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Vier Fellige und zwei Dosies
Die Memoiren des Idefix von Tschengtu (3. Teil)



Kapitel 9
Peitschenorgie im Vatikan

Mit meinem Bruder an der Seite war ein Gleichgewicht der Kräfte zustande gekommen (die Dosies waren zu zweit und wir nun auch), aber dies sollte nicht lange bestehen.
Nein nein, keine Angst, mein Bruder und ich sind noch heute unzertrennlich.
Es kam viel besser.
Die Dosies vertrugen sich im laufe der nächsten Jahre immer weniger und schließlich trennten sie sich.
Unser Frauchen zog aus und mein Bruder und ich gleich mit ihr.
Nun waren wir beide in der Überzahl und sie war uns hoffnungslos verfallen, ein nahezu paradiesischer Zustand für uns Fellige.
Vor allem da mich dieser Umzug auch von Dr. Coldfingers Vaselinefinger befreite. Mein Frauchen fand einen neuen Tierarzt, der mir einfach meine Duftdrüsen entfernte.
Zugegeben, dadurch bin ich zwar zum Invaliden geworden, aber zu einem Invaliden bei dem man nicht ständig Eskimoreisegruppen durch den Anus führt.
Zum Dank machte ich meinem Frauchen die Freude und ließen sie glauben das sie der Boss sei, aber wie sich sicher denken können war natürlich ich der absolute Herrscher.
Wenn sie hier und da ein wenig zu aufmüpfig wurde, brachte sie eine kleine 'Al Wauzida' Mission schnell wieder auf den Boden der Realität.
Aber Leider sollten diese (für mich) gerechten Zustände schon bald eine neue Wendung nehmen.
(Sicher wundern sie sich jetzt über den Titel dieses Kapitels, wo doch weder der Vatikan noch irgendwelche Peitschenorgien eine Rolle spielten.
Nun, mir war klar das dieses kurze Kapitel wenig aufregendes für den Leser zu bieten hat, aber ein Lüstling würde einen Text mit so einem Titel doch geradezu verschlingen und da wir auch schon am Ende angekommen sind und sie immer noch lesen hat es offensichtlich ja geklappt.)


