Rob Harrell: Spotz (Band 3). Troll über Bord. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre)

Rob Harrell: Spotz (Band 3). Troll über Bord. Ein Comic-Roman (10 – 12 Jahre), OT: Life of Zarf – Troll Overboard, aus dem amerikanischen Englischen von Gabriele Haefs, Münster 2017, Coppenrath-Verlag, ISBN 978-3-649-66846-6, Hardcover, Einband mit Hochprägung und Relieflack, 295 Seiten mit über 400 s/w-Illustrationen des Autors, Format: 16,1 x 3,2 x 21,6 cm, Buch: EUR 14,95, Kindle Edition: EUR 11,99.

Abbildung: (c) Coppenrath-Verlag

„Ich heiße Spotz Belford und bin ein Troll. Ein Östlicher Prärietroll, solltet ihr euch für Ahnenforschung interessieren. Ich wohne mit meinen Eltern und Gramps in einem Haus unter der Karussellstraßenbrücke im Dorf Scherwutz. Im Königreich Niegelungen.“ (Seite 15)

Weil Trolle haarig sind, immer ein bisschen nach nassem Hund müffeln und fürs Denken etwas länger brauchen als andere Lebewesen, stehen sie in der sozialen Rangordnung des Königreichs ziemlich weit unten. Unser Freund Spotz mag noch so sympathisch, mutig, humorvoll und hilfsbereit sein, sein Klassenkamerad Prinz Roquefort und dessen Kumpane lassen keine Gelegenheit aus, ihn zu schikanieren und zu demütigen.

Prinz Roquefort ist nicht zu trauen


Deshalb gibt es Spotz zu denken (!), dass ausgerechnet der fiese kleine Prinz so begeistert ist, als Gramps – Spotz‘ Großvater – an der Scherwutz-Gesamtschule einen Vortrag übers Tauchen hält. Gramps war sein ganzes Berufsleben lang Mott-Taucher. Was genau das ist, wird im Buch erklärt. Er weiß also, wovon er spricht.

Prinz Roquefort schmeichelt, bettelt und quengelt so lange, bis Gramps ihm verspricht, ihn gleich am kommenden Samstag zu einer Bootsausfahrt mitzunehmen. Dass auch Spotz und seine zwei besten Kumpels – der äußerst unwitzige angehende Hofnarr Joe Flintwater und das immer etwas hysterische Ferkel Kevin Kleinschwein – mit von der Partie sind, schmeckt dem Prinzen gar nicht. Gegen das einzige Mädchen ins Spotz’ Clique, Rotkäppchens Tochter Sierra, hätte er nichts einzuwenden gehabt. Aber sie hat leider an dem Wochenende keine Zeit.

Also fahren sie raus aufs Meer: Gramps, Spotz und seine Freunde und Prinz Roquefort mit seinem Leibwächter, dem grimmigen Ungeheuer Klotz. Erst geht alles gut. Okay: Kevin wird seekrank und der Prinz stellt fortwährend bescheuerte Fragen. Aber das war ja zu erwarten. Irgendwas Gemeines führt der Thronfolger ja immer im Schilde. Aber diese Gemeinheit wäre Spotz und seinen Leute nicht in ihren allerschlimmsten Albträumen eingefallen!

Statt netter Bootsfahrt – Meuterei!


Es gibt eine Meuterei: Der Prinz und sein Ungeheuer betäuben die Mannschaft, setzen Gramps mit einem Schlauchbot auf dem offenen Meer aus und übernehmen selbst das Kommando. Es ist dem Prinzen nie um einen lustigen Wochenendausflug gegangen – er fährt schnurstracks hinaus zum gefährlichen Berundi-Dreieck, um dort der Meerhexe ein paar Zauberbohnen zu klauen, auch wenn er dafür durch einen schweren Sturm und an den aggressiven Seeschlangen vorbei muss. Die Bohnen müssen immens wichtig für ihn sein, wenn er sich solchen Risiken aussetzt.

