Emma, die Raubturmdeckelschnecke

Emma lag schon seit Tagen in ihrem viereckigen Ei wie ihre viele Geschwister. Die Eier hatte ihre Mutter an die Scheibe vom Aquarium geklebt. Ja die Eier von Raubturmdeckelschnecken sind viereckig. Heute sollte der Tag sein, an dem Emma und ihre Geschwister aus ihren Eiern schlüpfen sollten.

Es dauerte auch nur ein paar Minuten und die Scheiben des Aquariums waren voll mit kleinen Schneckchen. Die Schnecken wachsen sehr schnell schon bald sah man die gelb-schwarzen Streifen auf den Turmhäuschen gut. Auch der Deckel, mit dem die Schnecken ihr Häuschen bei Gefahr verschließen, war deutlich zu sehen.

Schon als die Schnecken ein paar Wochen alt waren, kamen sie in das Zoofachgeschäft, wo sie zum Verkauf angeboten wurden .Eines Tages kam Mira in das Geschäft und kaufte sich eine Raubturmdeckelschnecke. Der Verkäufer fragt das Mädchen, ob sie denn eine Schneckenplage in ihrem Aquarium habe. Das Kind antworte ganz schnell mit ja und verließ den Laden. Schnell zum Bus mit Emma, dachte Mira. Als Sie zu Hause ankam, erschrak Mira. „Aber wo soll Emma wohnen?“ Jetzt erst wurde den Kind bewusst, das Emma eine Wasserschnecke war, und in der Tüte in der sie sich befand, konnte die Turmschnecke nicht bleiben. Was nun?, dachte Mira.

Mira lief in die Küche, und fragte ihre Mutter: „Du, Mama, ich brauche ein wasserdichten Behälter für die Schule“. Das Mädchen bekam einen roten Kopf, denn Mira hatte ihre Mutter noch nie angelogen, aber sie wollte Emma einfach behalten und die Schnecke braucht ein Zuhause.
Mama sagte „Wir haben im Keller noch einige große Einmachgläser“.

Das Kind lief schnell in den Keller und wurde fündig. Ein großes Gurkenglas mit Schraubverschluss sollte das Zuhause für Emma werden .Mira rannte mit den Glas in der Hand in ihr Kinderzimmer. Dort wollte sie das Glas mit Wasser füllen. Aber Leitungswasser? Würde das Emma gefallen? Nein, dachte Mira und schlich sich aus dem Haus. Im Nachbargarten gab es einen Gartenteich. In Windes eile füllte das Kind das Gurkenglas mit Wasser aus denn Fischteich. Schnell noch ein paar Schwimmpflanzen mitgenommen. „Gut, das wird Emma gefallen!“

Im Nu hatte das Mädchen das Glas eingerichtet. Gut sah es aus, das Zuhause für Emma . Nun setzte Mira die Turmschnecke ein. Diese kroch gleich im ganzen Glas herum, es schien ihr zu gefallen. Das Glas stellte Mira auf die Fensterbank so hatte Emma genügend Licht und durch die Löcher im Schraubverschluss kam Luft. Das Kind hatte Emma noch ein paar Flocken Fischfutter in das Glas gegeben, so war die Raubturmdeckelschenke Emma bestens versorgt.

Mira versorgte Emma auch weiterhin sehr gut.

Sie brachte ihr Futter, das sie aus Nachbars Teich gefischt hatte. Es waren Wasserflöhe, Mückenlarven und kleine Schnecken. Posthornschnecken waren das Leibgericht von Emma.

Mira hatte Emma nun etwa sechs Wochen. Die Raubschnecke war groß geworden. Eines Tages kam Miras Cousine Heidi in das Zimmer. Sie war schon lange nicht mehr zu Besuch gewesen. Als diese das Glas mit der Schnecke entdeckte, schrie sie sofort nach ihrer Tante, Miras Mama: „Hilfe, Tante Hedwig Mira hat eine ekelhafte Schnecke in einen Glas! “

Mira erschrak und rannte in ihr Zimmer um Emma zu verstecken .Aber es war zu spät, die Mutter hatte alles schon gesehen und rief laut nach Mira.
„Kannst du mir das erklären?“.
„Ja, Mama. Ich wollte schon immer ein Haustier haben, aber du und Papa wart dagegen. Da dachte ic, so eine kleine Schnecke wird nicht stören“.
„Du hast mich angelogen und das stört mich .“

Mira lief einfach aus ihren Zimmer in den Garten, ging ins Gartenhäuschen, schloss ich ein und heulte los. Die Tränen liefen ihr über das ganze Gesicht, nicht nur Tränen sie musste sich auch die Nase putzen.

