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Baumgaertner

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500 Jahre Gestüt Marbach, Teil 3

Für eine Viertelstunde stiehlt ein historischer Postbus den Pferden fast die Show. Der vor den Gestütstoren eingefahrene Oldtimer erregt höchstes Interesse. Während ich mich schnell an einen Fensterplatz setze und sich die weiteren Sitze rasch füllen, wird von außen rundum fotografiert. Kurz vor der Abfahrt steigt auch noch ein Zeitungsreporter ein und macht – bitte lächeln – eine Innenaufnahme. Nun ist es aber gut ! Wir wollen endlich zum Hof St. Johann fahren. Die Türen schließen sich und wir fahren mit maximal 60 Stundenkilometern die relativ weite Strecke, fast eine halbe Stunde sind wir unterwegs. An einer Abzweigung erblicke ich das Schild „Schafhof“. Auch das ist ein „Vorhof“ zum Gestüt, hier leben Ruhestandspferde und diese bleiben von jeglichem Festtrubel verschont.

Endlich sind wir da. Sehr alte und auch neuere Stallungen, ein Gasthof mit Biergarten und ein Hofladen sind auf den ersten Blick zu erkennen. Auf einer der Wiesen grasen mehrere Schwarzwälder Pferde. Diese hier sind die besonders begehrten Dunkelfüchse mit üppiger, heller (Doppel-)Mähne. Zwar sind es Kaltblüter, also schwere Arbeitspferde, aber doch von relativ zierlicher Gestalt (im Vergleich zum schwereren Bayerischen oder Westfälischen Kaltblut). Aufgrund dieser eleganteren Zuchtlinie sind die Pferde neuerdings auch als Freizeitpferde immer beliebter.

In den 1960er-70er Jahren war die Rasse fast ausgestorben, dann setzte die Förderung der Zucht durch das Land Baden-Württemberg ein. Die ursprünglichen (und noch aktuellen) Zuchtgebiete waren die Klöster St. Märgen und St. Peter im Hochschwarzwald. Die Schwarzwälder sind eine imposante Erscheinung. Die lange Mähne wird oft zu Zöpfen geflochten und sie stehen als Reit- und Kutschpferde bei vielen traditionellen Festen im Mittelpunkt. Einige Hengste betrachte ich in den Boxen der alten Stallgebäude von St. Johann.

Wie ich kurz darauf erfahre, befinden sich die Fohlen nicht hier, sondern im „Fohlenhof“, der noch einmal 1/2 Stunde Fußweg entfernt ist. Aber heute gibt es zum Glück ein besonderes Transportmittel, eine große Kutsche, natürlich gezogen von 2 Schwarzwäldern. Nach etwas Wartezeit fährt ein Planwagen mit kräftigen Zugpferden vor und lässt mich und 11 weitere Besucher einsteigen. Gemächlich im Schritt geht es über einen Feldweg vorwärts, dann durch einen kleinen Wald, zum Schluss durch eine beschauliche Allee zum Fohlenhof.

Er liegt malerisch auf einer Hochebene und die vielen Weiden bieten offensichtlich zu allen Seiten einen herrlichen Ausblick. Ob die Pferde das zu schätzen wissen ? Jedenfalls sehe ich nach dem Ausstieg einige kleine Schwarzwälder-Fohlen und viele 1-jährige Fohlen (die Stutfohlen aus Marbach vom Jahrgang 2013). Sie haben hier mindestens so einen weiten Auslauf wie im Haupthof. Aber sie werden auch abgehärtet durch die rauhen Winde der Schwäbischen Alb zu jeder Jahreszeit. Nicht immer lacht der Himmel so blau, wie heute.

Die Zeit drängt. Vom Hof St. Johann aus fährt bald der letzte Sonderbus nach Reutlingen und dann geht´s für mich weiter mit der Regionalbahn nach Stuttgart. Daher besteige ich wieder die Kutsche zur Rückfahrt. Eine Führung durch den Fohlenhof muss für mich leider ausfallen. Trotzdem geht ein herrlicher Tag langsam zu Ende. Ich genieße noch einmal den Blick auf die kräftigen Schwarzwälder. Sie, so wie alle anderen Pferde, werden den ruhigen Montag genießen.

Foto: (c) Margrit Baumgärtner

 

Foto: (c) Margrit Baumgärtner




Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Margrit Baumgärtner / privat

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