Andrea Behnke: Frieda und das Glück der kleinen Dinge (10 – 12 Jahre)

Andrea Behnke: Frieda und das Glück der kleinen Dinge, (10 – 12 Jahre), Grevenbroich 2018, Südpol-Verlag, ISBN 978-3-943086-76-8, Hardcover, 149 Seiten mit zweifarbigen Illustrationen von Corinna Böckmann, Format: 15,4 x 2,2 x 21,1 cm, EUR 13,90.

Abbildung: (c) Südpol-Verlag

„So ist es wohl. Wer weggeht, hat ganz viel Neues in seinem Leben, da bleibt gar kein Platz für Heimweh. Wenn man verlassen wird, ist es schlimmer, weil das Loch so groß ist und nichts da ist, das es füllt. Keine Berge und auch kein See und keine Tiere.“ (Seite 98)

Als wäre es nicht schon beängstigend genug, plötzlich auf eine weiterführende Schule gehen zu müssen, wo alles neu ist und man kaum jemanden kennt, muss Lena-Frieda (10) das auch noch ohne ihre Freundin Nele durchstehen. Die ist mit ihrer Familie vom Ruhrgebiet nach Bayern umgezogen und jetzt steht Lena-Frieda alleine da.

Die neuen Schulkameradinnen sind doof


Die Mädchen in ihrer Klasse scheinen lauter Glitzerweibchen zu sein, die unter der Fuchtel der Oberzicken Celine, Pia und Linda stehen. Da findet die passionierte Skaterin mit den kurzgeschorenen roten Haaren und der Vorliebe für rein praktische Klamotten keinen Anschluss. Dass sie Naturwissenschaften mag und, wie ihre Großmutter Frieda, Biologin werden und Fruchtfliegen erforschen will, macht sie nur noch mehr zur Außenseiterin.

Ihr Nebensitzer Lukas scheint immerhin ganz okay zu sein. Er stänkert jedenfalls nicht und spielt passabel Tischtennis. Sein Kumpel Paul macht auch einen recht umgänglichen Eindruck. Aber können Jungs denn die beste Freundin ersetzen?

Ihren Eltern kann sie mit ihren Fragen und Sorgen nicht kommen, die sind beruflich sehr eingespannt und haben wenig Zeit. Ihre Mutter erwartet immer, dass Lena-Frieda sich mit einem „netten Mädchen“ aus ihrer neuen Klasse befreundet. Wie denn, wenn es da nur doofe, mobbende Ziegen gibt? Die Mutter versteht das nicht. Bleibt nur Oma Frieda. Die hat’s zwar nicht so mit dem Kochen und Backen, wie man das gemeinhin von Omas erwartet, aber sie hat viel Verständnis für junge Mädchen, die anders sind als die anderen. Das war bei ihr damals genauso.

Anders als die anderen? Oma kennt das


Gemeinsam kramen Großmutter und Enkelin auf dem Dachboden in staubigen Erinnerungsstücken und befassen sich mit Erlebnissen aus Omas Kindheit und Jugend. Statt des Fernrohrs, das sie sich sehnlichst gewünscht hat, bekam Oma Frieda als Kind eine Puppe. Ihr bester Freund hieß Theo, und als eines der wenigen Mädchen, das aufs Gymnasium ging, war sie damals eine echte Exotin. Aber sie hat sich nicht beirren lassen und ist ihren Weg gegangen. Und sie hofft, dass ihrer Enkelin dasselbe gelingt.

Doch der eigene Weg ist, wie so oft, steinig. Ein Besuch bei Freundin Nele in Bayern fällt zunächst ernüchternd aus. Der Verlust der besten Freundin hat bei Nele lange keine so große Lücke hinterlassen wie bei Lena-Frieda. Die beiden haben einander immer noch gern, sie bleiben auch in Kontakt, aber die Nähe ist nicht mehr dieselbe wie früher.

Das Leben muss weitergehen, auch ohne Nele


Lena-Frieda ist klar, dass ihr Leben weitergehen muss, auch wenn Nele nicht mehr dauernd in ihrer Nähe ist. Sie ignoriert die Zimtziegen in ihrer Klasse so gut es geht und schließt sich Lukas, Paul und deren Tischtennisverein an. Wird man sie dort akzeptieren?

Als ein Unglück geschieht, zeigt sich, wer ihre Freunde sind …

Dieses Buch ist wie geschaffen dafür, es Mädchen in die Hand zu drücken, die auf einmal ohne ihre beste Freundin klarkommen müssen – und solchen, die sich „seltsam“ vorkommen, weil ihre Altersgenossinnen mehrheitlich andere Interessen haben als sie selbst. Beides kenne ich aus eigener Erfahrung und kann mich an das Gefühl noch sehr genau erinnern.

Es ist schon eine harte Landung, wenn man in der Familie und im bisherigen Freundeskreis immer als vollkommen normal galt, weil die eben genau so drauf sind wie man selber, und man auf einmal feststellen muss, dass man für alle anderen da draußen ein Freak ist.

Dieses Buch gibt Hoffnung und trifft genau den richtigen Ton. Nur die bayrische Carla zählt falsch: „Oans, zwoa, drei“ müsste es heißen. Oma Frieda mit ihrer Vorliebe für Sprüche, Sprache und Redewendungen könnte vielleicht sogar begründen, warum das so ist. 😉

Wie dem auch sei: Ich freue mich über jede unkonventionelle Kinderbuchheldin. Hier gibt’s sogar drei zum Preis von einer: Lena-Frieda, ihre Mutter (welche Kinderbuch-Mutti ist schon Architektin?) und natürlich Oma Frieda, die Fruchtfliegenforscherin.

Die Autorin
Andrea Behnke hat Politikwissenschaft, Publizistik und Anglistik studiert. Nach einigen Jahren Festanstellung arbeitet sie seit Ende 1999 als freiberufliche Journalistin, Autorin und Schriftstellerin. Sie schreibt Geschichten – wahre und erfundene, für Kinder und Erwachsene. Sie arbeitet für Magazine, für Non-Profit-Einrichtungen, für Agenturen, fürs Radio und für Online-Medien – und sie schreibt Bücher. Mehr zu ihr: www.andreabehnke.de




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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