Sascha hatte ein Erlebnis mit nicht ganz alltäglichen Tieren. In der Ferienzeit bekam er eine besondere Aufgabe zugeteilt, deren Erfüllung er sich recht einfach vorgestellt hatte. Während seine Eltern in den Urlaub fuhren, sollte er die Tiere der Familie versorgen. Mit einem Hund oder einer Katze hätte er sicherlich keine Schwierigkeiten gehabt, aber ihm wurden zwei kapitale Grüne Leguane anvertraut. Einer der beiden sollte ihm das Leben noch schwer machen.
Bevor Sascha die Pflegearbeiten übernahm, schaute er seinem Vater über die Schulter, um die wichtigsten Handgriffe zu lernen. Der junge Mann bekam so manchen Rat. Immer wieder wurde ihm gesagt, dass er sich den Tieren sehr vorsichtig nähern sollte. Respektvoll beobachtete Sascha die fast zwei Meter langen und mehrere Pfund schweren Leguane. Was ihn immer wieder faszinierte, war die Zutraulichkeit, welche die Echsen seinem Vater gegenüber zeigten. Die Salatblätter oder den Löwenzahn fraßen sie aus der Hand. Nach der Fütterung kamen sie sogar von ihrem Kletterbaum herunter, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen. Mit hoch erhobenem Kopf, die häutige Kehlwamme ausgebreitet und mit geschlossenen Augen, genossen die Reptilien die Berührung durch die menschliche Hand. Sascha wünschte sich, dass die Tiere ihm irgendwann ebenso viel Vertrauen schenken würden. Aber zunächst kam alles ganz anders, als er es sich vorstellte.
Ein Miniatursaurier, der Grüne Leguan
Die Eltern des jungen Mannes hatten ihre Urlaubsreise angetreten. Zum ersten Mal schob Sascha die schweren Frontscheiben des großen Terrariums auf, in dem die Grünen Leguane untergebracht waren. Die beiden Tiere beobachteten ganz genau jede seiner Bewegungen. Er zupfte Salatblätter und legte die Stücke auf den Platz, an dem die Leguane für gewöhnlich fraßen. Der eine kam sofort und verschlang das Futter, der andere sah nur von einem hohen Ast auf den neuen Pfleger herab und regte sich nicht von der Stelle. Sascha machte sich zunächst keine Gedanken, denn sein Vater hatte ihm auch gesagt, dass die Reptilien einige Zeit ohne Futter überstehen würden. Als der Leguan nach dem fünften Tag die Fastenkur noch immer nicht beenden wollte, wurde der junge Mann sehr unruhig und machte sich ernsthafte Sorgen über das Wohlergehen seines Schützlings. Doch alles Grübeln half nicht, jetzt zählten nur noch Taten. Da nahm Sascha seinen ganzen Mut zusammen und hielt dem Futterverweigerer den Salat direkt vor das Maul. Doch statt zu fressen schlug der ihm, mit einem peitschenden Hieb des langen Schwanzes, das Blatt aus der Hand. Erschrocken wich Sascha zurück, schob schnell die Terrarienscheibe zu und ließ sich, mit vor Aufregung pochendem Herzen, in den Wohnzimmersessel fallen. Guter Rat war teuer und keiner konnte ihm bei seinem Problem helfen. Damit das Tier nicht verhungerte, musste schnell eine Lösung gefunden werden.
Beim Salatkauf im Gemüsegeschäft hatte Sascha eine Idee. Zwischen den Massen an Grünzeug, Obst und anderen vegetarischen Genüssen, fand er ein Körbchen mit Erdbeeren, die sehr lecker aussahen. Er zweifelte noch ob er die Früchte kaufen sollte, denn sie waren sehr teuer. Doch dann dachte er daran, dass vielleicht die Farbe oder der Geruch den Leguan zum Fressen verführen könnten. "Probieren geht über Studieren", dachte er sich und kaufte das Obst. Wieder zu Hause angekommen, öffnete er das Terrarium, nahm eine Erdbeere zwischen die Finger und bot dem Reptil ganz vorsichtig die Frucht an. Die Echse sah die Hand und drohte mit wildem Kopfnicken. Aufgeregt schlängelte der Grüne Leguan den kräftige Schwanz hin und her. Doch plötzlich wurde das Tier ganz ruhig, leckte mit seiner fleischigen Zunge an der Erdbeere und verschlang sie gierig. Sehr froh darüber, dass der Bann endlich gebrochen war fütterte der junge Mann weiter und der Leguan schluckte eine Frucht nach der anderen unersättlich hinunter.
Die Tage vergingen, die Grünen Leguane fraßen was das Zeug hielt und Sascha war mit dem Verlauf der Dinge mehr als zufrieden. Die Tiere ließen sogar zu, dass ihr Pfleger sie anfassen durfte. Dies war das beste Zeichen dafür, dass sie ihn voll und ganz akzeptiert hatten.
Der Urlaub der Eltern war zu Ende. Voller Stolz erzählte Sascha seinem Vater die Erlebnisse. Vor allem wie er den Futterverweigerer dazu gebracht hatte, endlich wieder zu fressen. Der Vater lachte laut und sagte, dass auch er viele Kniffe bei der Leguanpflege anwenden würde, aber mit Bestechung hätte er es noch nicht versucht.