Kater Momo oder Katzengedichte

Eigentlich fing es mit einer Anzeige in einer Zeitschrift an. Eine ältere
 Dame musste aus beruflichen Gründen Ihre Katze abgeben und suchte 
über die Zeitung ein liebevolles Zuhause für sie. Sie hatte die Anzeige „Katzengedichte“ genannt. 
Ich liebe Katzen und mein Kater war alleine, seine Freundin war erst
 gestorben und er ziemlich traurig deswegen.
Also fuhr ich los um jene Dame und deren Katze zu treffen.

Lange sah
 sie mich an und fragte ob ich Erfahrung mit Katzen hätte und sie auch
 wirklich lieben würde.
 Wir kamen ganz langsam ins Gespräch und dann erzählte sie mir von
jener Katze die sie gezwungen war abzugeben. Ich sah aber weit und
breit keine Katze.
“Ja“, sagte sie, „meine Katze kommt erst aus ihrem Versteck wenn ich es
ihr sage, also gedulden Sie sich noch ein wenig“.

Wir unterhielten uns noch
 etwa zwei Stunden, dann bat sie mich am nächsten Tag noch einmal zu 
kommen.
Ich ging auf ihren Vorschlag ein und traf sie am anderen Tag wieder. Auch
heute bekam ich keine Katze zu sein, ob sie überhaupt eine Katze hatte …

So ging es drei Tage dann sauste blitzschnell eine Katze unter dem Sofa
 hervor, verschwand aber gleich wieder unter dem Schrank.
 Okay, dachte ich, sie hat eine Katze, aber was hat das Tier, warum nur
 verhält es sich so komisch?
„Ja, ein wenig scheu ist meine Katze schon, aber das ist nur so weil Sie 
fremd sind“, sagte sie. „Wenn ihr euch ein wenig besser kennt dann wird es 
sicher besser werden.“
„Ich kann aber nicht jeden Tag kommen“, meinte ich, „wenn es geht, würde
 ich die Katze gerne heute mit nach Hause nehmen.“
„Nein nein, das verschieben wir auf morgen“, erwiderte sie, „bringen Sie doch 
einen Transportkorb mit.“

Und so geschah es, ich hatte den Transportkorb
dabei und sie setzte die Katze ohne viele Worte hinein.
Ich war baff, was war los? Warum ging alles so schnell und ohne viele
Worte?
„Ja, ab Morgen bin ich für sechs bis acht Monate nicht mehr hier. Ich melde
 mich dann wieder bei Ihnen, also dann, bis bald. Verabschiedet habe ich
 mich schon von meiner Katze, und alles was er braucht, ist in dem Karton
neben Ihrem Stuhl. Und jetzt muß ich mich verabschieden ich habe noch 
viel zu tun.“
Sprach’s, und schob mich zur Türe hinaus.

So, nun hatte ich also eine Katze die ich noch nicht einmal richtig gesehen 
und schon gar nicht im Arm gehabt habe. Ich stellte den Karton ins Auto 
und den Transportkäfig auch, dann warf ich einen Blick in den Käfig.
Wunderschöne große blaue Augen schauten mich an, aber sie 
fauchte und gab fast Zischlaute von sich, schien mir nicht wohl gesonnen
 zu sein.

Ich fuhr nachhause. Unterwegs hörte ich ein Würgen und komische
 Geräusche, dann machte sich ein süßlicher Gestank breit. Na, das fing 
doch gut an, mal schauen wie es weiter geht.

Zuhause angekommen machte ich erst mal den Transportkorb vorsichtig 
auf, und wie erwartet wurde ich von scharfen Krallen angegriffen und so
 richtig böse angefaucht. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Ich säuberte den Korb , die Katze putzte sich, dann stellte ich Futter hin
und den neuen Katzenkorb mit der Quietschemaus. Die Katze saß unter
 meinem Bauernschrank und schaute mich an. Mittlerweile konnte ich 
sehen das die Katze ein hell- und dunkelbraunes Fell hatte, um die
 Augen eine Art Maske, ein schönes Tier.

Meinen Kater hatte ich noch nicht ins Zimmer gelassen, ich wollte zuerst
 die neue Katze ein wenig kennen lernen.

An diesem Abend passierte nicht
 viel, ich schlief im Sessel ein und wurde erst durch das Läuten des
Telefons wach.

„Hallo“, sagte eine mir bekannte Stimme, „wie geht es meinem Kind?“
„Sie
 meinen Ihrer Katze“, sagte ich.
„Ja, sie ist mein Kind, mein Katzenkind.
Und ich vermisse ihn so sehr meinen Kleinen.“
„Wie, ist es keine Katze, ist es ein Kater?“, fragte ich.
„Ja, es ist ein Kater,
 aber die meisten wollen doch keine Kater, deswegen habe ich es nicht
 gesagt. Und er ist kastriert, also um Züchten nicht geeignet.“
„Okay, daran ist nichts mehr zu ändern“, meinte ich, „wie heißt er denn?“
„Der Name meines Lieblings ist „Momo“ und er ist ein ganz besonderer
 Kater, ein Thai Kater, das sind sehr kostbare Tiere, also passen Sie gut 
auf ihn auf!“
Damit beendete sie das Gespräch.

Der Kater „Momo“ zeigte sich erst nach einer Woche in seiner vollen 
Größe, vorher fraß er nur sein Futter und verschwand gleich wieder unter
 meinem Schrank. Ja, unter „Katzengedichte“ hatte ich mir was andere vorgestellt. Streicheln ließ er sich im Moment noch nicht, das 
dauerte nochmal eine Woche, aber so nach und nach wurde er ein ganz
 verschmuster Kater. Aber die Idee der Anzeige „Katzengedichte“ gefiel mir immer besser und nach vielen Wochen wurde der Kater Momo tatsächlich das „Katzengedicht“ für mich. So habe ich meinen Kater auch ab und zu zärtlich „Katzengedicht“ gerufen.

Foto: © Edith Nebel, privat

Foto: © Edith Nebel, privat




Autor: Ursula Geier

UrsulaGeier@web.de
www.urska.jimdo.com


Fotograf/Künstler: © Edith Nebel / privat

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1 Kommentar

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 12. März 2014 at 09:20
    • Antworten

    Der Thai Kater ist ohne Groll
    sehr schüchtern und geheimnisvoll.

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