Caroline Paul, Wendy MacNaughton: Katze vermisst. Wie ich meinen Kater Tibby gestalkt habe

Caroline Paul, Wendy MacNaughton: Katze vermisst. Wie ich meinen Kater Tibby gestalkt habe. Eine wahre Geschichte über Liebe, Verzweiflung und GPS. OT: Lost Cat. A True Story of Love, Desparation and GPS Technology, aus dem Englischen von Martin Bauer, München 2014, Wilhelm Heyne Verlag, ISBN 978-3-453-60329-5, Softcover, 159 Seiten mit zahlreichen Farbfotos und Illustrationen von Wendy MacNaughton, Format: 11,6 x 2 x 18,5 cm, Buch: EUR 9,99 (d), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 8,99.

Abbildung: (c) Wilhelm Heyne Verlag

Abbildung: (c) Wilhelm Heyne Verlag

„Ich hatte mal eine Depression, dann ging ich in die Welt hinaus. Danach war ich nicht mehr deprimiert, nur noch normal meschugge.“ (Seite 158)

Seit zwanzig Jahren wohnt die Schriftstellerin Caroline Paul in ihrem Haus in San Francisco. Seit 13 Jahren hat sie das Katzenzwillingspärchen Tibby (m.) und Fibby (w.). Die zwei können durch eine Katzenklappe ins Freie und treiben sich in den umliegenden Gärten herum.

Eines Tages hat Caroline einen schweren Unfall, der sie monatelang lang an Krücken gehen lässt und auch sonst im Alltag sehr einschränkt. Es geht ihr auch psychisch nicht gut. Freunde und Verwandte kommen um ihr zu helfen, vor allem Freundin Wendy engagiert sich sehr.

Nicht nur Carolines Leben ist plötzlich aus den Fugen geraten, auch das der Katzen. Eines Tages ist ausgerechnet der schüchterne Tibby verschwunden, der sich noch nie weit vom Haus wegbewegt hat. Caroline ist verzweifelt, befragt sogar eine Wahrsagerin über Tibbys Verbleib und malt sich die schrecklichsten Dinge aus, die ihm zugestoßen sein könnten. Selber suchen gehen kann sie ihn nicht, das muss Wendy für sie übernehmen. Die tut ihr Bestes, hat allerdings mit Katzen überhaupt nichts am Hut.

Nach fünf Wochen Abwesenheit ist Tibby plötzlich wieder da, gesund und quietschfidel. Nur fressen will er zuhause nichts mehr. So erleichtert Caroline über seine Rückkehr ist, so neugierig ist sie auch auf sein zweites Zuhause. Wo war er in den fünf Wochen? Wo geht er jetzt immer wieder hin? Was gibt es da, was er bei ihr daheim nicht hat?

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, kommen Wendy und Caroline auf die verrücktesten Ideen. Sie hängen dem Kater einen GPS-Sender um, werden aber aus dessen Aufzeichnungen zunächst nicht schlau.

Tibby mit Sender. Foto: Nebel / Heyne Verlag

Tibby mit Sender. Foto: Nebel / Heyne Verlag

Rätselhafte GPS-Protokolle, Foto: Nebel / Heyne Verlag

Rätselhafte GPS-Protokolle, Foto: Nebel / Heyne Verlag

Als nächstes versehen sie Tibby mit einer winzigen Kamera, sehen aber nur Rasen, Himmel, komische Lichter und ihre eigene Deckenlampe. Auch diverse Flugblattaktionen sowie Nachrichten, die sie an Tibbys Halsband befestigen, bringen nichts. Und der Versuch, in einem Seminar die Katzensprache zu erlernen, scheitert kläglich an Carolines Skepsis. 😉

Nachdem sie sich nochmals in die GPS-Ergebnisse vertieft haben, können die beiden Frauen endlich das Gebiet, in dem Tibby bevorzugt herumstreunt, auf 10 Häuser genau eingrenzen. Und was jetzt? Schriftliche Nachrichten haben ja bisher nicht gefruchtet. Da hat Wendy eine ganz altmodische und für San Francisco geradezu unerhörte Idee …

Witzig, selbstironisch und allenfalls ein ganz kleines bisschen überspitzt beschreiben Caroline und Wendy, was es für Katzenbesitzer bedeutet, wenn das geliebte Tier verschwunden ist (oder auch nur anhaltend fremdwohnt). Der Mensch ist in seiner Sorge und Verzweiflung zu allem fähig – im Notfall sogar dazu, mit bisher unbekannten Artgenossen tatsächlich zu reden!

Meschugge? Hm, das würde ich jetzt nicht sagen. Schließlich kommt mir als Katzenhalterin manches, was die beiden Mädels da veranstalten, irgendwie bekannt vor. Ich schließe mich einfach Carolines Meinung an: „Ob jemand meschugge ist, ist Ansichtssache.“ (Seite 58).

Das Buch jedenfalls ist sehr unterhaltsam.

Die Autorin
Caroline Paul, Jahrgang 1963, studierte Kommunikationswissenschaft in Stanford und ist Autorin mehrerer Bücher. Dreizehneinhalb Jahre lang arbeitete sie als Feuerwehrfrau. Ihre Erfahrungen – auch mit der Rettung von Tieren – schildert sie in ihrem Buch Fighting Fire (1998). Sie lebt mit ihrer Partnerin Wendy MacNaughton und drei Katzen in San Francisco.

Die Illustratorin
Wendy MacNaughton ist Künstlerin und Illustratorin. Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Magazinen und Zeitungen veröffentlicht, unter anderem in der New York Times. Sie lebt mit ihrer Partnerin Caroline Paul und drei Katzen in San Francisco.

Der Übersetzer
Martin Bauer ist Sachbuchautor und Übersetzer in München.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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3 Kommentare

  1. Ich bin neugierig geworden. Schade, dass die Buchbesprechung am interessantesten Punkt endet. Da werde ich mir wohl doch das Buch besorgen müssen.
    LG
    Astrid

      • Baumgaertner
      • Margrit Baumgärtner on 4. August 2015 at 08:38
      • Antworten

      Das ist der Sinn einer Buchbesprechung, dass die Neugier geweckt wird, aber das Wesentliche NICHT verraten wird! 🙂

      1. Genau, das ist mein Job. 🙂

        Wenn ich aber beruflich wissen muss, was in einem Buch steht, ohne es komplett lesen zu müssen, suche ich bei Google unter dem Buchtitel und dem Zusatz „+ spoiler“. Dann kriegt man manchmal Artikel, die auch das Ende verraten.

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