Gina Mayer: Pferdeflüsterer Academy, Band 1: Reise nach Snowfields (ab 10 J.)

Gina Mayer: Pferdeflüsterer Academy, Band 1: Reise nach Snowfields (ab 10 J.), Ravensburg 2018, Ravensburger Buchverlag, ISBN 978-3-473-40450-6, Hardcover, 221 Seiten, Format: 14,3 x 2,4 x 21,5 cm, Buch: EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 8,99, Audio-CD: EUR 9,95.

 

Abbildung: (c) Ravensburger Buchverlag

„Es ist nicht deine Schuld, dachte Zoe, während sie die Satteltaschen ins Zelt stellte. Niemand ist schuld. Und hört auf, mich zu suchen. Es ist sinnlos. Die einzige, die mich finden kann, bin ich selbst.“ (Seite 182)

Vancouver, Kanada: Zoe Deventer, 13, ist ein musikalisches Wunderkind. Als Querflötistin tritt sie in Konzertsälen der ganzen Welt auf. Da bleibt nicht viel Zeit, um ein normaler Teenager zu sein. Ihre Freundin Kim Taylor hat entschieden mehr Freizeit und Spaß.

Zoes Leben besteht hauptsächlich aus eiserner Disziplin und aus Üben, Üben, Üben. Dafür sorgt ihre Mutter Irmhild Sullivan, die ihre eigene Musikerinnenlaufbahn zurückgestellt hat, um die Karriere ihrer Tochter zu managen. Seit fünf Jahren übt Zoe jeden Schultag drei Stunden lang und samstags und sonntags sieben. Sie nimmt ihre Querflöte sogar in den Urlaub mit. Zoes Vater Roger, Personalchef in einem Maschinenbau-Unternehmen, hegt im Stillen die Befürchtung, seine Tochter könnte mit diesem Arbeitspensum überfordert sein. Aber er schreitet nicht ein.

Zoe begleitet Kim ins Reiterinternat


Von Pferden versteht Zoe nichts, ganz im Gegensatz zu ihrer Freundin Kim, die Turnierreiterin werden will und sich für die Aufnahme im Reiterinternat Snowfields im Norden des Landes beworben hat. Zoe verspricht, sie für die Aufnahmeprüfung zu coachen. Wie man jemand anderen drillt — pardon: zu Höchstleistungen anspornt, das hat sie von klein auf am eigenen Leib erfahren. Und obwohl sie eigentlich für ein wichtiges Konzert in Singapur üben müsste und am Wochenende mit ihrem Schwarm zu einer Party gehen wollte, reist sie mit ihrer Freundin und deren Eltern zur Aufnahmeprüfung nach Snowfields.

Beim Flöte-Üben im Freien nähert sich ihr der als wild und gefährlich verschriene Rappe Shaman, ein ehemaliges Turnierpferd, das dem „Natural Horsemanship“-Lehrer Caleb Cole gehört. Bei Zoe ist das traumatisierte Tier lammfromm, nicht nur, wenn sie musiziert. Die beiden haben sofort einen Draht zueinander. Ich will ja nicht gehässig sein, aber ich hatte das Gefühl, dass sich hier zwei verwandte Seelen erkennen, die beide lieber frei sein möchten als zu Leistungen getrieben zu werden, die sie eigentlich gar nicht erbringen wollen.

Zoe eine Pferdeflüsterin? Nein, oder?


Caleb Cole will das Mädchen unbedingt in seiner Natural-Horsemanship-Klasse haben, aber Zoe lehnt dankend ab. Sie ist Musikerin und kann nicht mal reiten. Freundin Kim ist diejenige mit dem Pferdeverstand. Cole sieht das anders. Shaman auch.

Zurück in Vancouver gehen der jungen Flötistin die Begegnung mit Hengst und Coles Angebot nicht mehr aus dem Kopf. In ihren Albträumen erfleht das Pferd ihre Hilfe. Nur sie könne ihn retten. Das ist für Zoe so belastend, dass sie Schlaf- und Konzentrationsstörungen bekommt und dem Druck irgendwann nicht mehr gewachsen ist. Sie bricht zusammen. Als sie auch noch erfährt, welches schlimme Schicksal dem Rappen Shaman droht, weiß sie, dass sie handeln muss.

Auf den ersten Blick wirkt ihre Rettungsmission gut geplant, aber sie ist, bei aller Weltgewandtheit, eine Dreizehnjährige und kann die Risiken ihres Tuns nicht überblicken. Es kommt zur Katastrophe …

Wie man mit anderen umgeht


Ein Kinder- und Jugendbuch, das auch den längst erwachsenen Leser in seinen Bann zieht, das hat was. Man will unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht. Für handelsübliche Teenie-Probleme wie Knatsch mit der besten Freundin oder die erste Liebe haben die Mädels in diesem Buch kaum Zeit. Es geht um gesunden und falschen Ehrgeiz, um Freiheit und Selbstbestimmung versus Druck und Zwang – und generell darum, wie man als Mensch mit seinen Mitgeschöpfen umgehen sollte. Mit Respekt, bitte! Alles andere bringt nur Ärger und Probleme für sämtliche Beteiligten. Das muss auch manch ein Erwachsener in dieser Geschichte erst begreifen.

Die Story ist in sich abgeschlossen. Trotzdem bleiben genügend viele Fragen offen, dass man auf den nächsten Band neugierig ist. Wie wird Zoes Entscheidung ausfallen? Was werden ihre Eltern dazu sagen? Und Kim?

Wer noch sehr viel lernen muss in Sachen Ehrlichkeit, Fairness und Respekt, ist Zoes Klassenkamerad Jake. Und das sollte er besser zügig geregelt kriegen, sonst ist er bei den Mädchen unten durch! Aber vielleicht kommt ja auch alles ganz anders und er spielt im weiteren Verlauf der Geschichte gar keine Rolle mehr …

Die Autorin
Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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