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Katrin Einhorn: Der Liebesköter – Roman

Katrin Einhorn: Der Liebesköter – Roman, München 2014, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3 423-21499-5, Softcover, 253 Seiten, Format: 18,8 x 11,8 x 2,2 cm, Buch: EUR 9,95 (D), EUR 10,30 (A), Kindle Edition: EUR 8,99.

Abbildung: © dtv Deutscher Taschenbuch Verlag

„Vielleicht schreibe ich ihr auch einen Brief. Einen richtig romantischen.“
Mein Kumpel fasste sich theatralisch an die Stirn. “Warum nicht gleich ein Gedicht? ’Neele, oh Neele, wird sind doch ein Herz und eine Seele!’“ (Seite 191)

Florian Ziesel, 32, hat in seinem Leben noch nichts auf die Reihe gekriegt: Er hat kein Abi, keine Berufsausbildung, keine Frau, keinen Ehrgeiz und keinen Plan. Den Job in der Anzeigenabteilung eines Zeitungsverlags hat ihm seine Mutter besorgt, und da wurstelt er nun lustlos vor sich hin. Einziger Lichtblick in dem Laden: seine Kollegen Gerd und Mats, die für ihn mit der Zeit zu guten Kumpels geworden sind.

Florian hat eine schmuddelige Wohnung und ein noch nicht abbezahltes Motorrad. Und seit neuestem eine attraktive Fitnesstrainerin als Nachbarin: die blonde Neele Pfeiffer. Die gräbt er nun nach allen Regeln der Kunst an. Leider ist er auch auf diesem Sektor ziemlich schimmerlos und latscht von einem Fettnapf in den anderen.

Neele ist ebenso hübsch wie launisch und zeigt nur dann Interesse an Florian, wenn sie etwas von ihm will. Dass er ihr beim Umzug hilft und die Schrankwand aufbaut, zum Beispiel. Oder dass er auf ihren Boston-Terrier Lilly aufpasst. Mit Hunden hat er’s zwar nicht so, aber was tut man nicht alles für die Frau seiner Träume? Er macht es ihr aber auch einfach, ihn auszunutzen, indem er ihr seine Hilfe förmlich aufdrängt.

Anscheinend sind Mats, Gerd und Florian in der Pubertät steckengeblieben. Sie lästern über Kunden, verhunzen aus Jux Anzeigenmotive und Graphiker Mats vertreibt sich die Arbeitszeit mit dem Zeichnen einer witzigen Cartoonserie über Nacktmulle. Die Cartoons tragen Titel wie „Mullschlucker“, „Mulltrennung“ oder „Mullabfuhr“ und sind so witzig beschrieben, dass man sie als Leser wahnsinnig gerne mal sehen würde. Darüber hinaus betätigt sich Florian als „Desktop-Psychologe“: Er schließt von den Bildmotiven, die seine Kollegen als Bildschirmhintergrund gewählt haben, auf deren Persönlichkeit. Das klingt überaus interessant und gibt dem Leser zu denken. Aber es ist eben nicht das, wofür er vom Verlag bezahlt wird.

Irgendwann ist es soweit: Florian hat den Bogen überspannt. Zuviel kreativer Unfug, zu wenig produktive Arbeitsleistung. Er wird gefeuert. Halbherzig erwägt er, seinem Leben jetzt eine neue Richtung zu geben und doch noch eine Berufsausbildung zu beginnen. Aber dann siegt wieder seine altbekannte Luschigkeit und er macht das, was er am besten kann: gar nix.

Diesmal ist es Nachbarin Neele, die ihm einen Job verschafft: Als Rezeptionist und Mädchen für alles im Hundehotel Top Dog Deluxe. Und das, wo er weder mit Hunden noch mit Kunden umgehen kann! Doch wenn Florian glaubt, hier eine ruhige Kugel schieben zu können, hat er die Rechnung ohne seine resolute Kollegin Emma gemacht. Die setzt ihren Bärenbändigerblick auf und scheucht den kindsköpfigen Waschlappen – zacki-zacki! – durch die Gegend. Und natürlich lassen auch in diesem Job die großen und kleinen Katastrophen nicht lange auf sich warten. Wo Florian herummurkst, ist das Chaos nicht weit.

