Ursula Geier: Schaf und mehr – 33 Kurzgeschichten, 8 – 12 Jahre

Ursula Geier: Schaf und mehr. Herzerfreuende Kurzgeschichten für Klein und Groß, 8 – 12 Jahre, Norderstedt 2017, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-7460-1450-0, softcover, 212 Seiten, 33 Kurzgeschichten, Format: 12,7 x 1,2 x 20,3 cm, Buch: EUR 11,90, Kindle Edition: EUR 6,49.

 

Abbildung: J. u. S. Groß / BoD

Die Autorin ist in einem Dorf in Oberbayern aufgewachsen, natürlich mit Tieren. Nicht nur Hunde, Katzen und Hühner haben sie interessiert, sondern auch die Rehe im Wald, die fleißigen Bienen und die wuseligen Ameisen. An ihrer Tierliebe änderte auch der spätere Umzug in die Stadt nichts, und die Jahre, in denen sie in Spanien lebte, bescherten ihr tierische Begegnungen, die für uns hier nicht alltäglich sind.

Bestimmt hat sie die eine oder andere Geschichte schon ihren Kindern und Enkeln erzählt. Mehrfach, wie ich annehme, denn ist eine Story gut, will das junge Publikum sie immer wieder hören. Jetzt gibt’s 33 ihrer Geschichten in einem Buch – zum Vorlesen und zum Selberlesen. Man muss nicht notwendigerweise ein Kind sein, um daran Gefallen zu finden. Manch eine Begebenheit kann man vielleicht erst mit der Lebenserfahrung eines Erwachsenen so richtig würdigen.

Wer in unserem Blog www.tiergeschichten.de mitliest, wird dem einen oder anderen tierischen Helden schon begegnet sein: den Katzen Cimba, Samy und Steffi, zum Beispiel. Aber hier geht’s noch um ganz andere Tiere:

  • Da ist der Rabe, der kurz vor Weihnachten obdachlos wird, weil jemand die Tanne, die er als sein Zuhause betrachtete, einfach gefällt hat. Kein Wunder, dass der Vogel so außer sich ist! Und da ist die Nachtigall, die der Autorin zur vorübergehenden Betreuung übergeben wird. Äußerlich macht sie ja nicht so besonders viel her, und von dem angeblich so wundervollen Gesang ist auch nichts zu hören. Der Vogel zirpt nur so ein bisschen vor sich hin. Doch dann legt er los, und auf einmal kann Ursula Geier die Begeisterung für diese einzigartige Vogelstimme verstehen. Das ist eine der Geschichten, die sich meines Erachtens perfekt für ein erwachsenes Publikum eignet. Kindern müsste man den Nachtigall-Gesang vielleicht erst einmal vorspielen, damit sie sich vorstellen können, wovon in der Geschichte die Rede ist.
  • Siamkater Momo wandelt sich in seinem neuen Zuhause vom „Stubenhocker“ zum Freigänger. Nur draußen aufs Klo gehen, das ist unter seiner Würde. Da müssen sich seine Menschen etwas einfallen lassen. – Kater Cimba ist völlig von der Rolle: Ungefragt hat sein Frauchen ihn in eine Transportbox gestopft und in den Bauch eines Flugzeugs verfrachtet. Als er wieder raus darf, ist er in Spanien, wo er fortan wohnen soll. Unerhört, sowas!
  • Dackelmischling Napoleon ist eine treue Seele – und ein Held. Aus Liebe zu einer Dackeldame wäre er einmal fast erfroren, und durch sein beherztes Eingreifen hat er tatsächlich einem Menschen das Leben gerettet!
  • Als Ursula den Kater Prinz in Pflege nimmt, ahnt sie noch nichts von seiner geheimen Vorliebe: Gerne stromert er über die Dächer und steigt durch offene Fenster in fremde Wohnungen ein. Das finden nicht alle Nachbarn lustig. – Katze Steffi entpuppt sich als Rabenmutter und Kater Felix taucht eines Tages aus dem Nichts auf und zieht einfach bei Ursula ein. Auch wenn sein Artgenosse Cimba, der schon länger hier wohnt, das für eine ausgesprochene Kateridee hält.
  • Dass ein Vogelhaus kein Selbstbedienungs-Buffet ist, muss Kater Fritz erst lernen. – Mit dem Rammler namens Hase, den Ursula in einer Tombola eines Kleintierzüchtervereins gewonnen hat, hat man sie wohl ganz schön reingelegt! – Meerschweinchen Charly hat Glück im Unglück. Sein Abenteuer hätte auch ganz anders ausgehen können! – Auch der kleine Igel kann dem Schicksal danken, dass er im Herbst von der Familie der Autorin aufgepäppelt und beherbergt wurde, sonst hätte er den Winter wahrscheinlich nicht überlebt.
  • Der spanische Straßenhund Pedro wird ein Scheidungs-Waise und verliert sein Zuhause bei einer deutschen Familie. Der Sohn der Familie ist untröstlich darüber, dass Pedro nun aus seinem Leben verschwunden ist. Aber, wie sagt man so schön: „Man sieht sich immer zweimal im Leben“. Das muss keine Drohung sein …
  • Wir erfahren, warum ein „Rattinero“ , ein Hund, der auf Rattenfang spezialisiert ist, sich nur bedingt als Haustier eignet und warum es eine blöde Idee ist, Speisen zum Auskühlen ins Freie zu stellen, wenn man findige Hunde und Katzen in der Nachbarschaft hat. Dass es nicht der weltbeste Einfall ist, einem Hamstermännchen ein Hamsterweibchen zu spendieren, das haben wir uns fast gedacht. 😉
  • Beo Negro erweist sich als wahres Sprechtalent und könnte als Stimmen-Imitator auftreten, was mitunter sehr verwirrend ist. Nymphensittich Georgi dagegen lernt es wohl nie. Zwar pfeift er sämtliche Melodien begeistert nach, aber das leider schrill, falsch und laut. Wie macht man dem Vogel nun klar, dass er das lassen soll? Diese Situation ist für den Halter des Sittichs sicher ganz schrecklich, aber die Geschichte liest sich ungeheuer amüsant.
  • Und das titelgebende Schaf? Das gehört zu einer Herde, die auf dem benachbarten Grundstück weidet. Ursula und Schäferhund Rex haben nun von ihrer Terrasse aus immer was zu gucken – und zu lauschen. Die Schafe und Lämmer blöken im Chor, nur das heisere Husten vom alten Schafbock fügt sich nicht ein in die Harmonie. Eines Tages sind die Schafe weg …

