Julia Christe: Flying Cats. Bildband

Julia Christe: Flying Cats. Bildband, München 2018, Knesebeck-Verlag, ISBN 978-3-95728-191-3, Hardcover, 126 Seiten, mit ganzseitigen Farbfotos, Format: 18,4 x 2 x 21,1 cm, EUR 15,00.

Abbildung: (c) Knesebeck-Verlag

Bücher müssen den Leser nicht immer schlauer machen. Manche machen einfach nur Spaß und lassen einen staunen: Was die Natur nicht alles auf Lager hat! Und auf welche Ideen manche Leute kommen! In diesem Fall die Fotografin Julia Christe. Fliegende Katzen! Unglaublich.

Warum das Buch einen englischsprachigen Titel haben muss, hat sich mir nicht erschlossen. Man spart nicht einmal Druckplatten und damit Kosten, wenn man Cover für fremdsprachige Fassungen produziert. Aber sei’s drum. So heißt das Buch nun mal.

Katzen-Luftballett – mehr oder weniger graziös


Keine Sorge: Den Tieren ist bei den Fotosessions nichts passiert. Julia Christe hat bei Katzenausstellungen die schönsten Champions rekrutiert, in ihr Studio gebeten und sie dann beim Spielen und Springen fotografiert. Die Perspektive mach’s – und der richtige Moment um auf den Auslöser zu drücken. Schon gibt’s graziöses Katzen-Luftballett zu sehen. Ja, okay: Bei der Eleganz gibt’s schon Abstufungen. Die Maine Coons sehen so aus, als würden sie dem Fotografenteam gleich an die Gurgel springen. Und Vertreter besonders plüschiger Rassen schießen wie bepelzte Kanonenkugeln durchs Bild.

Doppelseite (c) Knesebeck-Verlag, Foto: Edith Nebel

Doppelseite (c) Knesebeck-Verlag, Foto: Edith Nebel

Warum es hier fast nur preisgekrönte Rassekatzen zu sehen gibt, wo doch Hauskatzen auch sehr dekorativ sind und wunderbar springen können? Weil diese Tiere den Show-Rummel gewöhnt sind und sich weder von der Studioatmosphäre noch von Blitzlichtgewitter irritieren lassen.

Die ersten Versuche hat Julia Christe tatsächlich mit ihren eigenen Bauernhofkatzen gemacht. Aber die haben ihr die Stinkekralle gezeigt und jegliche Zusammenarbeit verweigert. Sie wollten nicht eingefangen werden, in einer Transportbox sitzen, mit dem Auto ins Studio gekarrt werden und dort Kunststückchen machen müssen. So etwas waren sie nicht gewöhnt. Sie wollten in Ruhe gelassen werden und in ihrer Scheune Mäuse fangen. Das muss man respektieren. Deshalb sehen wir hier fast nur Katzenschau-erprobte Champions fliegen.

Die Infos zu den Models sind im Anhang


Die Fotoseiten sind nicht paginiert und enthalten auch keinerlei erklärenden Text. Man sieht also wirklich nur die Bilder. Wer hier wer ist und welcher Katzenrasse die Models jeweils angehören, erfahren wir auf den Seiten 116 – 124. Da sind die Doppelseiten nochmals in Briefmarkengröße abgebildet und darunter steht, wer auf den Bildern zu sehen ist. Wenn man von der Übersicht zu einem bestimmten großen Foto zurückblättern und will, wird’s allerdings ein bisschen mühsam. Denn, wie gesagt, die Fotoseiten haben keine Seitenzahlen. Die Sucherei ist ein wenig lästig.

Doppelseite (c) Knesebeck-Verlag, Foto: Edith Nebel

Anhand dieser Seitenübersicht erkennt man zum Glück, dass manche Seiten in dem Buch absichtlich weiß geblieben sind. Beim ersten Durchblättern dachte ich erschrocken: „O je, ein Mängelexemplar mit unbedruckten Seiten!“ Nein, das ist kein Fehldruck. Das gehört so.

Fasziniert habe ich die Bildlegenden in der Übersicht studiert. Da ist wirklich eine Menge Katzen-Adel versammelt! Golden Grand vom Grafenhaus, Scottish Fold; „Pico“ Be Winner Eastern Amber* PL, Peterbald; Temperamento`s Indiana Jones, Orientalisch Kurzhaar … und zwischendrin: Rudi, Hauskatze. Ich hab‘ so gelacht! Und zum Springen hat der Rudi an dem Tag wohl keinen Bock gehabt. 😀

Falls das Buch je in den USA erscheinen sollte, wird man bei den Nacktkatzen wohl ein Höschen ins Bild hineinretuschieren müssen. Oder einen schwarzen Balken. Bei Nacktheit versteht man dort nämlich keinen Spaß. Und bei den Tieren auf den Seiten 94/95 und 102 fehlt die Rassenangabe. Ich hab unter dem Züchternamen nachgeschaut: Es sind Bengalen.

FLYING CATS bringt keinen großartigen Erkenntnisgewinn, außer vielleicht, dass man ein paar Katzenrassen entdeckt, die man noch nicht kannte. Man blättert, staunt, schmunzelt und amüsiert sich. Das Büchlein eignet sich auch sehr gut als witziges Geschenk für Katzenfreunde, die ohnehin schon alles haben.

Die Autorin
Julia Christe stammt aus Tettnang und studierte in Essen Kommunikationsdesign. Als Fotografin wurde sie mehrfach ausgezeichnet und begeistert sich vor allem für die Begleiter des Menschen – Hunde wie Katzen gleichermaßen.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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1 Kommentar

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 4. Oktober 2018 at 08:25
    • Antworten

    Das erinnert stark an das „Under-Horse-Projekt“ vom Fotografen Andrius Burba. Er stellte Pferde (und auch Katzen, Hunde, Kaninchen) auf eine Glasplatte und fotografierte sie „von unten“.

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