Der Stierkampf und die Frösche

Zwei Stiere hatten Krieg, und wo der Kampf geschah,
War eine Froschprovinz. Ein Frosch, der weiter sah,
Als sein Brüder, sprach: „Ach, Himmel, sehet da,
Des großen Stiergeschlechts Erbitterung und Zank
Droht unserm Volke Tod, Vernichtung, Untergang!“

„Was sorgst du doch?“ sagt einer, der es hört;
„Ich seh‘ das Unglück nicht, die deine Ruhe stört!
Sie streiten, wer von ihnen Beiden
Der Herde Mann sein soll, das wollen sie entscheiden!“

„Das wollen sie; allein, was ist davon die Frucht?
Der Überwundene muß fliehen, auf der Flucht
Verfolgt der Sieger ihn, und jener sucht im Rohr
Des Sumpfes Sicherheit, und unser Freudenchor
Wird jämmerlich zertreten, meinst du nicht?“

Indem das Brüderpaar noch mit einander spricht,
Verliert der eine Stier die Schlacht,
Entflieht, der Sieger folgt und der Besiegte macht
Das hohe Schilf im Sumpf zur Freistatt, und zertritt
Das arme Froschgeschlecht und beide Sprecher mit.

 

Foto: (c) Guedo / Bearbeitung: Joujou / pixelio.de




Autor: Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 - 1803)




Fotograf/Künstler: © Guedo / Bearbeitung: Joujou / www.pixelio.de

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