Gina Mayer, Marc-Alexander Schulze: Lila und Zausel, Bd. 1: Der zauberhafte Ponyhof (Vorlesebuch, ab 5 J.)

Gina Mayer (Text), Marc-Alexander Schulze (Illustrationen): Lila und Zausel, Band 1: Der zauberhafte Ponyhof (Vorlesebuch, ab 5 J.), Ravensburg 2018, Ravensburger Buchverlag, ISBN 978-3-473-36594-4, Hardcover, 137 Seiten mit farbigen Illustrationen, Format: 17,5 x 1,6 x 24 cm, EUR 12,99 (D), EUR 13,40 (A).

Abbildung: (c) Ravensburger Buchverlag

„Zausel antwortete nicht. Er war damit beschäftigt, einen Gedanken festzuhalten, der durch seinen Kopf huschte. Doch leider bekam er ihn nicht zu fassen. Es hatte etwas mit dem zu tun, was Bella gerade gesagt hatte. Und es war außerordentlich wichtig, das spürte Zausel. Was, zum Teufel, war es gewesen?“ (Seite 123)

Seit dem Tod seiner Frau, der Mutter der kleinen Lila, ist Schausteller Kümmerling tieftraurig (depressiv) und außerstande, sein Ponykarussell selbst zu betreiben. Es gehört ihm zwar noch, aber die Peitsche schwingt der knurrige Knut, der anscheinend weder Menschen noch Tiere leiden kann. Das bekommt vor allem Pony Zausel zu spüren. Das zottelige Tier, das ein blaues und ein braunes Auge hat und nicht besonders schlau ist, gilt als hässlich. Und weil die Kinder nicht auf ihm reiten wollen, ist es in Knuts Augen ein unnützer Esser. Er überredet Herrn Kümmerling, seinen Chef, das Tier an Herrn Morchel zu verkaufen.

Zausel träumt davon, seinen Ruhestand auf einem Ponyhof verbringen zu dürfen, aber Schaustellertochter Lila ahnt, dass ihm ein ganz anderes Schicksal bevorsteht. Herr Morchel ist der Pferdemetzger. Und weil Lila verhindern wird, dass ihr vierbeiniger Ponyfreund zu Salami verarbeitet wird, beschließt sie, mit ihm zusammen zu fliehen.

Flucht vor dem Pferdemetzger


Ihr Ziel: Rosalinds Ponyhof, ein Gnadenhof für besondere Tiere, von dem ihre Mutter ihr einmal erzählt hat. Das Problem: Lila hat keine Ahnung wo dieser Hof liegt. Sie ist nicht einmal sicher, ob es ihn tatsächlich gibt, oder ob ihre Mutter ihn sich nur ausgedacht hat. Aber das ist jetzt nicht so wichtig, Hauptsache, sie kommen weg von hier, damit Herr Morchel das Pony nicht in die Finger kriegt.

Lila legt ihrem Vater einen Zettel hin und macht sich mitten in der Nacht mit Zausel davon. Unterwegs kommen sie einem Gärtner in die Quere, der aus gutem Grund furchtbar sauer auf die beiden ist. Sie irren durch die Stadt, bis ihnen die Füße wehtun, sie reisen als blinde Passagiere auf einem Lastwagen mit und werden, endlich im Wald angekommen, von den Tieren dort im Kreis herumgeschickt. Ja, wo liegt denn nun Rosalinds Ponyhof? Im Norden, im Süden, im Osten oder im Westen? Wissen es die Tiere nicht oder wollen sie es nur nicht verraten?

Ein Ponyhof nur für magische Tiere


Nach zahlreichen Abenteuern kommen sie endlich an ihr Ziel. Doch welche Enttäuschung! Zausel darf nicht bleiben! Um auf Rosalinds Hof aufgenommen zu werden, muss man ein magisches Pony sein. Und Zausel ist eben nur ein ganz normales.

