Stephanie Lang von Langen: Ich weiß, was du mir sagen willst. Die Sprache der Hunde richtig verstehen

Stephanie Lang von Langen und Shirley Michaela Seul: Ich weiß, was du mir sagen willst. Die Sprache der Hunde richtig verstehen, Köln 2014, Bastei Lübbe AG, ISBN 978-3-7857-2508-5, Hardcover mit Schutzumschlag, 253 Seiten, Format: 14,1 x 2,5 x 22,1 cm, Buch: EUR 18,99, Kindle Edition: EUR 14,99.

Abbildung: (c) Bastei Lübbe AG

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„Wohin man auch blickt, lauern Missverständnisse in der Kommunikation, und diese können zu unglücklichen Mensch-Hund-Beziehungen führen. Das tut mir oft sehr leid, denn ich weiß ja, wie einfach es sein kann, wenn der Mensch das richtige Vokabular benutzt. Nicht seines, sondern das des Hundes.“ (Seite 15)

Stephanie Lang von Langen versteht sich als Dolmetscherin zwischen Mensch und Hund. Sie hat Tierpsychologie studiert, bietet als Hundepsychologin Einzel- und Gruppenarbeit an. Sie bildet Therapiehunde aus, ist Mitglied der Bayerischen Rettungshundestaffel sowie Trainerin für Verhaltensprobleme, Hundebeschäftigung im Alltag und Mantrailing.

Ich „kenne“ Stephanie Lang von Langen als die Trainerin, die es mit Hilfe ihres Therapiehundes geschafft hat, einer verzweifelten jungen Frau zu helfen, die 7 Jahre lang an einer Angststörung litt und das Haus nicht mehr verlassen konnte. (Tanja Buburas und Shirley Michaela Seul: EIN HUND IST EIN HERZ AUF VIER BEINEN, ISBN 978-3-4850-2829-5). Die Geschichte findet man auch als Fallbeispiel in diesem Buch (ZUGZWANG, Seite 194 ff.). Wie die Tierpsychologin das Problem damals angegangen ist, hat mich überzeugt: Dadurch, dass die Kundin für den Hund der Chef sein musste, veränderte sich ihr Auftreten und auch ihre innere Einstellung. Hunde akzeptieren es nicht, wenn man nur so tut als ob – dazu können Sie Gesichtsausdruck, Stimme und Körpersprache des Menschen viel zu gut lesen.

Hundisch reden mit dem Hund


Durch dieses Buch wird man nicht sofort zum Hundeflüsterer, aber es wird einem einiges klar: Man darf dem Hund nicht 1:1 menschliche Gefühle und Gedankengänge unterstellen. Er ist nun mal ein Hund und tickt anders als wir. Behandeln wir ihn wie unseresgleichen, versteht er das nicht und wird verunsichert.

Die allerwenigsten Hunde reißen sich darum, in der Familie – ihrem Rudel – die Chefrolle zu übernehmen. Aber wenn sie den Eindruck haben, ihr Mensch habe die Sache nicht im Griff, tun sie es notgedrungen. Ein ausgeglichener, souverän reagierender Mensch, der stets willens und imstande ist, ihn zu beschützen, ist dem Hund am liebsten. Wenn Chef oder Chefin sich um alles kümmern, kann er getrost entspannen.

Wie wird man nun ein kompetenter Hundechef? Wie muss man denken, sprechen, handeln, sich bewegen, damit einen der Hund als seinen „Vorgesetzten“ akzeptiert? Wie verhindert man, dass der Hund bestimmt, wo’s langgeht und dass er den Menschen kontrolliert? „Optimal läuft die Mensch-Hunde-Beziehung, wenn der Hund weiß, wo sein Platz in diesem Sozialgefüge ist.“ (Seite 35)

Hundesignale erkennen und deuten


Welche Signale Hunde aussenden, wie der Mensch sie richtig deutet und adäquat darauf reagiert, erfahren wir hier … sagen wir: ansatzweise. Eine vollständige Hundegebrauchsanweisung ist das Buch nicht und auch kein Wörterbuch „Hund-Mensch, Mensch-Hund“. Selbst wenn die Sache so einfach wäre, würden die Therapeuten einen Teufel tun und uns ihre sämtliche Tricks verraten. Damit würden sie sich ja selbst das Wasser abgraben. So kann uns das Buch nur dafür sensibilisieren, dass man „hundisch“ sprechen muss mit dem Hund, um verstanden zu werden. Wo man das lernen kann, wenn man es nicht beherrscht, liegt auf der Hand …

Eines ist auf jeden Fall klar: Man muss dem Hund zwar eindeutige Botschaften senden, aber grob werden muss man dabei nicht!

