Umzug mit Katzen: von Aliens entführt!

Wie mein Umzug im Mai ganz generell verlaufen ist, habe ich in meinem privaten Blog ausführlich geschildert. Nun dachte ich mir, wie der Umzug meiner drei Maine-Coon-Kater, Cooniebert, Yannick und Indie, verlief, ist auch ein Fall für die Tiergeschichten, und habe diesen Teil herauskopiert.

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Die Katzen waren schon einen Tag vor mir umgezogen. Mein katzenerfahrener ehemaliger Kollege hat sich Gottseidank angeboten, am Mittwoch vor dem eigentlichen Umzug bei mir vorbeizukommen und mir beim Katzentransfer zu helfen. Alleine hätte ich das nie im Leben hingekriegt!

Indie setzte sich schon freiwillig in die Transportbox, noch ehe der Kollege überhaupt da war. Cooniebert haben wir durch die halbe Wohnung gejagt, bis wir ihn schließlich auf der Fensterbank im Wohnzimmer in die Enge getrieben hatten und ihn in den Kennel stopfen konnten. Kater Yannick, der große Rote, lieferte uns eine Schlacht und ließ sich ums Verrecken nicht einfangen. Ich war schon ganz verzweifelt.

„Weißt du was?“, sagte ich schließlich zum Kollegen. „Wir fahren jetzt und liefern Cooniebert und Indie drüben ab. Und dann kommen wir und holen den Yannick. Den wiegen wir jetzt erstmal in Sicherheit.“

So haben wir es gemacht. Ich hatte unterm Dach – in meinem ehemaligen Kinderzimmer und Vaters späterem Büro – bereits Katzenklo, Wasser und Futter installiert. In den Raum würde das Umzugsunternehmen nichts reinstellen müssen, also waren die Katzen da ungestört. Wir öffneten die Kenneltüren, und Cooniebert und Indie schossen wie auf Kommando unter das Sofa und waren nicht mehr gesehen.

Kater Yannick wird ausgetrickst


G. und ich flitzten zurück nach Ostfildern. Letzter Streich. Yannick wird gedacht haben: „Ätsch, die habe ich ausgetrickst!“. Damit, dass wir, mit einem Kennel in der Hand, wieder zurückkamen, hat er offensichtlich nicht gerechnet. Wieder flitzte er unter den Möbeln herum, unter denen wir ihn prompt wieder vorscheuchten. Nutzte alles nix. Erst als er, wie Cooniebert, auf die Fensterbank sprang, von wo aus er keinen Fluchtweg mehr hatte, hatten wir eine Chance. Ich schnappte den verblüfften Kater, G. hielt den Transportkorb hin, und ruckzuck saß Yannick in der Kiste. Das wird er mir ein Leben lang verübeln.

Natürlich haben alle drei vom Start bis zum Ziel gejault und gebrüllt, als würde man sie grillen. Sie taten mir ja auch Leid, denn sie müssen sich gefühlt haben, als würden sie von Aliens entführt. Dabei habe ich ihnen doch lang und breit erklärt, dass wir jetzt in ein großes Haus ziehen!

Fotos haben wir von dem Ereignis keine. Wir hatten alle Hände voll zu tun.
„Das nächste Mal bestellen wir einen Kameramann“, meinte mein Kollege, als der Zirkus vorbei war.

Indie auf der Treppe und Cooniebert in der Transportbox

Im Katzenzimmer: Indie – immer obenauf, Gastkater Ivan ganz in Weiß und Cooniebert in der Kiste.

Nachdem am Donnerstag die Möbelleute weg waren, öffnete ich die Tür des Dachzimmers. Von den Katzen war nichts zu sehen. Sie saßen schmollend unter dem Sofa und kamen nur vor, wenn sie Hunger oder Durst hatten oder aufs Klo mussten.

