500 Jahre Gestüt Marbach, Teil 2

Auf der Suche nach den Fohlenweiden komme ich am „Hauptbeschälerstall“ vorbei. Dieser Begriff muss für jeden Laien befremdlich sein. Ein „Beschäler“ ist ein gekörter, das heißt staatlich anerkannter und mit einer Deckerlaubnis versehener Deckhengst. (Die Deckprämie für einen Araberhengst beträgt 1000 Euro, d.h. ein privater Pferdebesitzer, der seine Stute nach Marbach bringt, zahlt diesen stolzen Betrag für ein „mögliches Fohlen“.) Die kostbaren Hengste in diesem Stall betrachten mit Verwunderung die vielen Besucher dieses Tages.

Weiter geht´s, denn in Richtung der nächstgelegenen Weide lassen die Menschen rund um den Zaun erahnen, das ich hier richtig bin – die erste Fohlenweide. Als ich mir einen freien Platz am Zaun erkämpfen kann, sehe ich auf der großen Frühlingswiese mehrere weiße Araberstuten mit ihren (noch) braunen Fohlen. Sie mögen schon ungefähr 4-8 Wochen alt sein und sind schon sehr schnell und übermütig auf ihren langen, schlanken Beinen unterwegs. Es wird galoppiert, gespielt, gekämpft, gerangelt. Erstaunlicherweise wird aber auch immer wieder am Zaun der Menschenkontakt gesucht. Sie lassen sich streicheln und knabbern ein wenig an der fremden Menschenhand.

Stundenlang könnte man hier zuschauen. Ein Fohlen schubbert sich an einem Baumstamm, eines legt sich direkt am Zaun zum Dösen nieder. Zwischendurch wird immer wieder bei der Mutterstute getrunken, aber auch – mit breit auseinander gestellten Vorderbeinen – an den Grashalmen gezupft. Dann geht es mit wilden Sprüngen weiter.

Sechs Monate dauert diese Idylle: Danach werden die Fohlen entwöhnt und zur Ausbildung auf die verschiedenen Teilhöfe in Marbach verteilt. Die Stutfohlen kommen zum Fohlenhof St. Johann und die Hengstfohlen zum Hof Offenhausen. Nach 2,5 Jahren werden diese „Jünglinge“ gesichtet und nur die Besten bleiben als Deckhengste im Gestüt.

Der Weg führt weiter zum verschlossenen „Abfohlstall“. Vermutlich befinden sich hier noch mehrere Stuten mit ganz jungen Fohlen, diese sollen natürlich in Ruhe gelassen werden. Etwas abseits sieht man auf einer Weide auch noch vier hochtragende Stuten. Spätestens bis Ende des Monats werden alle Stuten „abgefohlt“ sein.

Das nächste Gebäude ist zwar nicht geöffnet, aber einsehbar, es ist der Laufstall der Württembergischen Warmblutstuten. Auf einer hohen „Strohmatratze“ stehen ca. zehn Stuten mit ihren Fohlen. Die meisten Kleinen halten gerade Mittagsschlaf, trotz der neugierigen Besucherblicke. Ein Gestüter – so heißen die Beschäftigten auf einem Gestüt – wacht über die Tiere. Wenige Minuten später öffnet er die Türen und lässt die Pferde ins Freie. Blitzschnell sind die Fohlen auf den Beinen und folgen ihrer Mutter. Nun zeigt sich das gleiche Schauspiel wie zuvor bei den Arabern: Springen, spielen, raufen, trinken, dösen…die Hauptbeschäftigungen eines jungen Pferdes. Und der beliebteste Anblick bei den Besuchern.

Zwei Zuchtlinien des Marbacher Gestüts habe ich nun gesehen, Araber und Württemberger. Die dritte Pferderasse ist ein Kaltblutpferd, der Schwarzwälder (auch „Schwarzwälder Fuchs“ oder „Wälderpferd“). Dessen Nachzucht befindet sich im Hof St. Johann, welchen ich auch noch besuchen möchte. Am heutigen Festtag fährt ein Sonderbus – ein Schweizer Postbus aus dem Jahr 1952 – die Besucher zu dem entfernten Veranstaltungsort. Auf zur Haltestelle…!

Foto: © Margrit Baumgärtner

Foto: © Margrit Baumgärtner

Foto: © Margrit Baumgärtner

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Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Margrit Baumgärtner / privat

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