Wer fängt die Maus?

„Fiedergetiere“, ist der Name eines ungewöhnlichen Kalenderprojektes von Doro Hofmann, die zu jedem ihrer liebreizenden Kunstobjekte aus der Welt der geheimnisvollen Kauze, eine Künstlerin gewinnen konnte, die eines der im Kalender enthaltenen Fantasiewesen auf künstlerisch hochwertige und humorvolle Weise auf Papier brachten: www.fiedergetiere-dorohofmann.de Für mich war es hinterher eine Art „geistige Fingerübung“ , zu jedem dieser Fabelwesen meinen Senf dazu zu geben.

Es begab sich, dass ein Mäuserich
sich allzu sicher fühlte
und ohne jeden Argwohn
im Gebüsch nach Nahrung wühlte.

Das bemerkte ein Saphirkauz,
der aus Island angereist
und eben jenen Mäuserich
fürs Leben gern verspeist.

Der Mäuserich hat kurzerhand
die Fluchtoption genommen,
sowie er schon am Tag zuvor
dem Nibelungenkauz entkommen.

Indes, um voller Vorfreude
zum Festmahl zu gelangen,
hat nunmehr eine Mooseule
den Gleitflug angefangen.

Das hat nur leider nicht geklappt,
weil ein Deichhuhn ziemlich störte,
was wiederum den Mäuserich
erschreckt, als er es hörte.

Normalerweis sind Deichhühner,
und dies wird hier bekräftigt,
im besten Fall mit Würmchenfang
und Körnerfraß beschäftigt.

Doch jenes war auf Urlaubsflug
von Sylt ins schöne Hessen
und wollte wohl zur Abwechslung
ein Mäusemännchen fressen.

Der Mäuserich indessen,
und da kann man darauf wetten,
der konnte auch in diesem Fall
sein kleines Leben retten.

Doch alles sah vergeblich aus,
weil – wirklich ungelogen –
eine Tasmanische Goldfußeule
im nahen Zoo entflogen.

Sie brauchte keinen Augenblick
um lang zu überlegen,
da stürzte sie dem Mäuserich
im schnellen Flug entgegen.

Der aber, jetzt schon kampferprobt,
der taugte nicht zum Schmaus
und wich der Eule mühelos
fast leicht und locker aus.

Doch wo es eine Eule gibt,
da gibt es sicher mehr,
die Zwergbarteule lauert schon
auf reichlich Mausverzehr.

Liebe Leute, denkt euch nur,
der Mausmann sprang zur Seite
und suchte, tief im dunklen Wald,
erstaunlich schnell das Weite.

In Raunheim war‘s, am Bauersee,
da hat’s ihn fast erwischt,
als irgendwas, von oben her,
gefährlich angezischt.

Ein Seekautz hielt den Mäuserich
schon fast in seinen Fängen,
er blieb nur leider dummerweis
im Ästewirrwarr hängen.

Dem Mäuserich ging‘s jedenfalls
erheblich auf die Nerven,
galt es doch auch weiterhin
die Sinne sehr zu schärfen.

Ein Nymphenteichhuhn flog herbei,
ganz offenbar verwirrt,
es hatte sich vom Hessenried
zum Mäuserich verirrt.

Der hat das Unheil kommen sehn,
bevor er schnell verschwand,
indem er in bewährter Form
ins Unterholz gerannt.

Wo er jetzt auch hingeschaut,
gab‘s Brombeeren zu sehen,
wo Zwerghühner im Regelfall
besonders darauf stehen.

Ein Brombeerzwerghuhn allerdings
ist meistens viel zu klein,
so konnte sich der Mäuserich
des Lebens sicher sein.

Doch oben in den Weinbergen,
da haben in der Nacht
Burgundereulen Ausflüge
ins Mäusereich gemacht.

Sie ließen sich den Mäuserich
nur allzu gerne munden,
hätten sie ihn irgendwo
im Mäuseland gefunden.

Wenn man einmal ehrlich ist,
dann ist es fast zum Heulen,
ein Weidenkäuzchen flog heran,
zur Ehre aller Eulen.

Doch wie sich jeder denken kann,
hat‘s wieder nicht geklappt,
der kleine Kauz hat offenbar
zu langsam zugeschnappt.

Das war indes der Augenblick
in dem der Kleine dachte,
dass nichts in dieser Mäusewelt
ihm ernstlich Ärger machte.

Er hielt den kleinen Rauhfußkautz
– Rauhfußeiskauz heißt er richtig –
im Jubel und im Überschwang
für nicht besonders wichtig.

Dem war‘s in Chile viel zu kalt,
so hat’s ihn hergetragen.
Er hockte still am Wegesrand,
erschöpft mit leerem Magen.

Vermutlich wär der Mäuserich
auch heute noch am Leben,
hätte er am Wegesrand
ein wenig Acht gegeben.

Der Rauhfuß fand die Landung
ohne Zweifel sehr gelungen,
nachdem er jenen Mäuserich
mit Haut und Haar verschlungen.

Abbildung: Steil/Hofmann




Autor: Gerhard P. Steil

gerhardsteil@t-online.de


Fotograf/Künstler: © Gerhard P. Steil / D. Hofmann /

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3 Kommentare

  1. Großartig ! Fast ein Thriller !

  2. Hat ‚ s den kleinen Mäuserich schliesslich doch erwischt – armes Kerlchen !
    Einfach Klasse das Gedicht und soooo lang !
    Liebe Grüsse Heike

  3. Ich freue mich, dass Gerhard sich meiner Fiedergetiere angenommen und einige davon in seinem Gedicht „Wer fängt die Maus?“ verewigt hat.
    Am 2. November habe ich die erste Lesung mit den Fiedergetier-Geschichten. Zum Abschluss werde ich auch Gerhards Gedicht vortragen.
    Mehr von den Fiedergetieren unter
    http://www.fiedergetiere-dorohofmann.de
    LG Doro

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