History

Tiergeschichten.de – eine Erfolgsstory

Wenn ich gewusst hätte, dass das ein historischer Moment ist, hätte ich einen Screenshot gemacht oder mir wenigstens das Datum gemerkt. So weiß ich nur, dass es irgendwann Mitte Januar 2003 gewesen sein muss: Ich besuchte das damals noch recht einfach strukturierte Diskussionsforum der Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“. Dort suchte ein gewisser Dietmar Nächilla verschiedenes Textmaterial für eine neue Online-Tiergeschichten-Sammlung. Prima, dachte ich, da kannst du ja deinen ollen Kram hinschicken! Über unsere Katzen hatte ich in den vergangenen Jahren ja einiges geschrieben. Und schon brachte ich eine E-Mail mit Anhang auf den Weg.

Tja, und heute, fast acht (acht!!!) Jahre später haben wir rund 2.300 Beiträge zu allem nur erdenklichen Getier gesammelt und sind inzwischen aufs einfachere und interaktivere Bloggen umgestiegen. Ich sage „wir“, denn vom Autor bin ich ratzfatz zum Mitarbeiter avanciert, der an zweiter Stelle im Impressum steht.

Hinter Tiergeschichten.de stecken also zwei gestandene Leute, ähem, mittleren Alters: Dietmar lebt mit seiner Frau in Worms, ich lebe mit meinem Partner in der Nähe von Stuttgart. Uns ist auch nichts Tierisches fremd: Dietmar hat Erfahrung als Hundehalter, und bei uns daheim haben die Katzen das Sagen.

Wie kommt man auf das außergewöhnliche Hobby, für eine interessierte Leserschaft Tiergeschichten zu sammeln? Dietmar sagt dazu: „Schon als Kind hatte ich ein besonders herzliches Verhältnis zu Tieren. Das begann mit einem Wellensittich und setzte sich über die Jahrzehnte mit vielen Katzen fort. Heute sind wir auf den Hund gekommen. Tiergeschichten las ich schon immer sehr gerne, und mit dem Internet tat sich eine neue Quelle auf. Die Sucherei war manchmal schon etwas mühsam, es gab keine richtige Anlaufstelle. Da mir die Webseitenerstellung viel Freude macht, kam ich auf die Idee, selbst etwas aufzubauen. Die Domain war schnell registriert, doch zum richtigen Anfang kam es vorerst nicht. Ende 2002 erhielt ich durch den Kontakt über eine andere Seite zwei Hundegeschichten, „Waldi“ und „Blacky“. Der Anfang war gemacht …“

Und ich hielt das für eine viel versprechende Idee und bin spontan mit eingestiegen.

Die Idee gefiel nicht nur Dietmar und mir, sondern auch zahlreichen Lesern und Autoren. Anscheinend bedienen wir ein Bedürfnis, das seither nicht ausreichend bedient worden ist: Das Bedürfnis der Tierfreunde, der Welt von ihren Lieblingen zu erzählen. Und die Welt nimmt die Geschichten erfreut zur Kenntnis.

Dietmar und ich sind ein gutes Team, auch wenn wir uns in all den Jahren nur einmal getroffen und nur einmal kurz telefoniert haben. Die Verständigung läuft über E-Mail, und das klappt tadellos. Das mag daran liegen, dass wir eine „Gewaltenteilung“ haben, ganz ähnlich, wie ich das von meinem Job als Werbetexterin gewöhnt bin. Dietmar als IT-Experte ist der Fachmann für Technik und Gestaltung, und ich als altes Verlagswesen bin zuständig für Text und Kommunikation. Wir verständigen uns darüber, was wir vorhaben, und danach macht jeder das, wovon er am meisten versteht.

Wilde Ideen haben wir beide. Ob’s um Kooperationen, Pressearbeit, Werbung, die Anmeldung für Awards oder das Guinnessbuch der Rekorde geht, um Gewinnspiele, Newsletters oder irgendwelche Zusatzfeatures für die Seite – irgendwann steht eine Idee im Raum und wird gnadenlos umgesetzt.

Ein ungeplanter Nebeneffekt meiner Tätigkeit als „Sprecher“ der Seite ist, dass Autoren und sonstige Gesprächspartner überwiegend mich mit Tiergeschichten.de identifizieren und es oft gar nicht mitkriegen, dass wir ein Zweierteam sind – und dass der Initiator der Seite Dietmar ist. Ich bemühe mich, dem entgegenzuwirken, aber es ist nicht einfach.