Weil er bei seiner Traumfrau Neele nicht so recht weiterkommt, denkt er sich zusammen mit seinen Kumpels eine tierisch spektakuläre Aktion für eine Liebeserklärung aus. Wird Neele ihm dafür glückselig in die Arme sinken – oder macht er sich damit zum größten Trottel der westlichen Hemisphäre? Dreimal dürft ihr raten …

Autorin Katrin Einhorn hat schon herrlich schräge Einfälle! Vom Nacktmull-Cartoonisten über den Desktop-Psychologen bis hin zu den Hundeflüsterern im Top Dog Deluxe Hotel. Eine interessante Geschäftsidee, übrigens.

Schade, dass der Held so eine laue Lusche ist und auch nicht wirklich eine Entwicklung durchmacht. Er wird ewig so ein fauler Schnarchsack bleiben, der keine Initiative ergreift, keine Verantwortung übernimmt und den man stets „zum Jagen tragen“ muss. So ein Kerl ist für eine Frau kein ebenbürtiger Partner, sondern eher wie ein (weiteres) Kind.

Seine Angebetete, Neele, kommt ziemlich unsympathisch rüber. Eine launische, unehrliche und egoistische Zicke mit einem „Zebralächeln“. Was soll denn das sein? Ich habe mir immer ein grinsendes Pferd vorgestellt, das seine riesigen Zähne zeigt:

Foto: © Ulla Trampert / pixelio.de

Foto: © Axel Hopfmann / pixelio.de

Wer kein Herz für Waschlappen und Kratzbürsten hat, wird sich schwer tun, sich mit den beiden zu identifizieren. Ein paar unvermutete Handlungsschlenker machen die fehlende Begeisterung für Flori und Neele wieder ein bisschen wett. So ist die Geschichte nett und unterhaltsam, aber nicht wirklich berührend.

Das ist ein Ziesel. So heißt Florian mit Nachnamen. Nicht gerade der Stoff, aus dem die Helden sind.

Foto: © Grey59 / pixelio.de

Und das ist ein Nacktmull … eins von den Viechern, die Mats immer zeichnet:

Foto: Roman Klementschitz, Wien
Creative Commons 3.0, siehe Fußnote

Die Autorin
Katrin Einhorn 1979 geboren, studierte Germanistik und Französisch und arbeitete als Lehrerin. Sie lebt mit ihrer Familie in Trier. Die Erfahrungen mit ihrer Hündin Maggie und ihrem alten blauen Mofa, das es bei Rückenwind auf satte 32 km/h brachte, inspirierten sie zum Schreiben ihres ersten Romans.




Autor: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Fotograf/Künstler: © Nacktmullfoto - Roman Klementschitz, Wien / This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license. You are free to share – to copy, distribute and transmit the work, to remix – to adapt the work under the following conditions: attribution – You must attribute the work in the manner specified by the author or licensor (but not in any way that suggests that they endorse you or your use of the work). Share alike – If you alter, transform, or build upon this work, you may distribute the resulting work only under the same or similar license to this one. http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

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3 Kommentare

  1. edithtg
    edithtg

    Kurzfassung für Ungeduldige:
    Faultier (m., 32) jobbt im Hunde-Hotel, verliebt sich in eine doofe Ziege und macht sich tierisch zum Affen, während sein Kumpel eine Cartoonserie über Nacktmulle zeichnet. 😀

  2. Margrit Baumgärtner

    Ein „Zebralächeln“ oder „Pferdelächeln“ sieht in der Tat eher scheußlich aus. Wobei die genannten Tiere natürlich nicht „lächeln“, sondern „flehmen“, d.h. sie nehmen bestimmte Gerüche auf. Der Zebra/Pferdehengst erkennt so eine „rossige“ Stute.

    1. edithtg
      edithtg

      Das Flehmen kenne ich auch von Katzen.

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