Bello

»Hunde, die bellen, beißen nicht!«, sagte der Fuchs, ein richtiger Jungspund, ganz cool, als er am verdutzten Bello, dem altgedienten Hofhund, vorbeispazierte.

»Wo willst du hin?«, fragte Bello.
»Nur mal umschauen!«, sagte der junge Fuchs und schlenderte Richtung Vorratsscheuer, deren Tür offenstand. »Du solltest mal etwas gegen deinen Kontrollzwang tun, der ist ja direkt krankhaft!«

Nur nicht stehenbleiben, immer weitergehen, freundlich sein, stets einen flotten Spruch parat haben, im Gespräch bleiben, Hunde können nicht gleichzeitig ein Gespräch führen und zubeißen, so hatte es der junge Fuchs von seiner erfahrenen Mutterfüchsin gelernt.

»Ich würde da nicht reingehen!«, warnte ihn Bello. »Da drin liegt Bella, meine Angetraute – sie hält gerade ihren Schönheitsschlaf. Sie mag es gar nicht, wenn sie dabei gestört wird.«
»Ja, und meine Oma verprügelt täglich einen Elefanten«, sagte der Fuchs spöttisch, bevor er die Scheuer betrat.
Gleich darauf gab es ein Riesengetöse, und dann rannte der Fuchs wie von der Tarantel gestochen ziemlich zerzaust an Bello vorbei Richtung Hofausgang.

»Wie waren die Trauben? Sauer?«, rief ihm Bello nach.
»Was denn für Trauben?«, rief der Fuchs schnaufend zurück.
»Vergiss es!«, entgegnete Bello. »War ein Zitat, von Äsop.«
»Ein was, von wem?«, schrie der Fuchs von weit her.
Die Füchse werden auch immer blöder, knurrte Bello.

 

Abbildung: tomas_arad / openclipart.org




Autor: Horst Wöhrle

horst-woehrle@t-online.de,
www.horst-woehrle.de


Fotograf/Künstler: © tomas_arad / www.openclipart.org

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1 Kommentar

  1. Ja, da war der Hund schlauer als der Fuchs .LG Uschi Geier und Kater Samy

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