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Baumgaertner

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Inseltiere (2)

Das Johannisfest zu Ehren von Sant Joan (Johannes der Täufer) ist das größte von vielen Inselfesten Menorcas. Es findet Mitte Juni in Ciatudella statt mit Prozessionen, Umzügen, Musik, nicht zuletzt auch mit viel Wein und Gin-Mix-Getränken. Es geht wild und laut zu, oft mehrere Tage lang. Der Andrang und die Enge in den Straßen ist so extrem, dass das Tourismusamt davor warnt, die Veranstaltung mit kleinen Kindern zu besuchen. Auch wir hätten, falls das Fest in unsere Urlaubszeit gefallen wäre, mit Sicherheit darauf verzichtet. Auch mit dem Wissen, WER an diesen Tagen die Hauptrolle spielt: Denn das sind die menorquinischen Pferde.

Das Besondere an dieser inseleigenen, schwarzen Rasse: Die Hengste können lang und ausdauernd auf den Hinterbeinen stehen und laufen. „Fachchinesisch“ gesprochen: Sie beherrschen eine Lektion der „Hohen Schule“, die Kurbette. Die Pferde vollführen mehrere Sprünge auf den Hinterbeinen, ohne dass die Vorderbeine den Boden berühren. Diese Bewegungen gehören durchaus zum natürlichen Hengstverhalten bei Rangordnungskämpfen. Bei den Menorquinern wurde es gezielt genetisch verstärkt und antrainiert. Es dient der Gestaltung des JALEO – dem „Tanz der Pferde“.

Bei den Prozessionen bäumen sich Pferd samt Reiter auf, dicht umringt von den Menschen, die dann auch noch versuchen das Pferd anzufassen oder beim Steigen zu „unterstützen“(wortwörtlich). Ersteres soll Glück bringen, der zweite Gesichtspunkt ist schlicht gefährlich, denn man gerät leicht unter die herunterschnellenden Hufe. Erstaunlich, dass die Hengste diese Feste relativ gelassen überstehen und die Besucher relativ unverletzt.

Foto: (c) Baumgärtner

Zumindest in der neueren Zeit werden die charakterstarken Pferde geduldig und mit Sachverstand auf diese Aufgabe vorbereitet. Davon konnte ich mich auf der Pferdeshow SOMNI in Son Martorellet überzeugen (www.sonmartorellet.com). Es gab eine eindrucksvolle Stallführung und eine Vorstellung mit einfühlsamen Reitvorführungen. Die Hengste zeigten viele Dressurlektionen und ihren „zweibeinigen Tanz“. In der Pause durfte man viele Fragen stellen, den Pferden sehr nah kommen und sie ausgiebig streicheln. Das war letztendlich auch eine gute Vorübung für die Gewöhnung der Pferde an die vielen Hände bei den Festen. Gerade in den letzten Tagen hat das Johannisfest in Ciatudella stattgefunden. Reiter/innen und Pferde zeigen ihr Können innerhalb eines Jahres aber auch zu anderen Gelegenheiten im Ausland.

Foto: (c) Baumgärtner

In Son Martorellet bestand sogar die Möglichkeit, ein Erinnerungsfoto auf einem Pferd mit dem kunstvollen menorquinischen Sattel und Zaumzeug zu machen. Für Kinder kostete das einen einstelligen Euro-Betrag, für Erwachsene einen zweistelligen… Nun ja, nicht vielen Großen schien es das wert zu sein, sie hielten sich eher zurück.

Alle ? — Nein, nicht alle.

Foto: (c) Baumgärtner




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Baumgärtner / privat

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1 Kommentar

  1. Geier
    Geier

    Wunderschöne und starke Pferde, ich wusste gleich, dass Sie auf einem sitzen, sehr mutig und ein Erinnerungsfoto wert.

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