Vor dem Erfolg von Tiergeschichten.de stand zunächst einmal viel Informationsarbeit. Dass es uns gibt und was genau wir tun, musste ja erst im Internet bekannt gemacht werden. Als erstes haben wir Autoren aus unserem Bekanntenkreis um Beiträge aus ihrem Fundus gebeten, damit wir alle unsere Rubriken zumindest mit einer Grundausstattung an Stories bestücken konnten. Wenn einmal ein Anfang gemacht ist, tun sich die Leute leichter, uns ihr Material zu überlassen. Dann wissen sie ungefähr, was wir suchen.

Und dann ging’s auf Schnorrtour kreuz und quer durch das Internet – wir haben schlichtweg wildfremden Leuten ihre Tiergeschichten von deren privater Homepage heruntergebettelt. Ich habe die Erfolgsquote nie gemessen, aber die allermeisten reagieren auf unsere Anfrage, und nur ganz selten hat uns jemand abschlägig beschieden. Und das, obwohl wir außer ein bisschen Werbung und Anerkennung für den Verfasser nichts bieten können. Das heißt, es fließt kein Honorar.

Gleichzeitig machten wir uns daran, diverse Foren mit unserer Botschaft zu infiltrieren. In Internetforen, in denen wir uns üblicherweise herumtreiben und in solchen, in denen wir interessierte Personengruppen vermuteten, hinterließen wir die Information, dass es Tiergeschichten.de gibt und dass wir ständig Material suchen. Ich habe alle Varianten ausgetestet, von dezent und subtil bis so aggressiv, dass man mich aus dem Forum rausgeschmissen hat. Dass man dieses Vorgehen „virales Marketing“ nennt, haben wir erst viel später erfahren. Da waren wir schon längst ausgefuchste Experten auf diesem Gebiet.

Bald fluteten die Geschichten auch „automatisch“ in unsere Mailboxen. Und in mein Snailmail-Postfach. Wenn es Texte nur als Papierausdruck und nicht als Daten gibt, tippe ich nämlich auch selber. Oder wenn der Autor so raffiniert war, die Texte als Bild auf seiner Homepage zu verewigen … Es gibt nix, was es nicht gibt!

Wir übernehmen eine Geschichte prinzipiell nur, wenn wir das Okay des Verfassers haben. Raubkopien machen wir keine. Zwei oder drei „Wandersagen“, die seit Jahren -zigfach im Internet kursieren und deren Urheber beim besten Willen nicht mehr aufzuspüren sind, haben wir allerdings schon auf unserer Seite, jedoch mit entsprechendem Vermerk.

Wenn ich unsere Autoren beschreiben soll, komme ich ins Schwimmen. Außer „Tierfreunde“ fällt mir kein gemeinsamer Nenner ein. Schulkinder und RentnerInnen, Hausfrauen, Doktoren und Professoren, Geistliche und Journalisten … es gibt sie in allen Altersklassen und Berufen. Seit ich auf einem Seminar mein privates Engagement für Tiergeschichten.de erwähnt habe, gehört sogar mein Chef zu unseren Autoren. Die Leser lieben seine humorvollen Hundegeschichten.

Unsere Autoren kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, aus Luxemburg, England, Griechenland, Israel und Australien. Sie schreiben über alles nur erdenkliche Getier, verfassen Lustiges und Trauriges, Ernsthaftes und Albernes, Prosa und Gedichte, Selbsterlebtes und Erfundenes … Kurz und gut: die Tiergeschichten sind so vielfältig und abwechslungsreich wie das Leben selbst.

Gelegentlich kommt es vor, dass es eine der Geschichten von unserer Seite aus in eine Zeitschrift oder sogar ein Buch schafft. Die Verlage wissen, dass es uns gibt und schauen durchaus, was wir zu bieten haben. Und manchmal gebe ich den Redaktionen auch gezielt Tipps …

Die Arbeit an Tiergeschichten.de bleibt spannend und interessant. Immer noch fluten die Geschichten, Gedichte und Bilder herein, und immer noch gibt es neue Stories und Autoren in den unendlichen Weiten des Internet zu entdecken. Dietmar optimiert ständig die Gestaltung und den Nutzwert der Seite, und die steigenden Besucherzahlen geben uns Recht. Irgendwann wird vielleicht auch mein Traum wahr, und die Tiersendung „hundkatzemaus“ auf VOX erwähnt unsere Seite in ihrer Nachrichtenrubrik …

Stuttgart, Oktober 2010
Edith Nebel

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