Whale watching vor Cabo San Lucas / Mexiko

Juan hatte immer ein freundliches Grinsen im Gesicht. Auch bei uns war das nicht anders, als wir ihm erstmals im mexikanischen Cabo San Lucas über den Weg liefen. Juan stellte sich vor, komplett und mit allen Namen, die ein Mexikaner hat. In Erinnerung ist mir nur Juan übrig geblieben. Das hat auch vollständig gereicht, alles andere wäre überflüssig gewesen. Mit einem dickwandigen Schlauchboot verdiente Juan seinen Lebensunterhalt. Besser gesagt mit „Whale Watching“. Seine Kunden kamen aus der ganzen Welt, überwiegend Amerikaner, gut betuchte Scheichs aus den Emiraten, neuerdings auch einige Russen und natürlich auch wir, die Deutschen (los alemanos), die mit dem Schiff über den großen Teich gekommen waren.

Verás muchas ballenas sénior („Sie werden viele Wale sehen Senior“) hatte er mir schmunzelnd geantwortet, als ich ihn nach den Chancen der Walbeobachtung fragte. Whale watching stand bei meinem Kumpel und mir ganz oben auf der Liste. Viele gute Ratschläge hatten uns Kollegen mit auf den Weg gegeben und den Hinweis, das Los Cabos von Dezember bis März der ideale Ort ist, um Wale zu beobachten.

Mit Juan hatten wir Ökotouris den idealen Guide, der in seinem früheren Leben Rennfahrer gewesen sein muss. Zwei doppelte Außenborder ließ Juan auf Touren kommen mit der Folge, dass ein Festhalten in dem Schlauchboot so gut wie unmöglich war und die heftige Bekanntschaft mit dem Holzboden im Boot zum Programm gehörte. Erst einen Tag darauf habe ich bei mir die blauen Flecken entdeckt.

Entschädigt hat uns Juan kurz darauf. Und er hat gegrinst und gestenreich auf das Wasser gezeigt. Gesehen haben wir zunächst nichts, dafür tauchte vielleicht zwanzig Meter vom Schlauchboot entfernt der mächtige Rücken eines Grauwals auf. Alles sichtbar nur für eine kurze wenige Sekunden, der Riese tauchte ab und bot uns als Schauspiel die mächtige Fluke, bevor er in der Tiefe verschwand.

Juan grinste von einem Ohrläppchen zum anderen und kündigte „muchas ballenas“ (viele Wale) erneut ankündigte und prophezeite. Nach zwei Stunden hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen und versuchten schüchtern und respektvoll eine erste Analyse zu diesem gewaltigen Schauspiel. Bis uns wieder Juan mit breitem Grinsen nach einem „Quieres una cerveza?“ (Möchten Sie ein Bier?) fragte und darauf verwies, dass er „manana ofrezco el mismo recorrido a las ballenas“ (Morgen biete ich dieselbe Tour nach Walen an) auf dem Programm hatte.

Irgendwie habe ich Juan immer beneidet. Beneidet, dass für ihn die Tierbeobachtungen zum Alltag gehörten und das er auf der Halbinsel Baja California ebenso tolle Strände mit Yachthafen und ein Nachtleben hat, das mindestens so bekannt ist wie Whale Watching….. Übrigens: Alles muss in US-Dollar bezahlt werden – zumindest war das so vor einigen Jahren und vielleicht hat der ein oder andere inzwischen auch seine Liebe zum Euro entdeckt. Vielleicht grinst Juan jetzt noch mehr, wenn „los alemanos“ mit Euro bezahlen wollen….

Von Udo Schnücker

Foto: (c) Udo Schnücker

 

Foto: (c) Udo Schnücker




Autor: Udo Schnücker




Fotograf/Künstler: © Udo Schnücker / privat

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3 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 3. September 2018 at 08:38
    • Antworten

    Ein großartiges Erlebnis mit beeindruckenden Bildern…ich glaube, so etwas hatten wir bei den Tiergeschichten noch gar nicht. Vielen Dank und jederzeit gerne mehr ! 🙂

  1. Oh ja! Ich höre mich da auch nicht „nein“ sagen!

    • edithtg
    • Edith Nebel on 3. September 2018 at 13:20
    • Antworten

    Vor 10 Jahren hab ich mal was geschrieben über Whale Watching auf Teneriffa. Aber das ist im Vergleich zu diesem Erlebnis ein „Kindergeburtstag“ gewesen.

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