Das Kind blieb den ganzen Nachmittag da, und dachte nach was es falsch gemacht hatte . Was das Schulmädchen nicht wusste, war, das zu gleichen Zeit Heidi sich Glas mit Emma schnappte und mit diesem zum nahen Steinbruch lief. Da gab es auch einen Badeteich. In diesen warf sie das Glas mit der Raubschnecke. Heidi rief ganz laut „Auf nie mehr Wiedersehen, du Biest!“
Das Glas trieb schnell ab. „Gut, dachte Heidi. Aber das Schraubverschlussglas ging bald darauf unter. Heidi strahlte über das ganze Gesicht. Nun war Sie endgültig weg, die ekelhafte Schnecke. Das Mädchen ging freudig zurück.

Mira lag auf ihrem Bett und weinte.

Als Heidi in das Zimmer von Mira kam, begannen die Mädchen zu streiten. Nach ein paar Minuten hörte es Miras Mutter. Sie sagte, Heidi hatte kein Recht, Emma einfach in den See zu werfen, und wollte Mira Geld geben damit sie sich wieder eine Schnecke kaufen könne. Mira aber schrie ganz laut „Ich möchte keine andere Schnecke, ich möchte Emma!“ Heidi wollte sich bei Mira entschuldigen. Jetzt merkte das Mädchen wie, wichtig die Raubturmdeckelschnecke Emma für Mira war.

Zur gleichen Zeit im Bach. Emma hatte sich aus dem Schraubglas befreit. die Schnecke war sehr aufgeregt, als Sie das viele Wasser um sich herum sah. Langsam schwamm das Tier im Badesee umher. Unheimlich groß, dachte Sie. Die Raubturmdeckelschenke hätte am liebsten nach Hilfe gerufen, aber leider konnte sie dies nicht. Als Emma da so schwamm, sah Sie einen Ast, der in das Wasser ragte.Die Turmschnecke sagte sich: „Da werde ich jetzt raufkriechen und mich etwas ausruhen, vielleicht kann ich mir so auch einen Überblick beschaffen“. Gesagt, getan.

Emma kroch weit am Ast hoch. Zu lange dürfen Wasserschnecken nicht aus denn Wasser. Eine wunderschöne Aussicht hatte Emma da. Sie sah einen Laubfrosch, mehrere Erdkröten, ein paar Mandarinenten, und Heiner, die Apfelschnecke ,die über ihr am Ast hing.

Heiner erschrak, als er Emma sah.

“ Hilfe eine Raubschnecke!“, war sein Gedanke, „Wo kommt die denn her?“ Sie war bestimmt, genau wie er, von Menschenhand in den in den Backer see geworfenen worden.
Emma erschrak auch, als Sie Heiner sah. Eigentlich sollte Sie sich ja freuen, denn so ein gutes Abendessen hatte die Raubschnecke schon lange nicht mehr. denn Raubturmdeckelschnecken fressen nämlich für ihr Leben gerne andere Schnecken .

Heiner schaute Emma an und Emma Heiner. Bald darauf war das Eis gebrochen. Emma verstand genau, was Heiner wollte. Heiner, die Apfelschnecke, zeigte Emma denn See. Zuerst schwammen die beiden zu Rosalinde. Das, so fand Heiner, war die schönste aller Maulwurfgrillen, die es am Rande das Baches gab. Obwohl Rosa genauso schwarz war und zwei Grabschaufel hatte wie die anderen Grillen, fand Heiner sie bildhübsch.

Ein Stückchen weiter hinter einen Stein lebte der alte Flusskrebs Fridolin mit seiner Familie. Fridolin, der Flusskrebs, war immer gut gelaunt. Er kniff die Badegäste manchmal in die Waden und tauchte schnell ab.

