immer so lange, bis sie endlich den Reißverschluss ihrer Handtasche zur Seite zieht (Omas eben...) um mir das zu geben, was ich schon an der Wohnungstür lieblich duftend wahrnehmen konnte.
Ja ... Kochschinken. Ich liebe Kochschinken. Weiß ich doch leider aus Erfahrung, dass ich ihn überhaupt nicht vertrage. Aber ich bin ein Hund und der würde sicherlich nie zu seiner Oma sagen: „ Danke, aber Du weißt doch, dass ich davon Durchfall bekomme, und Kochschinken ist nun wirklich nicht die Art von Essen, die ein Hundemädchen mit 11 Monaten bekommen sollte.“ Natürlich nicht!
Ich setzte mich genau vor sie und machte den Mund auf, wie ein Vogelkind, welches ungeduldig nach Futter bettelt. Mama schüttelte nur mit dem Kopf und warf uns einen niederschmetternden Blick zu. Egal, mir hat es geschmeckt und Oma freute sich, mir die kleinen Stücke in meine weit geöffnete „Futterluke“ zu schieben.
Oh... wie werde ich morgen wieder leiden – Bauchweh und die vorwurfsvollen Sätze von Mama: „Hab ich doch gleich gewusst, und wer nicht hören will muss eben fühlen!“ Die Sätze eben, die man als Hundekind immer zu hören bekommt. Jaja ...
Am Abend war Mama der Meinung, dass sie noch mal zur Bank müsse. Ich dachte noch so, jetzt um diese Uhrzeit? Und Papa kommt gleich von der Arbeit. Aber sie wollten sich wohl vor der Bank treffen. Ich bekam das Radio an und das Licht wurde in fast jedem Zimmer angemacht, damit ich mich nicht so alleine fühle und keine Angst habe. Ja, so kann ich die Zeit des Wartens aushalten.
Es dauerte ewig für mich bis die Beiden wieder kamen. Große Freude als ich Papa sah und noch mehr Freude als ich Mama sah. Sie waren total aufgeregt und erzählten mir, dass sie gerade Zeuge eines Banküberfalls waren. Papa hat wohl total mutig die Polizei angerufen und Mama hatte ganz zittrige Knie.
Tja, habe ich nicht gesagt, dass man um diese Uhrzeit nicht mehr in die Bank gehen sollte? Warum hört eigentlich nie jemand auf mich?
Spät am Abend bekam Papa einen Anruf von der Polizei, ob er nicht vorbei kommen könnte um eine Zeugenaussage zu machen. Er sagte zu und Mama war total traurig, dass sie nicht angesprochen wurde. Sie war ja auch dabei und hatte alles gesehen. Nein, Mama, ich ahne was, lass uns doch hier bleiben. Wir legen uns gemütlich aufs Sofa und schmusen. Kaum den Gedanken ausgesprochen hörte ich schon Mama Worte: „ Emmely und ich kommen auch mit“! Na toll! Vielleicht möchte ich gar nicht mit zur Kriminalpolizei und mich lieber aufs Sofa legen. Aber ich musste mit.
Es war ja so langweilig für mich. Mama und Papa musste ganz viele Fragen beantworten und ich lag laut gähnend in Mamas Arm. Nach etwa 2 Stunden konnte ich nicht mehr. Ich musste mal Pipi machen und habe das mit völliger Unruhe deutlich gezeigt. Bin froh, dass Mama mich schon so gut kennt um zu deuten, was ich damit sagen will. Der Polizist sagte dann zum Glück, dass wir jetzt fertig sind. Hätte das auch nicht mehr länger aufhalten können und es hat ganz dolle in meinem Bauch gedrückt. Raus auf die Straße und ich habe mich sofort hingesetzt. Das war eine Erleichterung ... puh.
Wieder zu Hause angekommen sind wir sofort ins Bett gefallen. Es war ja auch schon spät und wir drei hatten für heute genug Aufregung. Ich habe mir vorgenommen, von der Polizei zu träumen, wie ich mutig auf dem Beifahrersitz eines Polizeiautos sitze und den Bankräuber auf der Straße sehe und festnehme. Zur Belohnung bekomme ich dann eine ganz große Scheibe Kochschinken.