Mieshelle Nagelschneider: Tipps von der Katzenflüsterin. Sachbuch

Mieshelle Nagelschneider: Tipps von der Katzenflüsterin. Wie wir unsere Katze besser verstehen und sie dazu bringen, zu tun, was wir wollen. OT: The Cat Whisperer. Why Cats Do What They Do – and How to Get Them to Do What You Want. Aus dem Amerikanischen von Andrea Panster, München 2013, Arkana Verlag, ISBN 978-3-442-33867-2, Hardcover mit Schutzumschlag, 414 Seiten mit s/w-Fotos und Illustrationen, Format: 14,3 x 4 x 22,1 cm, Buch: EUR 19,99, Kindle Edition: EUR 15,99.

 

Abbildung: (c) Arkana-Verlag

Mieshelle Nagelschneider ist eine Farmerstochter aus Oregon. Weil sie als Kind keine eigene Katze haben durfte, versuchte sie, die wilden Katzen aus der Umgebung zu zähmen. Dabei muss sie wohl instinktiv einiges richtig gemacht haben, wie sie erzählt: „Ich kopierte ihr Verhalten. Ich versuchte, mich in sie hineinzuversetzen und die Welt mit ihren Augen zu sehen. (…) Ich war ungefähr acht, als die Nachbarn merkten, wie zahm die Katzen in unserer Scheune waren, und mich fragten, ob ich ihnen eine oder zwei davon als Haustiere überlassen würde.“ (Seite 40)

Als sie am College in Portland, Oregon Psychologie studiert, arbeitet sie nebenher als Helferin in einer Tierarztpraxis und gilt damals schon als Katzenflüsterin. Immer wieder wird sie um Rat und um „Catsitting“ während der Abwesenheit der Katzenhalter gebeten. Die Kunden sind mehr als zufrieden mit ihr, und irgendwann mündet dieser Service in die Selbstständigkeit als Katzentherapeutin.

Zwei Jahrzehnte Erfahrung mit Katzenproblemen


„Inzwischen mache ich seit fast zwei Jahrzehnten Telefonberatung und Hausbesuche, um Verhaltensauffälligkeiten bei Katzen zu beheben. Dabei habe ich unschätzbar wertvolle Erfahrungen gesammelt. Abgesehen von meinen Beobachtungen wildlebender Katzen als Kind, sind in den letzten zwanzig Jahren über 33.000 Stunden zusammengekommen, in denen ich Katzen beobachte und die Berichte meiner Klienten über ihr Verhalten studiert habe.“ (Seite 47)
Frau Nagelschneider weiß also genau, was sie tut. Und sie weiß auch, warum. Zu all ihrer praktischen Erfahrung gibt es auch einen theoretischen Unterbau: Sie hat Animal Behaviour an der Harward-Universität studiert.

Man weiß ja immer gern, woher die Menschen, die uns Ratschläge erteilen, ihr Wissen haben. So gesehen ist der lange Einleitungsteil des Buchs – erst auf Seite 57 kommen wir zu den Tipps – nicht wirklich für die Katz’. Es sieht ganz so aus, als seien kätzische Verhaltensprobleme bei der Autorin in guten Händen.

Katzen nicht vermenschlichen!


Katzen sind immer noch wilde Tiere und wir dürfen nicht den Fehler machen, ihnen menschliche Gedanken und Motive zu unterstellen, schärft uns die Autorin gleich zu Beginn ein. Vielmehr müssen wir lernen, die Welt aus ihrer Perspektive zu sehen. Dann können wir die Ursachen ihrer (aus unserer Sicht problematischen) Verhaltensweisen verstehen und in vielen Fällen auch beseitigen.

Sieben Hauptkategorien von Problemen haben sich im Lauf ihrer Berufserfahrung herauskristallisiert:

  1.  Spannungen zwischen Artgenossen
  2.  Aggression
  3. Unsauberkeit
  4. Markieren
    (Gar nicht so leicht zu unterscheiden von Punkt 3!)
  5. Übermäßiges Miauen
  6. Destruktives und unerwünschtes Verhalten
    (z.B. Möbel zerfetzen oder auf die Küchenarbeitsplatte springen)
  7. Zwanghaftes Verhalten
    (z.B. das Bekauen und Fressen ungenießbarer Gegenstände oder übertriebene Fellpflege, die zu kahlen Stellen führt.)

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

  1. Veränderungen des Lebensumfelds der Katze
  2. Nutzung von Techniken der Verhaltensmodifikation
  3. Verabreichung von Medikamenten.
    Zu dieser Maßnahme würde die Autorin nur im äußersten Notfall und möglichst nur vorübergehend greifen.

