Kai Lüftner: Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün, äh Blau (9 – 11 Jahre)

Kai Lüftner: Sei kein Frosch! Ein Tierkrimi in Grün, äh Blau (9 – 11 Jahre), Münster 2019, Coppenrath Verlag, Hardcover, ISBN 978-3-649-62135-5, 166 Seiten, mit farbigen Illustrationen von Günther Jakobs, Format: 16,7 x 2,2 x 20,4 cm, Buch: EUR 14,00, Kindle: EUR 9,99, auch als Hörbuch lieferbar.

Abb.: (c) Coppenrath Verlag

„Die ersten paar Tage nach der Pause [= dem Winter] glich die Umgebung des Teichs einem seltsamen Jahrmarkt aus eigenartigen Kreaturen. Überall staksten, schlängelten und krabbelten Insekten, Amphibien und Reptilien auf steifen Gliedmaßen herum – wenn sie denn welche hatten. Sie wirkten beinahe wie Zombies, so unsicher auf ihren Beinchen, vom monatelangen Frost gelähmt.“ (Seite 13/14)

Eigentlich ist Hope ein hundsgewöhnlicher europäischer Laubfrosch, der in einem Astloch eines Pflaumenbaums auf der Feuchtwiese haust. Was ihn von seinen Artgenossen unterscheidet, ist seine Farbe. Weil ihm gelbe Hautpigmente fehlen, ist er nicht froschgrün, sondern himmelblau. Deswegen hat seine Mutter ihn auch Hope genannt – nach dem berühmten blauen Hope-Diamanten.

Woher eine Froschmutter auf der Wiese etwas über blaue Diamanten weiß? Sie ist im Labor eines Professors aufgewachsen und hat dort so manches über die Welt der Menschen gelernt. Dass es gute und schlechte Menschen gibt, zum Beispiel. Das ist anderen Tieren nicht so klar.

Ein Toter im See! Der Frosch ermittelt


Umweltschützer Johannes war einer der guten Menschen. Jetzt treibt er tot im See. Hope hat ihn gekannt: Er hat seine Mutter und ihn vor Jahren mal fotografiert und das Bild als Motiv für ein Plakat verwendet. Damit wollte er auf die Schutzwürdigkeit der Tierwelt am See hinweisen und verhindern, dass ein vermögender und gut vernetzter Mann dort ein Haus hinstellt. Vergebens. Der Mann hat seine Wut an den Fröschen ausgelassen, Hopes Mutter erschlagen und das Haus trotz allem gebaut. Ob er auch den Umweltschütter getötet hat? Hope traut es ihm zu.

Dem blauen Fröschlein ist durchaus klar, dass es ein kleines Beutetier ist, das vollauf damit beschäftigt ist, zu verhindern, von Graureihern, Störchen oder Fischen gefressen zu werden. Oder von der nur mäßig vertrauenswürdigen Zornnatter Alfred. Trotzdem kann Hope den Tod des Umweltschützers nicht auf sich beruhen lassen. Er beschließt, sich zu den Menschen zu begeben und mit ihrer Hilfe den Mord aufzuklären.

Blöd nur, dass Hope die Menschen zwar versteht, aber selbst nicht sprechen kann. Nur ein bisschen beatboxen kann er. Das hat er sich von den Kindern der örtlichen Tierärztin abgelauscht, die sich öfter mal auf der Wiese aufhalten. Ihnen zeigt er sich, als sie wieder mal vorbeikommen, und wie zu erwarten war, sind sie von einem himmelblauen Frosch, der nicht nur „Quak“ sagen kann, sondern auch Sachen wie „TZZ-TZZ, PFFF, BUH“ und ein gewisses Rhythmusgefühl besitzt, schwer beeindruckt. Sie nehmen ihn mit nach Hause und quartieren ihn in einem Terrarium ein.

Der Fall läuft aus dem Ruder


Noch wissen die Menschen nicht, dass ihr Artgenosse Johannes tot ist. Sie suchen ihn. Und fast ganz von allein kommen die Kinder auf die Idee, mal bei dem Hausbesitzer am See nach ihm zu fragen. Hope nehmen sie mit. Die Konfrontation verläuft allerdings nicht gut. Der Mann jagt die Kinder davon und behält den Frosch.

Als Hope zu sich kommt, sitzt er, eingesperrt in einem Gurkenglas, im Haus des Mordverdächtigen. Er verfällt in Panik. Allein kommt er hier nie wieder raus! Hilfe naht von unerwarteter Seite. Und das ist nicht die einzige Überraschung für den tierischen blauen Amateurdetektiv. Bei diesem Fall ist so manches nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht …

Bei diesem Tierkrimi erfährt man vieles über Amphibien und Reptilien, über den Umweltschutz und über die Natur des Menschen. Die Sprache ist wunderschön bildhaft und der Illustrator setzt genau das in seinen farbigen Zeichnungen um, was der Autor so treffend beschreibt.

Keine allzu leichte Kost für junge Leser


Vielleicht unterschätze ich die heutigen Neun- bis Elfjährigen, aber ich habe mich gefragt, ob sie auch alles verstehen, was sie hier lesen. Wissen sie, was der Autor mit „leicht vereisten Synapsen“ (S. 15) oder mit einem „Sediment-Orkan“ (S. 18) meint? Ist ihnen klar, was es bedeutet, wenn Hope „Pigmente“ (S. 44) fehlen und Frosch Hubi als „übermäßig proportioniert“ (S. 35) beschrieben wird?

Besonders einfach macht es der Autor seinen jungen Leserinnen und Lesern nicht, sprachlich nicht und inhaltlich auch nicht. Aber da sind die Kids heute vermutlich mediengestählt und härter im Nehmen als wir damals. Sie verkraften es (hoffentlich!), wenn von den Guten welche sterben müssen und wenn ambivalente Figuren wie die Zornnatter Alfred auftauchen, von denen man nicht so recht weiß, ob sie Freund oder Feind sind.

Als ich im Alter der Zielgruppe war, wäre für mich die Auflösung des Falls ein Schock gewesen. Aber ich gehöre ja auch noch zu der Generation, die um Bambis Mutter geweint hat.

Der Autor
Kai Lüftner, geb. 1975 in Berlin, arbeitete als Streetworker, Kabarettist, Sozialarbeiter, Pizza-Fahrer, Türsteher, Liedtexter, Comedy-Autor, Konzertveranstalter, Komponist und Musiker, Radioredakteur sowie in Alten- und Kinderheimen. Heute verdient er sein Geld als Hörbuchbearbeiter, Regisseur und Kinderbuchautor. Er ist Vater eines Sohnes und lebt in Berlin-Köpenick. In seiner Freizeit macht er Kampfsport, lässt sich tätowieren, engagiert sich im Tierschutz, liest viel, hört und macht Musik, sammelt Münzen, geht auf Schatzsuche und geht mit dem Hund Gassi.

Der Illustrator
Günther Jakobs wurde 1978 in Bad Neuenahr geboren. Er kommt aus einer reinen Lehrerfamilie und so war es damals für alle eine Überraschung, dass er Design bzw. Illustration studierte. Heute lebt er als Kinderbuchillustrator mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Münster. Er arbeitet in den Ateliers Hafenstraße und hat mittlerweile viele Bilderbücher für verschiedene Verlage gestaltet.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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