Emma war sehr müde geworden, Heiner auch. Die beiden legten sich auf ein großes Seerosenblatt und schliefen sofort ein. Emma träumte von ihren Leben bei Mira und Sie merkte, dass ihr Leben erst jetzt so richtig schön war. Es hätte ihr nichts Besseres passieren können.

Als die Schnecken ausgeschlafen hatten, waren die beiden sehr hungrig, aber an Futter fehlt es hier nicht. Emma verputzte ein paar Wasserflöhe und einige rote Mückenlarven. Heiner verspeiste zuerst etwas Wasserpest und dann ein paar Blätter vom Froschlöffel. Schlemmen konnte man hier wie im Sterne-Restaurant. Nicht nur das Essen war gut sondern auch alles andere.

Heiner erzählte Emma, dass es bald Sommer sei und dann viele Menschen kommen würden, um hier im See zu baden. Er sagte: „Da musst du dich in acht nehmen. Die Menschen haben unter anderem sehr große Füße. Wenn du da drunter kommst, wirst du es nicht überleben.“
Aber Emma hatte keine Angst, Heiner war ja bei ihr und der lebte schon etwas länger hier im Badesee.

So war es auch. Kaum wurde es warm, kamen auch schon die ersten Badegäste: kleine, große, dicke, dünne, und alle hatten wirklich große Füße. Emma bekam Angstgefühle , aber Heiner, die Apfelschnecke war ja bei ihr. Ja, Heiner war da und sagte: „Wenn noch mehr Menschen kommen , werden wir von hier verschwinden. Wir müssen durch das große Abwasserrohr. So kommen wir in den Teich nebenan. Da baden keine Menschen. Ich habe da auch ein paar Freunde, die ich dier gerne vorstellen würde.

Schon drei Tage später schwammen die Weichtiere durch das Rohr,und kamen in den anderen Fischteich. Emma war sehr angetan von diesem schönen Seerosenteich. Er war zwar viel kleiner als der Badeteich und es gab keine Badegäste. Heiner sagte zu Emma: „Komm ich möchte dir einige meiner Freunden vorstellen.“

Emma ging gerne mit Heiner mit.

Zuerst zu Ilse, der Zebramuschel, und ihrer Familie
„Hallo Ilse, darf ich vorstellen? Das ist Emma, eine Raubturmdeckelschnecke.“
Ilse wurde böse. „Was will Sie eine Raubschnecke in unser Revier? Die wird uns alle töten!“
„Das wird Emma nicht! Ich kenne sie etwas länger.“
„Geht weiter“, schimpft Ilse, und auch die anderen Muscheln waren nicht gerade freundlich zu Emma. Das stimmte Emma traurig
„Mach dir nichts draus, das war am Anfang auch bei mir so“, tröstete Heiner. „Das wird schon“.

Die Schnecken krochen weiter, vorbei am Wassermohn und an den Muschelblumen. Die fand Emma richtig schön. Hinter dem Hornkraut und der Wasserfeder schwamm ein verliebtes Paar Moderlieschen. Die Anwesenheit von den Sommerbarschen störte das Liebespaar nicht.

Auch um diesen See waren Rohrkolben, auf denen sich Libellen niedergelassen hatten. Einige große Königslibellen,und ein paar Blutrote Heidelibellen betrachteten ihr Schattenbild. Sie tanzten und drehten sich im Sommerlicht. Schön war es hier! Dieser Teich war fast noch schöner als der andere. Zwischen Schwanenblumen und den Zwergseerosen saßen Frösche, Laubfrösche, Teichfrösche und Große Grasfrösche gaben ein Konzert. Die Kaulquappen von denn Erdkröten hatten schon ihre Beine.

Die Zeit verging schnell.

Emma und Heiner hat viele Freunde gefunden. Auch die andern Schnecken vertrauten der Raubschnecke. Emma war überglücklich. Heiner wusste, dass sich das aber bald ändern würde, denn der Herbst kam und dann der Winter. Heiner wusste auch, dass diese Jahreszeiten nicht so schön waren, aber man konnte es schaffen.

Schon eine paar Wochen später fielen die ersten bunten Blätter von den Bäumen, direkt in den See. Sogar Emma bemerkte bald, dass es sehr ungemütlich wurde, aber auch dieses Mal vertraute sie Heiner. Er wusste immer, was gut war, und Heiner hatte gesagt dass man in der Zeit, die man Herbst nennt, so viel futtern sollte, wie man kann. Die Apfelschnecke Heiner und die Raubturmdeckelschenke Emma fraßen so, dass sie bald nicht mehr in ihr Schneckenhaus passten.

