Heute ist der Tag der Katze

Schwer zu glauben, dass diese Aussage irgendetwas mit der folgende Geschichte zu tun haben könnte. Es beginnt nämlich alles mit den üblichen Macken meiner Kaffeemaschine. Zum wiederholten Mal warte ich vergeblich auf den morgendlichen Genuss, den eine Tasse Kaffee unter optimalen Bedingungen durchaus bieten kann. Dummerweise kann es aber auch zu einer nervtötenden Angelegenheit werden, wenn diese Maschine knurrend und mit fast bärigen Brunftgeräuschen ihre Arbeit aufnimmt. Aber offenbar ist bei meiner Maschine nur unter diesen Begleitumständen das kulinarische Ergebnis einer aromatisch duftenden Kaffeespezialität zu erwarten.

Fast unglaublich wird es aber, wenn die Geräusche zu einem eindeutigen Schnurren übergehen, das selbst Nachbars Katze zutiefst beeindrucken könnte.
Oder etwas einfacher ausgedrückt:
Mach die Augen zu, und du kannst die Maschine nicht von der Katze unterscheiden.

Das alles wäre aber nicht der Rede wert, wenn am Schluss der tierischen Geräuschesammlung die wohlriechende Tasse Kaffee auf dem Tisch stehen würde. Aber die Kaffeemaschine scheint mit ihren Imitationsfähigkeiten ihre Bestimmung gefunden zu haben. Die Geräusche verstummen, eine Portion Kaffee geht in Form eines festgepressten Kaffeehäufchens im Satzbehälter verloren – aber Kaffee gibt es keinen! Der zweite Versuch endet ähnlich deprimierend, aber mit dem Unterschied, dass das Schnurren nunmehr zu enormer Lautstärke anschwillt, was mich immerhin zu ein paar Streicheleinheiten bewegt. Mit einem kräftigen Faustschlag gegen das massive Alu-Gehäuse des Gerätes, kann ich beim dritten Versuch ein wildes Aufheulen provozieren, was letztendlich tatsächlich zum Erfolg führt. Der Kaffee duftet, wie es sich gehört, und der gewaltige Schlag sollte sich auch in späteren Auseinandersetzungen mit meiner Lieblingsmaschine bewähren.

Wie gesagt … der „Tag der Katze“ will nur schwer in die Geschichte passen. Die Erklärung findet sich aber noch am gleichen Abend. Dann nämlich, wenn man kopfschüttelnd beobachten kann, wie selbstverständlich Nachbars Katze auf dem Sofa Platz nimmt, um sich, wie es ihr inzwischen zur Gewohnheit geworden ist, behaglich schnurrend von meiner Gattin verwöhnen zu lassen. Aber diesmal kommen Erinnerungen auf. Das behagliche Schnurren der Katze legt seine Unschuldigkeit ab. Immer lauter wird das Katzengesäusel und die Zimmerlautstärke des Fernsehers ist nicht mehr konkurrenzfähig. Und da ist es auch wieder deutlich zu hören: Das bärige Knurren von heute Morgen. Ein paar Minuten höre ich es mir an, dann wandert mein imaginärer Blick einige Male zwischen der Kaffeemaschine und der Katze hin und her, und mir wird in aller Deutlichkeit klar, was jetzt zu tun ist.

Aber einmal abgesehen davon, dass vor der naheliegenden Lösung doch noch einige moralische Bedenken eingebaut sind, drücke ich ein Auge zu und warte geduldig darauf, dass die Katze ihre Behaglichkeitstonleiter erträglicher für mich gestaltet. Sie hat nochmal Glück gehabt. Und das alles vor allem deshalb, weil heute „Der Tag der Katze“ ist.

Abbildung: (c) Gerhard P. Steil




Autor: Gerhard P. Steil

gerhardsteil@t-online.de


Fotograf/Künstler: © Gerhard P. Steil / privat

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