Dora Heldt: Jetzt mal unter uns … (52 Texte aus ihrer FürSie-Kolumne)

Dora Heldt: Jetzt mal unter uns … Das Geheimnis schwarzer Strickjacken und andere ganz wichtige Erkenntnisse, München 2014, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21509-1, Softcover, 223 Seiten, Format: 19 x 12 x 2,2 cm, Buch: EUR 9,95 (D), EUR 10,30 (A), sFr 14,90, Kindle Edition: EUR 7,99, Audio CD: EUR 12,99.

Abbildung:  © dtv Deutscher Taschenbuch Verlag

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„Wenn man es schafft, die alltäglichen Dinge nicht ganz ernst zu nehmen, wird das Leben viel leichter.“ – Dora Heldt

Seit längerem schreibt die erfolgreiche Romanautorin Dora Heldt für die Frauenzeitschrift FürSie. „Doras Welt“ heißt ihre Kolumne. Im vorliegenden Buch ist eine Auswahl ihrer Beiträge zusammengefasst.

Inhaltlich geht es um den ganz alltäglichen Wahnsinn im Leben einer berufstätigen Frau: Einkaufs- und Diätfrust, Haushalts- und Familienstress, Macken, Marotten und Manieren, Freunde und Verwandte, Fitness und Technik … und natürlich die bisweilen anstrengende Beziehung zur Mutter, die einen auch dann nicht als erwachsene Frau sehen mag, wenn man schon über 50 ist.

Es sind eigentlich „nur“ ganz leicht überspitzte, humorvolle Betrachtungen gewöhnlicher Alltagssituationen. Warum liest man dann solche Kolumnen so gern? Sie sind ja allgemein beliebt. Vermutlich, weil man sich und sein Leben in diesen kleinen Geschichten wiederkennt und sich ernst genommen fühlt. Wenn das Problem gedruckt in einem Buch oder einer Zeitschrift steht, dann existiert das nicht nur in unserer Einbildung, dann gibt es das wirklich!

Ganz offensichtlich geht es auch einer lebenserfahrenen und erfolgreichen Frau wie Dora Heldt so, dass sie immer wieder absurde Dialoge mit ihrer Mutter führen muss, weil diese a) nicht zuhört und b) ihre Tochter nicht für voll nimmt. Das ist also nicht nur bei uns so. Und auch diese gestandene Frau sieht ihre Wohnung schlagartig mit den Augen ihrer ehemals Erziehungsberechtigten und fängt hektisch zu putzen an, bevor ihre Eltern zu Besuch kommen. Nicht nur wir. Also ist das, was wir veranstalten und erleben, gar keine peinliche Ausnahme, sondern vollkommen normal. Und sollte es je doch irgendwie bescheuert sein, befinden wir uns wenigstens in guter Gesellschaft.

52 Glossen umfasst das Buch, für jede Woche des Jahres eine. Und es wird garantiert jede Leserin Geschichten darin finden, die auch aus ihrem Leben gegriffen sein könnten. Die Sache mit den Problempaaren im Bekanntenkreis, zum Beispiel. Das kennt doch jeder: Mit der einen Hälfte des Pärchens ist man gerne zusammen, den dazugehörigen Partner nimmt man zähneknirschend in Kauf. „Er ist ja nett – aber sie …“ heißt die Geschichte dazu, aus der meine Lieblingszeilen stammen: „Der [Schwager] trinkt keinen Alkohol, hat eine Milcheiweißallergie und kennt sich im Leben richtig gut aus.“ (Seite 45)
Ja, da hast man doch gleich ein Bild vor Augen und einen Namen auf der Zunge! Mindestens einen!

Und, siehste, sagt man sich, Dora Heldt regt sich auch über ungebetene Call-Center-Anrufe auf … über ungehobelte Wichtigtuer im Flugzeug und über die ferngesteuerten Hampelmänner, die mit dem Handy am Ohr durch den Supermarkt rasen und sich von der Partnerin daheim Anweisungen für den Einkauf holen. Dazu müssen sie aber erst mal Marmeladensorten oder Zutatenlisten in ihr Telefon brüllen oder Fotos der in Frage kommenden Ware machen und heimschicken …

Bei manchen dieser Geschichten würde es uns nicht wundern, wenn wir sie in einem ihrer nächsten Romane widerfänden.

Ob es ums Abnehmen geht oder um Angeber, um Sport oder Strickjacken, sozialtrampelige Freunde oder das strunzdoofe nachmittägliche Fernsehprogramm, in dessen zweifelhaften „Genuss“ man immer dann kommt, wenn man krank zu Hause liegt und nicht viel anderes tun kann als fernsehen – von Dora Heldt fühlen wir uns verstanden und bestätigt. In ihr haben wir eine humorvolle und bodenständige Leidensgenossin und Lästerschwester im Geiste gefunden.

Vielleicht gelingt es uns ja beim nächsten Zusammentreffen mit nervigen Umständen und anstrengenden Mitmenschen, an eine der Glossen in diesem Buch zu denken und zu lachen anstatt uns aufzuregen. Mir wird bestimmt beim nächsten Gerangel in einem soeben gelandeten Flugzeug diese Textstelle hier einfallen: „Da stehen sie dann. Minutenlang. Es hilft nichts, auch die wichtigen Männer müssen warten, bis jemand ihnen die Tür aufmacht.“ 😀 (Seite 74)

Kurzum: Das Buch bietet der Leserin amüsante Unterhaltung und ein bisschen Bestätigung. Für Männer ist es eher nix, aber davon ist auch nicht auszugehen bei Texten, die ursprünglich für eine Frauenzeitschrift verfasst wurden. Man muss Dora Heldts Romane nicht kennen, um an diesen Alltagsgeschichten Vergnügen zu finden. Sie tritt hier nicht als Schriftstellerin in Erscheinung sondern als eine von uns.

Die Autorin
Dora Heldt, bzw. Bärbel Schmidt, wie sie im wahren Leben heißt, ist gelernte Buchhändlerin und seit 1992 als Verlagsvertreterin unterwegs. Auch wenn sie heute in Hamburg lebt, ist die 1961 auf Sylt geborene Autorin nach wie vor ein großer Fan der Nordseeinsel – und dort hat auch ihre Großmutter gelebt, deren Namen sie als Pseudonym gewählt hat. Mit ihren kurzweiligen Familienromanen rund um Christine und Papa Heinz und ihren spritzig-unterhaltenden Frauenromanen hat sie sämtliche Bestsellerlisten erobert, die Bücher sind zudem fürs Fernsehen verfilmt und in etliche Sprachen übersetzt worden.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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