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…wie Flic und Floc in die griechische Ruine kamen.


Gleich zum Beginn moechte ich klarstellen, dass wir beide, Antonio und ich nicht an Tiere in Kaefigen glauben, weder Gefiedertes noch sonst was. Das einzige was wir uns zugestanden haben, waren einige Goldfische, die in dem Gartenteich ueber eine interessante Infrastruktur verfuegen und ausser unserer Katze Babà keine natuerlichen Feinde haben. Abgesehen von dem ungluecklichen Zufall, dass unser Hund Gea waehrend des Saubermachens des Teiches mit den schnuckeligen Fischchen spielen wollte, und die Fische das aber gar nicht lustig fanden. Und abgesehen von den verschiedensten Rettungsaktionen zugunsten von Wasserschildkroetchen die in unzureichlichen, ja geradezu kriminellen Behaeltern als Blumendekoration angeboten wurden. Wir waren so gluecklich, sogar der hohe Betrag konnte uns nicht abhalten, und haben sie grosszuegigerweise gleich in den Teich abtauchen lassen. Welche Wonne und Freude- nur sind sie leider in ganz praezisem und fast wie von geheimer Hand gesteuertem Rhythmus nach genau 3 Tagen und einigen Stunden auf's Nimmerwiedersehen verschwunden.

Und dann kam der 23 Dezember, genau ein Tag vor Weihnachten, machten wir uns auf den Weg um genug Hundefutter einzukaufen, damit wir sicher ueber die lange Reihe Feiertage kamen. Nur einer unserer Laeden war so nett, um immer den Vorrat fuer unsere Seniorin Joya aufzufuellen. Noch dies und das, kleine Hundehaeppchen, denn schliesslich war ja beinahe Weihnachten, Antonio kann es einfach nicht bleiben lassen, und wir stehen an der Kasse. Und da sehen wir sie, zwei kleine Wasserschildkroetchen, alleine, schmutzig von Algen gruen verfaerbt und in einem viel zu kleinen Behaelter mit nur einem fingerbreit Wasser, lethargisch, denn es war ja schliesslich Winter, auf bessere Zeiten hoffend.

Ich erinnerte mich immer noch an alle frueheren gescheiterten Rettungen und griff schnell in den Geldbeutel um die Rechnung des Hundefutters zu bezahlen. Antonio half die schweren Saecke im Auto zu verstauen und bald darauf ging es wieder froehlich bergauf, Richtung nach Hause.
Und so wurde es 24. Dezember, bei uns wie immer gemuetlich und ohne Hektik, da wir uns einig sind, dass dieser Festtagsrummel nicht zu uns passt. Genau nach dem zweiten Espresso, es war Antonio der darueber anfing, dass es doch traurig waere, diese Schildkroetchen in dem Zustand Weihnachten verbringen zu lassen. Ich tat erst, wie wenn ich mich nicht erinnern koennte. Aber es half nicht lange und bevor ich recht wusste was los war, sitzen wir wieder im Auto und fuhren zur Zoohandlung. Ja, da waren sie noch und ohne weitere Diskussionen haben wir "Flic und Floc" gekauft.

In der naechsten Zoohandlung, unserer Bekannten Ida, haben wir einen Behaelter gekauft - wie ein Swimmingpool, gruenlich-blaeulich, durchsichtig (mit tropischem Aspekt!) und mit einer kleinen Bruecke und natuerlich das noetige Futter dazu.

Zuhause angekommen haben wir die ganze Sache installiert und Flic und Floc haben sich ziemlich traege, es war ja schliesslich Winterschlaf angesagt, in das neue Zuhause gefuegt. Eines war uns klar, diese zwei werden sich leider nicht mehr in dem Weiher tummeln. Flic hat sich gut entwickelt, er waechst und vor allem er beisst. Sobald er einen Finger zu packen kriegt, beisst er ordentlich durch. Noch tut es nicht echt weh - aber das wird nicht mehr lange dauern. Floc, sie scheint ein Weibchen zu sein (wie wir das wissen, weiss Gott allein) aber sie ist kleiner, schuechterner und vor allem sie beisst (noch) nicht. Sie hat so viele weibliche Qualitaeten, dass mittlerweile kein Zweifel mehr besteht.

So ging es lange weiter, im Sommer steht der Schildkroetchen-Pool im Garten auf einem Gestell, ausserhalb des Bereichs von Katze und spielenden Hunden. Aber der Behaelter wird langsam auch so grauslig gruen, obwohl wir das Wasser regelmaessig wechseln. Es ist vor allem die Bruecke, die so zersetzt wirkt, dass etwas geschehen musste.

Und genau da, passiert das Unglaubliche. Meine Assistentin Raffaela hatte mir schon vor einiger Zeit eine Komposition von Luftpflanzen auf einer griechischen Tempelruine geschenkt. Nicht wissend, dass in unserer gesunden aber trockenen Alpenluft die Tage dieser tropischen Pflanzen gezaehlt sind. Und da stand nun die Ruine, verlassen und trist. Genau zu diesem Zeitpunkt war die Bruecke so vergammelt, dass nur noch eine heldenhafte Tat das schlimmste verhindern konnte.

Das war der Tag an dem unsere zwei Schildkroetchen Flic und Floc in die griechische Tempelruine einzogen. Eine geglueckte Reinkarnation?

Fuer uns ein sicherlich praktisches Recicling und eine wunderschoene Ruine in unserem Schildkroetchen-Pool.



Autor: Ursula      





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