Ja, selbst so ein verwöhnter Bengel wie Prinz Roquefort hat Probleme, und eines davon sollen die Zauberbohnen lösen. Und weil Spotz’ Welt eine Märchenwelt ist, geht es jetzt, wie schon in Band 1, ALLES UNTER KONTROLLE und Band 2 EIN TROLLKÜHNER HELD, auf einen wilden Parforceritt quer durch die verschiedensten Märchen, Sagen und Legenden. Sogar die Bibel wird angezapft. Ein bisschen „Jona und der Wal“, ein wenig „Rotkäppchen und der böse Wolf“, eine kräftige Prise „Arielle, die Merjungfrau“ plus ein Schuss „Schatzinsel“ und andere Piratenabenteuer – das Ganze garniert mit Spotz trockenen und brachial ehrlichen Kommentaren und ein paar derben Witzchen für die junge Leserschaft über diverse Körperausscheidungen, und fertig ist Band drei der schrägen und saukomischen Spotz-Reihe.

Im Schweinsgalopp durch die Märchenwelt


Als erwachsener Leser braucht man nicht zu glauben, dass man weiß, wie die Geschichte weitergeht, nur, weil man die literarischen Vorlagen kennt! Typisch für Spotz’ Welt ist, dass alles ein bisschen anders läuft, als man denkt. Wo Goldie Locks als Kantinenwirtin an der Gesamtschule arbeitet, der Große Böse Wolf eine Rockergang anführt und Rotkäppchen eine allein erziehende Mutter ist, kann man davon ausgehen, dass hier fast nichts so ist, wie es scheint. Insbesondere die Pirateninsel kann mit ein paar handfesten Überraschungen aufwarten.

Manche Scherze weiß vielleicht nur der erwachsene Leser so richtig zu würdigen. Das ist ein bisschen wie bei Asterix und Obelix: Jeder Leser amüsiert sich auf der Ebene seines Wissensstands und alle haben ihren Spaß.

Das Buch nennt sich nicht umsonst „Comic-Roman“. Harrells witzige Zeichnungen mit den Sprechblasen sind mehr als nur begleitende Illustrationen. Sie treiben die Handlung weiter und stehen gleichberechtigt neben dem Text. Also die Comics immer schön mitlesen, sonst kommt man nicht mit!

Es ist wie im Märchen …


Wer jetzt zögert, seinen Kindern das Buch in die Hand zu geben, weil es darin permanent so lebensgefährlich zugeht wie das Cover suggeriert, der sei beruhigt: Es ist wirklich wie im Märchen: Die Guten kommen alle heil davon. Ein paar nicht ganz so Gute allerdings auch. Aber so ist das Leben. Und der eine oder andere Mistkerl hat ja vielleicht noch Entwicklungspotenzial zum Positiven hin.

Ich habe gehört, dass dies der letzte Teil der Spotz-Reihe sein soll. Schade, eigentlich. Aber besser so, als wenn die Masche zu Tode geritten würde. Und wer nur abgeschlossene Reihen kauft, weil er auf die Fortsetzungen nicht warten will, kann bei Spotz jetzt „zuschlagen“.

Der Autor
Rob Harrell ist ein erfolgreicher amerikanischer Comiczeichner. Er hat die Schule überlebt und wohnt heute mit seiner Frau in Austin, Texas.

Die Übersetzerin
Gabriele Haefs, geb. 1953, ist eine deutsche Autorin und Übersetzerin literarischer Werke. Sie studierte Volkskunde, Sprachwissenschaft, Keltologie und Nordistik an den Universitäten in Bonn und Hamburg. Sie lebt in Hamburg und ist seit den Achtzigerjahren als Übersetzerin aus dem Norwegischen, Dänischen, Schwedischen, Englischen, Niederländischen und Gälischen tätig.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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