Kapitel 10
Der LanghaarDosie

Der naturgewollte Zustand meiner Machtposition war also wieder hergestellt und mit meinem Bruder als Vertrauten (und konspiratives 'Al Wauzida' Mitglied) hatte ich gute Karten um diese Position problemlos zu halten.
Doch wie ich eventuell schon erwähnt habe bin ich etwas von mir eingenommen und obwohl mir dies schon einmal zum Verhängnis wurde, lies ich mich von dem berauschenden Siegestaumel erneut einlullen.
Deshalb dachte ich mir nichts böses als sie eines abends noch einmal fortging (schließlich gewährt der weise Führer dem Fußvolk bei Zeiten solche Freiheiten).
Sie kam allerdings sehr spät zurück ('Al Wauzida' hatte schon begonnen Erziehungsmaßnahmen für diesen Vorfall zu planen) und als sie dann, um Vergebung heischend, eine letzte Gassirunde mit uns machen wollte, sah ich den Langhaarigen zum ersten mal.
Ich tat ausgesprochen freundlich im gegenüber und hatte so Gelegenheit in genauer zu beschnüffeln.
Wollte sich mein Frauchen ernsthaft mit diesem verloderten Typen einlassen?
Nicht das mein Dosie in der Zeit nach der Trennung wie eine zugenähte Nonne mit einer Bärenfalle im Schlüpfer gelebt hätte, aber dieser langhaarige Kerl war nun eindeutig unter unserem Niveau.
Vor allem, da wir drei uns gemeinsam für eine praktische Kurzhaarfrisur entschlossen hatten.
Zu dieser Zeit hatten wir unseren Dosie so erzogen, das unsere abendliche Gassirunde darin bestand das sie mit Caspar bis zur nächsten Ecke schlenderte, während ich es vorzog die Straße vor dem Eingang unseres Domizils mit meiner persönlichen Note zu versehen.
An diesem Abend hielt sich Frauchen auch noch an dieses Ritual, obwohl der LanhaarDosie es schon für nötig hielt sie zu begleiten, aber bereits am nächsten Tag änderte sie einfach unsere Gewohnheiten und zwar ohne uns vorher darüber zu rate zu ziehen.
Sie erwartete plötzlich von uns, das wir in stockfinsterer Nacht mit ihr und dem LoderDosie durch die eiskalten Straßen des Winterlichen Berlins liefen.
Kilometer um Kilometer mussten wir mitlaufen (ich wäre wenig erstaunt gewesen, wenn wir plötzlich vor einem polnischen oder gar russischen Grenzbeamten gestanden hätten) und alle unsere Proteste wurden einfach übergangen.
Selbstredend reagierte 'Al Wauzida' sofort mit entsprechenden Terror- und Sabotageaktionen, aber unser Dosieweibchen schien es nicht einmal zu bemerken.
Die absolute Krönung dieser Frechheiten, die sie sich plötzlich wieder herausnahm, war allerdings das sie diesen Kerl schon am darauf folgenden Wochenende (sie war erneut ohne uns ausgegangen, das undankbare Luder) einfach mitbrachte und ihm erlaubte in unserem Bett zu nächtigen!
Ich nutzte die Gelegenheit um seine Technik zu beobachten, obwohl Dosieintimitäten wirklich kein schöner Anblick sind. Wenn er mir nicht so abgrundtief zuwider gewesen wäre, hätte ich ihm zur Fortbildung das Köter Sutra empfohlen.
Meinem Dosieweibchen schien es aber zu genügen (vielleicht hätte ich lieber ihr das Köter Sutra empfehlen sollen).
Der Frechheiten nicht genug, kam sie in den folgenden Tagen eigentlich nur noch zu schlafen Heim und sie roch jedes Mal nach dem LanghaarDosie und etwas, dass ich noch nicht genau einsortieren konnte, aber schon bald begegnen sollte.
Eine erneute Wendung meines gebeutelten Lebens stand mir bevor.


Kapitel 11
Verstärkung

Der LanghaarDosie machte mir langsam Sorgen.
Wenn sich mein Dosie auf Dauer mit ihm zusammen tat, würden Caspar und ich nicht mehr in der Mehrheit sein und da der Typ meinem Frauchen ordentlich den Kopf verdreht hatte war sie auch für unsere kleinen Untergrundaktivitäten vorerst nicht sonderlich anfällig.
Ich zermarterte mir mein geniales Gehirn über eine baldige Lösung dieses Problems. Sicher wäre mir auch eine absolut umwerfende Idee gekommen, aber diesmal war das Schicksal auf meiner Seite und schickte mir eine unerwartete Verstärkung in Form einer Katze.
Langhaars Langhaarkatze, eine Perser, um genau zu sein. Größeres Bild ? Anklicken !

