Der Schwan und die Ente

Ein edler Schwan, so weiß wie Schnee,
Bereiste seinen Strom, die Spree,
Mit ausgespannetem Gefieder.
Ein‘ Ente schwamm ihm nach: Gevatter! Vetter Schwan!
Fing sie sogleich zu schnattern an:
Singt ihr denn keine Lieder?
Ihr schweigt? Ich weiß in Wahrheit nicht, warum?
Seid ihr denn etwa stumm?

Frau Ent‘, antwortete der Schwan,
Weil wie die Nachtigall ich doch nicht singen kann,
So schweig‘ ich lieber,
Und wundre mich darüber,
Daß ihr, mit eurem Schnatterton,
Nicht schweigt! Bekommt ihr Lohn?
Ihr singt, ich weiß in Wahrheit nicht warum?
Seid ihr denn etwa dumm?

Was! sprach die Ente, dumm wär‘ ich?
Bekümmre dich um dich!
Der Schwan sprach nicht ein Wort,
Und setzte seine Reise fort!

 

Foto: (c) Alisha / pixelio.de




Autor: Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 — 1803)




Fotograf/Künstler: © Alisha / www.pixelio.de

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