Du bist mein „OStern“

Mitten in der Nacht viel es mir wieder siedend heiß ein. Morgen war Ostern und ich hatte kein Geschenk für meine Frau. Diese schlief friedlich neben mir und das seit glücklichen 10 Jahren. Sie hatte sicher bereits ein kleines Geschenk versteckt, sie denkt immer daran. Sie war nie sauer wenn ich wieder mal mit Hundeblick erklärte, dass ich es vergessen hatte. Wir waren da locker damit. Es ging ja nur um die Geste. Aber dieses Mal war es was Besonderes.

Wir waren an diesem Ostersonntag 10 Jahre zusammen, unser Jahrestag.
Ich schlich mich leise aus dem Schlafzimmer und ging die Treppe runter ins Wohnzimmer.
Ich setze mich auf unser Sofa und starrte in die klare Winternacht. Es war ein prächtiger Sternenhimmel zu sehen. Ich war wütend über mich selber. Gestern Nachmittag hatte ich noch eine wichtige Telco mit meiner Firma, dann kamen die Nachbarn überraschend kurz zum Ratschen und ich Trottel hab deshalb alles vergessen.

Es war dieses Mal „unser“ Ostern genau genommen. Mir wurde heiß vor Schuldgefühlen.
Ich hörte ein leises Klappern der Katzenklappe und schon stand unsere Katze Sternchen im Zimmer und schaute mich überrascht an. Sie stolzierte auf mich zu und sprang auf meinen Schoß. Um diese Zeit Streicheleinheiten war ihr natürlich gerade recht.

Sie war unsere Powerschmuserin. „Na Süße“, ich krabbelte ihr weiches Bauchfell, „ da schaust du, gell. Ich hab ein schlechtes Gewissen und jetzt sitz ich hier und weiß nicht weiter. Hast du vielleicht eine Idee wie ich Ostern retten kann?“
Sternchen ließ ein leises „Mau“ raus und zusammen sahen wir aus ratlos aus dem Fenster.

Eine Sternschnuppe brachte die rettende Idee


Plötzlich sah ich eine Sternschnuppe durch den klaren Nachthimmel ziehen, wunderbar hell und es sah aus, als ob diese direkt in unseren Garten fiel. Es war wunderschön.
Da kam mir eine Idee. „Sternchen, du bist meine Glückskatze.“ Sachte hob ich sie von mir runter und huschte in den Keller. Der Christbaumschmuck war natürlich schon auf geräumt, aber meine Liebste war super ordentlich und ich fand was ich suchte.

Der goldene Stern, der sonst auf unserem Christbaum thronte, war genau richtig. Ich bog ihn etwas zurecht und ging leise nach oben zur Haustüre. Sternchen hatte sich zu mir gesellt und gemeinsam marschierten wir durch den Garten zum Rosenbeet.
Ich wollte dort den Stern verstecken.

Ja sowas, genau da, im Efeu auf dem Beet hatte meine Frau auch mein Geschenk versteckt. Ein kleines buntes Döschen. Ich musste schmunzeln und legte den Stern dazu. Interessiert sah mir Sternchen dabei zu und zusammen gingen wir wieder ins Haus zurück.
Sie zum Sofa und ich ins Bett.

Am Morgen schien die Sonne und meine Frau und ich schliefen gemütlich aus und küssten uns liebevoll zum Jahrestag. Weiter kamen wir nicht, weil unsere Mietze zu uns ins Bett sprang und ihre Morgenschmuserei wollte.

Meine Liebste lachte „Der Osterhase war auch schon da. Magst mal im Garten suchen?“
„Echt? Logo, ich schau gleich, aber du musst auch suchen, er hat auch was für dich versteckt“ grinste ich sie an. „Na dann los“ rief sie freudig und wir drei rannten runter ins Erdgeschoss und in unseren Garten. Erst ein bisschen rumsuchen, in den leeren Blumentöpfen, im Gartenhaus, dann zum Rosenbeet.
„Huch, was liegt denn da“ Meine Frau hielt den Weihnachtsstern in der Hand.

Weil du mein OStern bist …


Ich ging vor ihr im feuchten Gras im Schlafanzug auf die Knie.
„Mein Schatz, ich danke dir für die letzten wundervollen zehn Jahre und gestern Nacht ging eine Sternschnuppe in unseren Garten nieder und weil du mein „OStern“ bist, möchte ich dir damit sagen, wie sehr ich dich liebe und dich heute Abend zum Essen ins Hotel Stern einladen.
In diesem Lokal hatten wir unser erstes Date und ist auch immer noch unser Lieblingsrestaurant für was Besonderes. Hoffentlich bekamen wir auch heute noch einen Tisch, dachte ich mit klopfendem Herzen.
Meine Frau kniete sich zu mir und wir küssten uns und hielten uns in den Armen.

„Ach wie romantisch, ich bin ganz überrascht. Wie lieb von dir. Schau mal was da noch liegt.“
Sie deutete auf das kleine Döschen unterm Efeu. Ich nahm es, öffnete es und sah ein Papier in Form eines Sternes. Ich faltete es auseinander und las darin eine zärtliche Liebeserklärung und Einladung ins Hotel Stern für heute Abend.

Katze Sternchen sah mich mit ihren gelben Augen an


Wir lachten beide und umarmten uns wieder fest. Sternchen sah uns mit ihren gelben Augen neugierig zu. Ich schnappte sie mir und drückte sie fest an mich. Sie hatte auch dazu beigetragen, dass es ein herrliches Ostern für uns wurde.

Und einen Dusel hatte ich auch noch, der Tisch heute Abend war für uns bereits durch meine kluge Frau reserviert. Ich konnte ja beim romantischen Essen noch meine kleine österliche Beichte ablegen und ihr von meiner nächtlichen Aktion erzählen.

Wenn ich meine zwei Sternchen nicht hätte!

Foto: (c) Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

Foto: (c) Wolfgang Dirscherl / pixelio.de




Autor: Barbara Pronnet

barbarapronnet@web.de
www.online-roman.de


Fotograf/Künstler: © Wolfgang Dirscherl / www.pixelio.de

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3 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 23. März 2016 at 08:21
    • Antworten

    Fast zu schön, um wahr zu sein – eine romantische Osterliebesgeschichte !

  1. Danke für das schöne Bild liebe Frau Nebel. Schöne Ostern an alle:-)
    Danke
    Grüße Barbara Pronnet

    1. Und nochmals ein herzliches Dankeschön für die tolle Geschichte! 🙂

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