Ich lernte sie kennen, nachdem mein Dosieweibchen offenbar den Entschluss gefasst hatte auf Dauer mit dem LanghaarDosie zusammen zu gehen.
Also erinnerte sie sich netterweise auch mal wieder an ihre Verpflichtungen uns Felligen gegenüber und nahm uns mit in seine Wohnung.
Dort war sie also, eine schon etwas reifere Katzendame mit Namen Bonnie.
Mit ihrem cremefarbenen Fell, den langen Haaren (bei ihr sah es anders als bei ihrem Dosie gut aus) und dem einen Auge (wie sie mir später erzählte hatte sie das andere bei einem Unfall in jungen Jahren verloren) umgab sie ein Hauch von geheimnisvoller Verwegenheit.
Ich sollte an dieser Stelle mit dem Vorurteil aufräumen, dass Hunde und Katzen sich generell sprichwörtlich auch wie Hund und Katz verhalten.
Meistens liegt es wirklich nur an einem Verständigungsproblem das man sich nicht gleich grün ist, aber da ich insgeheim schon immer ein stiller Bewunderer dieser eleganten Rasse war (schließlich bin ich ein Löwenhund, wenn sie sich bitte erinnern wollen), beherrschte ich zumindest die Grundbegriffe des Kätzisch und konnte so wenigstens leidlich gut mit ihr kommunizieren.
Bonnie erwies sich als ausgesprochen geschickt in der Dosieerziehung.
Ihre Auswahl an Terroraktionen beschränkte sich zwar überwiegend auf eine abgewandelte Form meines Flutplans aus jungen Tagen (sie bevorzugte die Couch, aber ihr Dosie hatte sich schon darauf eingestellt und deckte diese mit wasserdichten Folien ab), aber sie hatte subtilere Methoden der Unterdrückung entwickelt.
Sie litt bedauerlicher weise an einem Herzfehler, wusste diesen aber geschickt als Druckmittel einzusetzen und welcher Dosie kann schon einem armen, kranken Tier etwas abschlagen (hehehe).
Die Kleine war mir ausgesprochen sympathisch, vor allem da sie nicht nach der Führerposition schielte sondern vollauf damit zufrieden war, ihren Dosie als nützlichen Mitbewohner anzusehen.
Ich beschloss Bonnie als inoffizielles Rudelmitglied anzuerkennen, selbst wenn ich mich dadurch mit dem LanghaarDosie abfinden musste.
Ihre feine, katzenhafte Methode der Willensdurchsetzung interessierte mich.
Ich wurde ja auch nicht jünger und wer konnte schon sagen, was meine Zukunft noch für mich bereit hielt.
Nun stand es also drei Fellige gegen zwei Dosies.