Wir erfahren, wie wichtig es ist, dass die Rasse, das Temperament und auch die Vorgeschichte des Hundes zu seinem/seinen Menschen passt … dass Dressur etwas anderes ist als Erziehung und wie ein Rudelführer auftreten sollte, um ernst genommen zu werden. Wir lernen das Basisvokabular der Hundesprache und ein paar Benimmregeln aus der Hundewelt.

Vierbeinige Kindermädchen


Die Autorin gibt uns Einblicke in die Arbeit von Therapie- und Rettungshunden und sie erzählt uns, was sie zu ihrer Berufswahl inspiriert hat. Stephanie Lang von Langen ist als Tochter deutscher Auswanderer in Kenia aufgewachsen. Als kleines Mädchen war sie stark sehbehindert – was man erst nach Jahren durch eine OP beheben konnte. Sie wurde aber nie als Behinderte behandelt. Sie ist in Begleitung der Familienhunde – einem Schäferhund und einem Labrador – stets frei durch die Gegend gestromert. Die zwei waren sowas wie vierbeinige Kindermädchen für sie. „Ich hörte (…) sehr gut, da ich mich auf meine Augen ja nicht so gut verlassen konnte. (…) Ich war sicher, die Sprache der Hunde zu verstehen, und kommunizierte mit ihnen auf meine Art und Weise. Sie waren meine Augen, meine Sinne. Durch sie erahnte ich, was um uns herum geschah. Da kommt jemand. Wer ist es? Kennen wir ihn? Freuen wir uns oder sind wir erst mal vorsichtig?“ (Seite 86)

Vor diesem Hintergrund glaube ich gern, dass Stephanie Lang von Langen „hundisch“ versteht. Bei ihrem Studium dürfte ihr klar geworden sein, warum das, was sie instinktiv schon längst gewusst hat, so ist, wie es ist.

Und mir ist wieder einmal klar geworden, warum ich einfach kein Hundemensch bin. Für mich ist hundisch so unverständlich wie chinesisch, da nützen auch keine Sachbücher. Ich würde erst einmal einen Intensivkurs belegen müssen. Es wäre mir aber auch zu anstrengend, dauernd Chef sein zu müssen und so diszipliniert zu kommunizieren. Das ist schon mal eine wertvolle Erkenntnis. Auch Hundeflüsterer und Tierpsychologen können nur dolmetschen, vermitteln und den Menschen auf die Sprünge helfen, aber zaubern können sie nicht. Nicht immer wird aus Mensch und Hund ein Dreamteam. Manchmal passt es einfach nicht.

Keine Gebrauchsanleitung für den Hund


Wer sich von dem Buch praktische Anleitungen erhofft hat, wird wohl ein bisschen enttäuscht sein. Das Buch ist hochinteressant und liest sich recht vergnüglich, aber zeigt eher in groben Zügen auf, wo zwischen Mensch und Tier Kommunikationsprobleme entstehen können. Lösen soll die dann wohl der Fachmann/die Fachfrau. Ein wenig ist Werk wohl auch als Werbung für das Leistungsportfolio der Autorin zu verstehen. Who ya gonna call? Ghostbusters!

Die Autorinnen
Stephanie Lang von Langen wurde 1976 in München geboren, hat aber den größten Teil ihrer Kindheit in Kenia verbracht. Die Familie zog nach Bad Tölz, als sie 11 Jahre alt war. In Zürich studierte sie Tierpsychologie für Hunde und arbeitet heute im Raum München als Hundetrainerin und Ausbilderin.
Shirley Michaela Seul, geboren 1962, hat zahlreiche Bücher in verschiedenen Genres veröffentlicht, darunter auch eine Hundekrimiserie, die im bayerischen Fünfseenland spielt. Als Ghostwriterin hat sie an einigen Bestsellern mitgewirkt.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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