Heike Wolpert: Schönheitsfehler. Kater Socke ermittelt

Heike Wolpert: Schönheitsfehler. Kater Socke ermittelt, Meßkirch 2015, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-1693-4, Softcover, 246 Seiten, Format: 12 x 2 x 20 cm, Buch: EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 8,99.

Abbildung: (c) Gmeiner Verlag

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Hannover im Hochsommer: Das Feuerwerk anlässlich einer Firmenfeier der PharmaBel AG nutzt ein Unbekannter, um den Schönheitschirurgen Dr. Karl-Heinz Finkenburg hinterrücks zu erschießen. Im Park hinter der Messe wird seine Leiche gefunden.

Zeugen gibt es, aber die sind für die Mordkommission keine Hilfe: Der eine ist ein schwarz-weißer Kater, dem man in Fundortnähe in einem Transportkorb ausgesetzt hat. Der zweite Zeuge ist eine ehemalige Patientin Dr. Finkenburgs, die mit seiner Arbeit nicht zufrieden war, ihn ausspioniert und auf eine Gelegenheit zur Rache gewartet hat. Diese Chance hat ihr der Mörder nun genommen. Jetzt richtet sich ihr Zorn gegen diesen und sie wird den Teufel tun und zur Polizei gehen.

Im Folgenden formen sich zwei Ermittlerteams, die den Mord aufklären wollen. Auf Seite der Menschen sind das Kriminalhauptkommissar Peter Flott (50) und seine Kollegen Lisa Sander, Fritz Eberhard und Antonia Boccabella. Auf der tierischen Seite ermitteln der ausgesetzte Kater Socke, der kurzerhand bei Kommissar Flott einzieht, und seine neuen vierbeinigen Freunde: die pummelige Tigerkätzin Clooney, die ihm geholfen hat, aus dem Transportkorb herauszukommen, ihr Sohn Gizmo, Kater Mikey, der lesen kann, und die Perserkätzin Suleika die allerdings mehr durch hypochondrisches Gejammer und hochgestochenes Geschwätz auffällt als dass sie wirklich eine Hilfe wäre. Eine Nebenrolle spielt noch Riesenschnauzer Jasper, der mit Suleika in einem Haushalt lebt.

Es ist ein bisschen so wie in den Katzenkrimis von Rita Mae Brown: Die Tiere sprechen miteinander und verstehen die Menschen. Umgekehrt verstehen die Zweibeiner nur „Miau“ beziehungsweise „Wuff“ und erraten höchstens ab und zu, was sie Tiere ihnen sagen wollen.

Mordverdächtige gibt es einige: Da wäre der Medizinstudent Andreas Obermayer, dem der Doktor die Model-Freundin ausgespannt hat. Obermayer jobbt bei einer Sicherheitsfirma und war in dieser Eigenschaft bei der Firmenfeier der PharmaBel anwesend. Auch hochrangige Mitarbeiter des Pharmakonzerns geraten ins Visier der Ermittler. Offenbar sind da ein paar Geschäfte gelaufen, die nicht ganz koscher sind. Natürlich gibt es auch unzufriedene Patienten. Schlimmer noch: Erst vor kurzem ist von Finkenburgs Patientinnen bei einem Eingriff an Herzversagen verstorben. Und Uwe Kerbholz, der Verlierer, der Kater Socke am Tatort ausgesetzt hat, ist auch noch nicht aus der Nummer raus.

Von all diesen Dingen versteht die Katzengang aus Kommissar Flotts Nachbarschaft nichts. Socke weiß: Er hat den Toten gesehen, den Mörder gerochen und ihn sogar gekratzt. Die Katzen sehen sich im Hotel um, in dem die Firmenfeier stattgefunden hat. Auch wenn sie dabei hauptsächlich Interesse an nahrhaften Kontakten zur Hotelküche haben mögen: Ganz für die Katz ist diese Unternehmung nicht. Nur: Wie erklären sie das, was sie erfahren haben, ihren Menschen?

Als einer der Verdächtigen tot aufgefunden wird, tun sich neue Fragen auf: War das nun ein Suizid und ein Schuldeingeständnis – oder war es Mord? Bei den Ermittlungen landen die Polizisten in mehr als nur einer Sackgasse. Ein kleiner Kratzer, den ihm Kater Socke beigebracht hat, bringt Kriminalhauptkommissar Peter Flott schließlich auf die entscheidende Idee …

Die schräge Katzenbande hat mehr Persönlichkeit und Unterhaltungswert als die Menschen in diesem Roman. Die Zweibeiner bleiben ein bisschen blass. Und beim Krimi bleiben Fragen offen: Wird der gewaltsame Tod des Wissenschaftlers jetzt wirklich sang- und klanglos zu den Akten gelegt? Und die unzufriedene Finkenburg-Patientin und -Stalkerin bleibt bis zum Schluss ein namenloses Phantom, das so ein bisschen neben der Geschichte herläuft. Über diese Frau hätte ich gerne mehr erfahren als nur ihre Befindlichkeiten.

Bei der Krimihandlung ist also noch Luft nach oben, aber die Erlebnisse – und vor allem die Gespräche! – der ermittelnden Katzengang sind köstlich. Sollten Socke und seine Katzenkumpels in Serie gehen, würde ich gerne einen weiteren Versuch mit ihnen wagen.

Die Autorin
Heike Wolpert, Jahrgang 1966, wurde in Bad Mergentheim geboren. Als Kind auf ihren Berufswunsch angesprochen gab sie stets zur Antwort »Schriftstellerin«. Nach dem Abitur begann sie dann aber eine Ausbildung zur Softwareentwicklerin in Schwäbisch Hall. 1990 zog sie nach Hannover, wo sie heute als Businessanalystin in einer großen Landesbank tätig ist. Lesen, insbesondere Krimis, war schon immer ihre bevorzugte Freizeitbeschäftigung und nachdem ihr vor fünf Jahren ein Kater zugelaufen ist, kam eine Vorliebe für Katzenromane dazu. Ihr Hobby Schreiben hat sie erst Anfang 2013 wieder entdeckt, als ihr Mann in Vorruhestand ging und sie seitdem mehr Freizeit zur Verfügung hat.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
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Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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1 Kommentar

  1. Habe das Buch verschlungen, da ich auch Katzenliebhaberin bin. Vor allem kenne ich Hannover und die beschriebenen Plätze sehr gut, daher habe ich Heimvorteil. Sehr genüsslich zu lesen, weiter so.

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