Lila will ihren Zausel wieder mit nach Hause nehmen, doch bevor er zum knurrigen Knut in das Ponykarussell zurückkehrt, bleibt er lieber allein im Wald. Er läuft einfach weg und lässt Lila stehen. Doch statt nach Hause zu gehen, macht sie sich auf die Suche nach ihrem Pony und gerät dabei in höchste Gefahr. Bei dem Versuch, seine kleine Menschenfreundin zu retten, wächst Zausel über sich hinaus. Ob das ausreicht, ein besonderes Pony zu sein und auf Rosalinds Hof einziehen zu dürfen?

„Zauselhaft“ würde Lila zu dieser Geschichte einer wunderbaren Freundschaft sagen. Womit sie „noch besser als zauberhaft“ meint.

Zausels unentdecktes Talent


Pony Zausel glaubt unbesehen das, was andere über ihn sagen. Er denkt, er sei klein, hässlich, ein bisschen langsam im Kopf und nicht gerade ein Überflieger. Erst in der Stunde der Not, als er alles gibt, um jemand anderem zu helfen, zeigt sich, wie sehr er damit im Irrtum war.

Ob die sehr jungen Leser schon den Transfer hinbekommen und denken: „Wenn das bei Zausel so ist, kann ich selbst vielleicht auch mehr, als ich denke“? Hm. Das wird wohl noch ein bisschen zu abstrakt für sie sein. Aber egal. Dann erleben sie einfach ein aufregendes Abenteuer zweier Freunde, die ganz fest zusammenhalten.

Ebenso hinreißend wie Gina Mayers Geschichte sind Marc-Alexander Schulzes farbige Illustrationen. Die Mimik von Mensch und Tier ist zum Piepen! Und auf den Bildern gibt es viele kleine Details zu entdecken, die über die Geschichte hinausgehen. Es würde mich nicht wundern, wenn das Vorlesen ein ums andere Mal in Stocken geriete, weil es so vieles zu sehen gibt. Schau mal: Glühwürmchen! Marienkäfer! Schmetterlinge! Und hier, die zwei Igel, die sich so verängstigt aneinanderklammern! Und die flüchtenden Hasen! Und da! Ein Fisch, ein Frosch, eine Biene …!

Weise Frau statt böse Hexe


Täusche ich mich, oder ist die Ponyhofbetreiberin Rosalind der „gute“ Gegenentwurf zur „bösen“ Hexe aus den Märchen, mit denen wir aufgewachsen sind? Sie wohnt in einem Häuschen mitten im Zauberwald, aber statt Kinder zu verspeisen, ist sie als Tierschützerin aktiv, kennt sich mit Heilmitteln aus und setzt ihr Wissen sowie die Fähigkeiten ihrer Tiere zum Wohle der Menschen ein. Eine moderne, kräuterkundige „weise Frau“. Das Konzept gefällt mir. Und weil es für mitfühlende und hilfsbereite Menschen wie Rosalind und Lila und ihre magischen Tiere auf der Welt sehr viel zu tun gibt, haben die Autorin und der Illustrator hier mit Sicherheit Stoff für eine ganze Serie.

Die Cover der Folgebände können dann gern ein bisschen mehr glitzern als dieses. Ich weiß nicht, ob der Effekt hier mit Absicht so zurückhaltend eingesetzt wurde. Zumindest mein Exemplar ist eher rau als funkelnd. Wenn man ihn praktisch nicht sieht, kann man den Glitterlack auch gleich weglassen. Oder beim nächsten Mal eben so richtig in die Vollen gehen. 😀

Die Autorin
Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.

Der Illustrator
Marc-Alexander Schulze, geboren 1977, studierte an der HAW Hamburg Illustration und Kommunkationsdesign. Bereits vor dem Studium sammelte er Erfahrungen bei der Verlagsgruppe Milchstraße und arbeitet seit 2004 als freier Illustrator für Verlage und Agenturen.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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2 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 2. August 2018 at 07:34
    • Antworten

    Schon allein die Namen „Lila“ und „Zausel“ machen neugierig, sich dieses Buch anzuschauen. Mit dem Ponykarussell ist die Autorin nicht ganz auf dem neuesten Stand, denn die sind in Deutschland verboten.

  1. Was für ein Glück, dass es sowas nicht mehr geben darf!

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