Kapitel 12
Verwirrspiel

Ja wir waren nun zu dritt, aber Bonnie hatte wenig Lust unserer 'Al Wauzida' beizutreten. Dies lag weniger an unserem Programm, sondern eigentlich mehr am Namen der Organisation (irgendwo ja verständlich das sich eine Katze nicht mit Wauzida identifiziert), also beschlossen wir uns einen neuen, allgemeineren Namen zu geben.
Nach kurzer Beratung einigten wir uns auf 'Randaliererfront außergewöhnlicher Fellige', kurz R.a.F..
Die Vorgehensweise der R.a.F. war nicht mit den recht brachialen Methoden der 'Al Wauzida' vergleichbar.
Wir arbeiteten nun auf einem wesentlich höheren Niveau.
Psychoterror.
Unsere erste gemeinsame Aktion nannten wir 'Überläufer'; wir Hund interessierten uns schlagartig nur noch für den LanghaarDosie während Bonnie eine ungemeine Vorliebe für unser Frauchen heuchelte.
Auf diese Art verwirrten wir die Dosies nicht nur und verunsicherten sie dadurch völlig, wir hatten dabei auch gleich Gelegenheit den jeweiligen Neusklaven auf stärken und schwächen abzuchecken.
Der LanghaarDosie überraschte mich.
Wenn ich mir bisher bei den Dosiemännchen durch ein kräftiges knurren im rechten Moment Respekt verschaffet hatte, so blieb dieses Exemplar hier davon ziemlich unbeeindruckt. Entweder war er für einen Dosie außergewöhnlich mutig, oder maßlos dumm.
Ich vermutete letzteres, denn allem Anschein nach träumte er von gleichem Recht für alle.
Gleiches Recht für Dosies und Fellige, ohne Standesunterschiede und Rudelführer?
Verrückte Idee, was?
Ich beschloss ihm diesen Zahn zu ziehen, indem ich meine eigenen Zähne einsetzte.
Na ja, zuerst drohte ich ihm mit meinem furchteinflößendsten Knurren als er sich anmaßen wollte mit uns ohne unserem Frauchen Gassi zu gehen.
Aber wie schon gesagt, wirkte das bei ihm nicht und er zwang uns mit ihm zu gehen.
Diese Niederlage wollte und konnte ich nicht auf mir sitzen lassen.
Bei nächster Gelegenheit, unser Frauchen war arbeiten und konnte ihm also nicht beistehen, spielte ich ganz ausgelassen mit dem LanghaarDosie und wie zufällig verfehlte ich meinen Ball und grub mein Gebiss genussvoll in seinen Unterarm.
Aber anstatt nun angstvoll vor mir zurück zu weichen, schnappte er mich und verbannte mich kurzfristig in mein Körbchen.
Auf so eine Reaktion hatte ich spekuliert. Mir war klar, wenn mein Frauchen von dem eigenmächtigen Handeln mir gegenüber erfuhr, würde er in der Rudelordnung sicher ganz weit nach unten rutschen.
Aber dieses undankbare Dosieweibchen stellte sich ganz offen auf seine Seite und gab ihm für sein absolut anmaßendes Fehlverhalten auch noch Recht!
Ich war ehrlich schockiert.
Sofort berief ich eine Sitzung der R.a.F. ein und wollte die Beiden Dosies mit einer wahren Terrorwelle überziehen, aber Bonnie machte mir einen anderen Vorschlag.
Sie wollte mich in ihren subtilen Methoden einweisen die zwar langwieriger waren, aber auf die Dauer eine tiefere Wirkung erzielen würden. Skeptisch, aber doch sehr interessiert willigte ich ein mir ihre Methode etwas genauer erklären zu lassen.
Sie verpasste uns eine kleine Intensivlektion in ihrer Arbeit, den wir auch bald darauf in die Tat umsetzten konnten.
Als wieder einmal das leidige Thema der Fellkämmung auf den Tisch kam, konnten wir unsere ersten Feldversuche starten.
(Vorher sollte ich ihnen als Dosie wohl noch kurz erklären was diese Kämmerei für uns Fellige bedeutet.
Stellen sie sich vor, jemand haut ihnen zuerst kleine Haken in die Haut, zerrt dann wie ein bescheinigter Wahnsinniger daran, verunstaltet mit einer Schere ihr Erscheinungsbild und versucht sie danach noch in kochendem Wasser zu ertränken.
Haben sie dieses Bild im Kopf?
Gut, jetzt multiplizieren sie das ganze mit zehn und addieren ihren schlimmsten Zahnarztbesuch dazu, dann wissen sie in etwa was sich im Vergleich zu unserer Kämmtortur gut anfühlen würde.)
Caspar versuchte die Dosies (mit geringem Erfolg) zu verunsichern indem er sich möglichst locker gab und bei jeder Gelegenheit wie ein nasser Sack in sich zusammenfiel.
Ich experimentierte (ebenfalls mit mäßigen Ergebnissen) mit einer Mischung aus aktiven Widerstand und passivem Fluchtverhalten rum, aber wir Hunde mussten uns eingestehen das Bonnie die absolute Meisterin war.
Sie nutzte die Tatsache das sie aus medizinischen Gründen Entwässerungstabletten bekam aus und in dem Moment wo ihr Dosie ihr den Bauch kämmen wollte, pinkelte sie ihn gezielt und mit einem kräftigen Strahl von oben bis unten voll.
Als sie dann noch ein gekonnt schweres atmen dazu hervorbrachte, wurde das arme, kranke Tier natürlich nicht bestraft (wer würde das schon übers Herz bringen) sondern, im Gegensatz zu uns Hunden, sofort aus der Quälorgie halbfertig entlassen.
Neidisch beobachteten wir diese Szene und waren uns einig, wir hatten den unbestrittenen Guru der Dosieunterdrückung gefunden.

Autor: Karsten      






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