Ihr Behandlungsplan ist dreistufig. Sie nennt ihn CAT-Plan, was im Englischen ein Akronym ist und für cease, attract, transform steht.

  1. Beenden Sie das unerwünschte Verhalten der Katze – mit Verhaltensmodifikation und anderen Techniken, um die Ursache einer Reaktion zu beseitigen oder diese unattraktiv zu machen.
  2.  Machen Sie das erwünschte Verhalten attraktiv.
  3. Verbessern Sie die Lebensbedingungen – verändern Sie das Umfeld der Katze.

 

Mit Geduld und Konsequenz


Dabei sollte man keinesfalls die Geduld verlieren. Es dauert schon mal einen Monat oder zwei, bis sich eine Verbesserung abzeichnet. Wie der CAT-Plan im Prinzip funktioniert, erklärt uns Mieshelle Nagelschneider ausführlich im zweiten Kapitel. Wie man den CAT-Plan konkret bei bestimmten Problemen – siehe Punkt 1 bis 7 – anwendet, erfahren wir detailliert in den jeweiligen Kapiteln.

Fallbeispiele aus ihrer Therapeutinnentätigkeit machen die Schilderungen lebendig und nachvollziehbar. Manchmal scheinen die Probleme wie von Zauberhand zu verschwinden, sobald die Ursache identifiziert ist und ein paar kleinere Änderungen vorgenommen wurden. Anderes ist wiederum langwierige, harte Arbeit, bei der man unbedingt konsequent bleiben muss.

Bei manchen Problemen frage ich mich, ob ich trotz meiner 30 Jahre Multikatzenhaushalts-Erfahrung genügend über das Gefühls- und Sozialleben der Tiere weiß, um mich wirklich einfühlen und Abhilfe schaffen zu können. Und das Gefühl von „Lieber Himmel, das mache ich ja seit Jahrzehnten falsch!“, kommt auch gelegentlich auf. Das ist wohl immer so, wenn der interessierte Laie auf einen gestandenen Experten trifft.

Wie bei allen Sachbüchern, bestimmt auch hier der Wissensstand der LeserInnen, wie viel Nutzen sie aus den Tipps und Erläuterungen der Autorin ziehen können. Erfahrene Katzenhalter werden vieles schon wissen und auch auf die meisten modernen Mythen, die die Autorin in dem Buch entlarvt, nicht mehr hereinfallen. Aber man hat doch das eine oder andere Aha-Erlebnis. Mir ging es auf jeden Fall so.

Bepieselte Gardinen


Ich habe gelernt: Aus Katzenperspektive ist unser Haus durchaus noch optimierungsfähig. Und ich werde nun auch nicht, wie ursprünglich geplant, den Kratzbaum näher an die Fensterfront des Wohnzimmers rücken. Kater Cooniebert könnte sich von den Nachbarskatzen gestört fühlen und sich veranlasst sehen, meine Gardinen zu markieren.

Irgendwie würde es mich ja schon jucken, die Standortveränderung auszuprobieren um zu sehen, ob Frau Nagelschneider tatsächlich recht hat. Aber weil ich keine bepieselten Vorhänge mag und die Katzen keine Veränderung, vertraue ich jetzt einfach mal auf ihre Sachkenntnis und Ihre Erfahrung und lasse den Kratzbaum da, wo er ist.

Ich habe das Buch von vorne bis hinten durchgelesen, inklusive Anhang A (Clickertraining), Anhang B (Unsauberkeitsprobleme) und Danksagung. Es ist natürlich auch denkbar, sich lediglich die Kapitel herauszupicken, die den eigenen Katzenhaushalt betreffen und Probleme, die man nicht hat, links liegen zulassen. So oder so: Man kann noch einiges lernen. Eine Erfolgsgarantie kann uns die Autorin jedoch selbst bei gewissenhaftester CAT-Plan-Anwendung nicht geben. Aber das ist ohnehin klar.

Die Autorin
Mieshelle Nagelschneider hat über 20 Jahre Erfahrung in der Pflege von Katzen und löste in dieser Zeit über 1000 „Fälle“, indem sie Katzenfreunde in ihrem Wohnumfeld beriet. Sie ist Rechteinhaberin der Methode C.A.T.-Plan und Begründerin der Cat Behaviour Clinic. Mieshelle Nagelschneider trat als Katzenflüsterin beim Fernsehsender Animal Planet auf und hat einen Dokumentarfilm über Katzenverhalten für National Geographic gedreht.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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