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Dolly - Teil 4:
Das "Stürmen"


Hallo, heute will ich von meiner Unart des "Stürmens" erzählen. Man soll sich ja nicht immer nur loben, sondern auch einmal etwas Selbstkritik betreiben.
Meistens geht nur einer meiner Eltern mit mir "Gassi". Das ist für mich nichts Besonderes. Aber wenn ich an den Vorbereitungen merke, das das ganze Rudel zusammen weggehen wird, kann ich mich kaum noch halten. Schon beim Anlegen des Halsbandes schaffe ich es nicht mehr, mich ruhig hinsetzen und stürze dann schreiend und quiekend aus dem Haus. Das ist zwar nicht sehr schön, aber ich kann auch nicht dafür, wenn ich mich so freue. Früher wussten das Frauchen und Herrchen nicht einzuschätzen und versuchten mich, Ratschlägen fol-gend, mit Gewalt zur Räson zu bringen. Da waren wir dann alle mit den Nerven fertig.

Ich war wie weggetreten und wollte nur stürmen, stürmen, stürmen; auch wenn ich kaum noch Luft bekam, weil ich mir mit der Leine den Hals abschnürte. Ich konnte auch gar kein Kommando hören. Zur Not konnte ich mit zitternden Flanken zu "Steh" gebracht werden.
Jetzt sind meine Eltern vernünftiger geworden und gestatten mir, die Freude erst einmal herauszulassen. Nach einer Weile stelle ich dann das Schreien und Quieken ein, nach einer weiteren Weile das Galoppieren und dann höre ich sogar mit Ziehen auf.
Aber wenn ich in meine Hundetasche gesteckt werde, dann weiß ich schon, dass es bald in Straßenbahn oder Bus geht. Ich weiß auch nicht warum, aber ich muss Angst haben. Anfangs habe ich da auch geschrieen, dass sich der halbe Wagen um den "armen" Hund kümmerte. Das war mir auch wieder lästig. Zur Freude meiner Eltern wim-mere ich jetzt nur leise vor mich hin und das geht meistens im Fahrgeräusch unter. Manchmal vergesse ich auch zu weinen. Wenn es dann aber ans Aussteigen geht, gibt es kein Halten mehr. Die letzten zehn Sekunden kann ich es kaum noch aushalten und muss doch wieder laut schreien. Bevor mein Vater die Hundetasche richtig öff-nen kann, habe ich mich schon herausgestrampelt. Jetzt muss erst einmal die angestaute Energie 'raus. Da hilft alles nichts. Ich MUSS bellen und ziehen.

Übrigens, wenn ich mit Herrchen allein fahre, entfällt ja das vorherige Stürmen; dann habe ich auch in der Bahn oder im Bus keine Angst. Ich sitze ruhig in meiner Tasche und betrachte mir als vernünftiger Hund die anderen Fahrgäste und mache mir so meine Hundegedanken. Nur manchmal fällt mir kurz ein, dass ich sonst eigentlich weine. Aber da genügt eine kurze Ermahnung meines Vaters.
Meine Eltern habe sich auch viel den Kopf zerbrochen, warum es denn gekommen ist. Na, bei meinen Zweitel-tern, wurde wir, alle sechs Hunde und eine jeweils unterschiedliche Anzahl von Welpen, ins Auto gesteckt, wenn es einmal hinaus ging. Im Garten wurde dann die Klappe geöffnet und alles stürzte schreiend, quiekend, bellend heraus. Vielleicht habe ich es mir da angewöhnt? Oder - anfangs bei meinen dritten Eltern wollte ich nicht lau-fen. Es war da im Januar auch ein zu mieses Wetter, bei dem man - wie die Menschen sagen - keinen Hund hinausjagt. Aber ich musste ja meine Würstchen und Pfützchen machen. So freute sich dann mein Frauchen riesig, als ich das erstemal im Wald Lust zum Rennen hatte und rannte mit mir mit, wenn ich wollte.

Nun hoffen meine Eltern, dass ich mit dem Älterwerden auch ruhiger werde und vielleicht einmal auch meine Freude so unter Kontrolle habe, dass ich trotzdem auf Kommandos hören kann.



Autor: © Martin Eberhard Kamprad    http://www.kamprad-online.de





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