Das sind nur ein paar der heiteren und ernsten Beiträgen aus diesem Buch. Und wie es so ist mit Geschichten aus dem wahren Leben: nicht alle gehen gut aus. Man sollte sie also vorher selbst lesen, ehe man sie sensiblen Kindern vorliest oder zu lesen gibt. Nicht, dass man noch Tränen trocknen muss, weil die Enten weggelaufen sind oder eine Katze wieder zurück auf den Bauernhof gebracht wird.

Dass die jungen Leserinnen und Leser, nachdem sie die Ursula Geiers tierische Geschichten kennen gelernt haben, eine Katze, einen Hund, einen Hamster, ein Schaf oder einen sprechenden Vogel haben möchten, will ich nicht ausschließen. Wenn man diesem Wunsch nicht entsprechen kann oder will, legt man sich am besten vorab schon einige gewichtige Gegenargumente zurecht. Wenn man den Kindern den Wunsch nach einem Haustier erfüllt, weiß man ja jetzt, welche Turbulenzen sich daraus ergeben können.

Die Autorin
Ursula Geier, 1938 geboren, begann bereits im Alter von 14 Jahren mit ersten Kurzgeschichten. Seitdem nahm die Schreiberei eine zentrale Rolle ein. So veröffentlichte sie im Laufe der Zeit Tiergeschichten in Zeitschriften und verfasste Kolumnen. Während ihrer Jahre im Ausland engagierte sie sich für die Herausgabe einer deutschsprachigen Zeitung.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2018/02/08/ursula-geier-schaf-und-mehr-33-kurzgeschichten-8-12-jahre/

2 Kommentare

  1. Liebe Frau Nebel

    ich freue mich so sehr, dass Sie diese wunderbaren Worte für mein Buch gefunden gefunden haben.
    Ganz lieben Dank, bin sehr bewegt, da sieht man, dass Sie jede Zeile gelesen haben.
    Und das, obwohl Sie so viel Arbeit haben, ich bedanke mich von Herzen für alles.
    Bin gerade an meinem nächsten Buch, solange ich noch schreiben kann, wird wohl
    demnächst erscheinen, bis dahin alles liebe für Sie.

    Ihre Ursula Geier und Co Autor Samy

  2. Ich lese prinzipiell alle Bücher, über die ich schreibe, von A – Z ganz genau. Deswegen suche ich mir die Themen ja auch so aus, dass sie mich wirklich interessieren. Sonst würde das keinen Spaß machen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.