Von Tag zu Tag wurde es ein wenig kälter, aber es blieb noch genügend Zeit, bis der Winter kommen würde. Heiner geklärte Emma, dass sie nun bald sehr viel schlafen würden, man nennt das Winterruhe. Einige Weichtiere hatten sich schon hinter den großen Felsen an Grund des Sees verkrochen. Die Flussdeckelmuscheln, Flussperlenmuscheln und die uralte Sumpfdeckelmuschel Lisa waren immer die ersten im Winterquartier „Sie wollen die besten Plätze“, sagte Heiner zu Emma „aber keine Bange, es gibt genug Platz für uns alle, und der Winter geht schnell vorbei. Emma, komm, wie sehen mal, was die Wasserläufer machen, ob sie wieder Schlittschuh laufen.“

Emma ging mit Heiner. Ja tatsächlich die kleinen Kerle sahen aus wie Eiskunstläufer. Die Raubschnecke sah ihnen gerne zu, auch den Wasserkäfern, wenn diese bei der Futtersuche so hin und her wuselten.

Aber nun kam die Zeit, in der sich auch die Schnecken auf den Weg zum Winterquartier machen. Heiner und Emma gingen hinter den andern Schnecken. Zuerst die Kegelschnecken, danach die Napfschnecken, nun Emma dann Heiner. Im Überwinterungsquartier angekommen, wurde noch über vieles geredet. Emma erzählte von ihrem Leben im Schraubverschlussglas und das sie da nie wieder hin wollte. Heiner hatte fast die gleiche Vorgeschichte. Die anderen Schnecken und Muscheln hörten gerne zu.

Als die Tiere so erzählten, wurden sie müde und schliefen ein. Am nächsten Tag erzählten sie weiter von ihren Abenteuern. So geht das noch ein paar Tage, aber die Müdigkeit holte sie immer öfter ein. Nun wurde es Zeit für die Winterruhe. Es dauert nur noch wenige Tage, dann hatten alle Weichtiere ihre Häuschen verschlossen und schliefen fest, so auch Heiner und Emma. Neben Heiner lagen ein Paar Ohrschlammschnecken, einige Teichnapfschnecken ,neben Emma eine Gemeine Tellerschnecke.

Die Malermuscheln und auch all die anderen Muschel hatten sich schon etwas länger in den Bodengrund verkrochen .Heiner und Emma träumten nun gemeinsam von nächste Frühling und was er wohl für Abenteuer bringen würde …

Foto: RSX, cropped by Snek01 / creative commons 3.0

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Autor: Roswitha Waldbüßer

ro.waldbuesser@gmail.com


Fotograf/Künstler: © RSX, cropped by Snek01 / This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

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5 Kommentare

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    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 22. Juni 2015 at 08:10
    • Antworten

    Auf unterhaltsame Weise habe ich wieder ein neues Tier kennengelernt: RAUBTURMDECKELSCHNECKE – nie gehört und fast ein Zungenbrecher. Schöne Geschichte!

    1. Ging mir genauso. Ich dachte, das ist bestimmt eine Fantasy-Geschichte … und war dann ganz erstaunt, dass es das Tierchen wirklich gibt. Schön, dass jetzt jemand bei uns an Bord ist, der sich mit Getier in Teichen, Aquarien und Terrarien auskennt. Es kommt noch mehr.

  1. Und wieder eine neue und sehr schöne Geschichte, ich freue mich, dass es so wunderbar funktioniert, ganz lieben Gruß, Ursula Geier.

  2. Ich reihe mich ein, denn auch ich kannte zuvor die Raubturmdeckelschnecke nicht. Der Name mutet so fantasievoll an, dass er direkt erfunden sein könnte. Eine schöne Geschichte.
    LG
    Astrid

      • Roswitha Waldbüßer
      • Roswitha Waldbüßer on 28. Juni 2015 at 17:25
      • Antworten

      Emma lebt natürlich in unseren Aquarium

      alles andere ist erfunden

      LG Roswitha

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