Sri Lanka
Wir schreiben das Jahr 1998. Vom 7. bis 23. März verbrachten meine Mutter, mein Sohn Toni und ich - Kerstin, 31 Jahre alt - einen kurzfristig gebuchten Urlaub in Sri Lanka. Ein Land, von dem wir bis dahin eigentlich nur wußten, daß es unterhalb von Indien liegt und über das wir von allen Seiten hörten, dort sei "Krieg". Mehr war kaum einem bekannt, mehr interessierte auch niemanden. Viel eher wurden wir bedauert, warum wir ausgerechnet in so eine "heiße" Gegend - sowohl politisch als auch meteorologisch - fahren mußten.
Wir mußten nicht. Und heute weiß ich, das kaum eine Entscheidung so richtig war, wie die für dieses Land am Ende der Welt.
Der folgende Text ist ein Auszug aus meinem Reisebericht, der vollständig auf der Seite http://www.fernizont.de zu lesen ist.
Safari
Am Nachmittag starten wir mit Jeeps zur Safari in den "Uda Walawe Nationalpark". Elefanten kann man hier sehen, Büffel vielleicht, Vögel - es gibt keine Garantie.
Die offenen Jeeps sind schlecht gefedert, oder die Straßen sind löchriger als vermutet. Die Sitze erinnern an Holzbretter, blaue Flecken sind nicht zu vermeiden.
Die Fahrt führt am eingezäunten Nationalpark entlang, bis zu dessen Eingang. Strom liegt an den Zäunen an, erklärt der deutschsprechende Reiseleiter. Abends um sieben Uhr wird er eingeschaltet, sonst würden die Elefanten zu den Feldern kommen und sich durchfressen.
Holpernd geht die Fahrt eine ausgewaschene Sandspur entlang durch den Park. Die Wagen schwanken bedrohlich, unglaubliches leistet der Motor, ich sehe mich im Geiste mehrmals schieben.
Die Landschaft ist karg. Gras und Gebüsch überall, einige Bäume - Savanne. In der Ferne leuchtet das Hochland in der langsam tiefer sinkenden Sonne. Blau und grau heben sich die sanft geschwungenen Berge voneinander ab.
Ein junger Mann in der khakifarbenen Uniform des Parkes und grauem Rangerhut begleitet uns. Er steht hinten im Wagen, angelehnt an die Überrollbügel des Jeeps. In der Hand eine Münze, mit der er leise an die Holme klopft um dem Fahrer das Halten zu signalisieren.
"Elefant" sagt er und weist auf einen schwarzen Buckel im Gras. Klick, klick - halt. Es hätte auch irgendein Stein sein können. Ich muß lange suchen um was zu sehen.
Klick, klick - weiter geht es. Die Münze erspart jedes weitere Wort.
Gespannt stehen wir nun alle schweigend zwischen dem Gitter der Bügel. Jeder noch so kleine Buckel auf dem Weg beschert mir einen weiteren blauen Fleck auf den Hüftknochen - oder eine dunklere Farbe der bestehenden.
"Elefant" sagt er wieder. In zu großer Entfernung beschäftigt sich eine Herde mit dem Abendbrot.
Dann haben wir jedoch auch Glück. Zehn Meter neben der Straße grast eine Herde Elefanten. Nimmt keine Notiz von uns. Der Fahrer schaltet den Motor aus. Das einzige Geräusch ist der singende Dauerton der Grillen. Grummelnd bewegen sich die staubigen Tiere weiter. Behäbig, nur keine Eile. Zwei Jungbullen, denen erste Stoßzähnchen aus dem Maul wachsen, balgen sich. Ein gutes Motiv. Das sieht nicht so langweilig aus wie entfernt grasende "Steine".
Der Ranger tippt mich an, weist auf seinen Arm. Eine dicke Spinne, irgendwie einer Miniaturvogelspinne ähnlich, läuft darauf entlang. Ich bin begeistert, lasse sie umsteigen auf meine Hand, betrachte ihr buntes Rückenmuster.
Eine Vogelspinne als Haustier, das ist schon lange so ein Spleen von mir. Wenn nur nicht das Futterproblem wäre.
Der junge Mann weicht zurück, weiß nicht so recht, was er nun mehr fürchten soll, die Spinne, oder mich. Ich biete ihm sein "Haustier" wieder an, er erklärt mit einer knappen Geste, das er Angst davor hat. Komisch - er hat doch den ganzen Tag mit Tieren zu tun...
Wir begegnen noch unzähligen Elefanten auf unserer Rundstrecke. Auf dem Rückweg überquert gerade eine Gruppe hinter dem vor uns fahrenden Jeep die Straße. Ein Baby ist dabei. Warnend greift ein Bulle mit wedelnden Ohren unseren Wagen an. Einen Meter vorher bricht er seine Attacke ab. Selbstverständlich ist gerade jetzt mein Film voll.
Etwas weiter starrt eine Herde Büffel am Wasserloch auf die Fahrzeuge.
Alle sehen in eine Richtung, scheinen zu warten, wer die Initiative ergreift. Einen Bullen packt es dann wohl. Er will "die Kurve kratzen", stolpert, stürzt, wedelt mit den Hufen in der Luft, springt panikartig auf und verleitet die Herde zur völlig unnötigen Hals-über-Kopf Flucht. Eine Mutter mit Kalb bleibt im Wasserloch zurück, sieht den Davoneilenden nach, trottet gemächlich hinterdrein.
Die Sonne ist verschwunden, etwas teilnahmslos lassen wir uns zurück ins Hotel fahren. Was für ein stressiger Tag. Es gibt auch mit Sicherheit keinen sauberen Fleck mehr an uns. Der gelbe Staub der Straßen hat alles eingefärbt. Meine Kamera sieht aus wie gepudert, ich kann mich nur auf meine Erfahrung verlassen, daß sie so etwas noch nie übel genommen hat. Objektive und Filter brauchen ebenfalls eine Reinigung, auch wenn sie die ganze Zeit über in der Tasche geschützt waren.
Die Nacht im Hotel verspricht auch nicht sehr erholsam zu werden. Hatten wir uns noch gefreut, einmal nicht von den "Kreischhühnern" geweckt zu werden, zeigt hier ein anderes Tier seine Beharrlichkeit. Am Seeufer müssen Hunderte von Fröschen lagern !
Lautes Quaken in allen Tonhöhen und Variationen, vermischt mit dem Gesang der Grillen - das wird ja eine schöne Nacht werden. Seufzend begeben wir uns unter die - hier sehr notwendigen - Moskitonetze und hoffen, es werde ihnen bald die Luft ausgehen.