Äffische Parabel

Alle Wesen dieser Welt haben Standpunkte. Der Mensch, gedanklich getrieben, politische, religiöse, familiäre oder z.B. fan-antische eines Fußball-Clubs. Animalische Standpunkte sind instinktives getriebenes Revierverhalten oder an den Futterstellen, um auch hier Beispiele zu nennen.

Der Standpunkt ist individuell geprägt und wird deshalb mit Vehemenz verteidigt. Nur der eigene Standpunkt zählt. Ein Austausch findet nie statt, was die Sachlage demnach erschwert.
Woher ich das weiß … ich bin ich!Man kann dies auch an einer kleinen Geschichte erläutern.

In einem Zoo gebärden sich menschliche Wesen ziemlich albern vor der Glastrennscheibe am Kapuziner Gehege. Sie schneiden Grimassen und drücken sich an der Trennscheibe beinahe die
Nasen platt.

Der Affenchef beobachtet dies mit stoischer Verwunderung. Dann ruft er seine Gefährten zusammen und erklärt, was da s e i n e r Meinung nach hinter der Glastrennscheibe passiert. Er erläutert seinen Standpunkt:
„Liebe Artgenossen, wenn man den Wesen die Freiheit nimmt, dann geschieht, was ihr da seht. Schön, dass wir frei sind und nicht so eingeengt zusammen getrieben sind. Wir können hüpfen, springen, klettern oder uns verstecken, ganz nach belieben, wir sind f r e i ! Schaut die armen Wesen hinter der Scheibe, eingeengt protestieren sie mit hilflosen Gebärden gegen ihre Unfreiheit und beneiden uns. Seid froh, dass wir frei sind.“
Das war sein Standpunkt!

Vor der Trennscheibe erklärt ein Vater seinem Sohn:
„Nur wer wie wir Menschen uns nicht faul treiben lassen sondern unseren Geist benutzt haben, sind wir nicht eingesperrt wie die armen Wesen da drin. Eingesperrt und unfrei leben sie in völliger
Abhängigkeit! Mein Credo: nur Fleiß verhinderte ein solches Leben wie das da drinnen!“

Zwei Standpunkte … diametral. Fest zementiert. Man kann sie verschieden vertauschen, es ändert sich nichts ob vor oder hinter, hinter oder vor alles ist gleich … Alle Wesen haben Standpunkte.

Die Besucher gehen weiter, der Affenchef zieht sich weise zurück. Ich bin ich und nur das gilt … eine schwierige Wesenverwandtschaft! So aber ist die Welt!

Foto: LoggaWiggler / CC0 Creative Commons / pixabay.com




Autor: Hans Witteborg

Hans.Witteborg@gmx.de
http://witteborghans.blogspot.com/


Fotograf/Künstler: © LoggaWiggler / CC0 Creative Commons / www.pixabay.com

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2 Kommentare

  1. Alles eine Frage der Perspektive, richtig.

    Und das mit dem fehlenden Austausch stimmt auch. Ist mir schon in sehr jungen Jahren in TV-Talkshows aufgefallen. Jeder geht mit seiner Meinung rein und äußert sie dort in Varianten. Was die anderen sagen, die abweichender Meinung sind, ist dabei egal.

    Eigentlich könnten alle nach dem ersten Ablassen ihres Statements nach Hause gehen. Die Zuschauer wissen ja nun, wer wofür steht – wenn er die Leut‘ und ihre Meinungen nicht sowieso schon längst aus anderen Sendungen kennt – und einen Mehrwert an Informationen wird es nicht geben. Jeder beharrt auf seinem Standpunkt, keiner lernt dazu. Die Diskussionspartner nicht und die Zuschauer auch nicht.

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 6. November 2018 at 10:42
    • Antworten

    Sehr wahre Worte ! Wir sind (und bleiben) in unserer eigenen Vorstellungs- und Gedankenwelt gefangen.

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