Am Samstag kam noch Gastkater Ivan dazu, mitten ins größte Chaos, wanderte schnurstracks unters Dach und setzte sich, solidarisch mit seinen Kumpels, schmollend unter das Sofa.

Gastkater Ivan wünscht sich zu Weihnachten eine Treppe.

Der erste, der die Sache mit den Treppen kapiert hatte und dass ich im Erdgeschoss zu finden bin, war erstaunlicherweise Cooniebert. Der ist ja nicht gerade ein Raketenforscher. Aber er taperte schon in der Nacht zum Freitag in der Wohnung herum und sprang bei mir aufs Bett. Nach ein paar Tagen kam er mir bereits im Keller entgegengeschnürt.

Indie war der nächste. Er hat erst einmal gegenüber diversen Lieferanten und Monteuren sein Revier abgesteckt und auf die Fußmatte hinter der Haustür gepieselt. Statt „herzlich willkommen“ lautet seine Botschaft: „Ey, verpiss dich! Das ist mein Revier. Such dir gefälligst ein eigenes!“
Sehr lecker. Jetzt brauch ich eine waschbare Fußmatte, die in die Aussparung passt.

Yannick wohnt jetzt unterm Dach


Der rote Yannick wohnt noch immer unterm Sofa. Manchmal sehe ich ihn durch die Wohnung stiefeln. Ich hoffe, er kommt rechtzeitig, um vom Essen was abzukriegen. Ich sehe es einfach nicht ein, dass ich zwei Stockwerke höher renne, um dem gnädigen Herrn seine Mahlzeiten zu servieren, wenn es im EG im Katzenzimmer ein ganzes Büffet gibt! Er weiß das.

Sobald ich auf ihn zugehe, flüchtet er die Treppen hoch und rettet sich unter das Sofa im DG. Ach ja, er ist halt unser Sensibelchen!

Inzwischen sind auch die neuen Kratzbäume eingetroffen. Der alte Indoor-Kratzbaum ist verratzt und steht im Katzenzimmer. Fürs Wohnzimmer habe ich das Nachfolgemodell beschafft und tatsächlich selber aufgebaut gekriegt. Ich bin bei sowas sonst kein Held. Zwar ist mir meistens klar, wie das alles gehört, aber dann fehlt’s an Kraft, Werkzeug oder der Übung im Umgang mit demselben. Sobald ich Löcher bohren soll, isses bei mir vorbei. Das traue ich mich nicht, obwohl ich das als Kind in Vaters Kellerwerkstatt hingebungsvoll getan habe.



Der Outdoor-Kratzbaum forderte schon einen höheren Einsatz und mehr Know How. Da musste wieder mein Cousin dran glauben. Jetzt steht der Kratzbaum. Nun brauche ich nur noch das Balkongeländer und ein Katzennetz, damit die Viecher auch rauskönnen.

Kratzbäume von www.cazi-katzenmoebel.de

PS: Auch mehr als drei Monate später ins der rote Kater Yannick noch beleidigt und wohnt hauptsächlich im Dachgeschoss. Er geht nur runter, wenn ich nicht da bin oder mich länger ruhig in einem Raum aufhalte. Sobald ich anfange, durch die Wohnung zu wuseln, kriegt er Angst und verschwindet wieder unters Dach.

Der rote Yannick ist nicht zufrieden mit seinem neuen Heim.




Autor: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Fotograf/Künstler: © Edith Nebel / www.boxmail.de

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2 Kommentare

  1. Herrliche Fotos ! Und eine Umzugsgeschichte mit offenem Ende, denn es wird wohl noch lange dauern, bis die Stubentiger ihr neues Zuhause akzeptieren…?!

    1. Ja, ich fürchte, der BRK (Beleidigte Rote Kater) wird noch eine Weile rumzicken. Und wenn dann im Herbst die Schreiner anrücken um in jedem erdenklichen Winkel des Hauses Regale anzubringen, wird nochmal alles anders, was keinen der Kater erfreuen wird.

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