Heimarbeit – selten so gelacht

Heimarbeit ist nicht das, was es einmal war, eine solide Nebentätigkeit, die Freude machte und ein geregeltes Einkommen garantierte. Da gab es die Firmen, die Vorhangquasten herstellten und Netze für die Bundesbahn, die sind heute nicht mehr gefragt. Es war eine schöne und geruhsame Zeit. Heute ist das alles anders geworden, hektisch und ungemütlich.

In den Zeitungen stehen viele Anzeigen, sie alle versprechen ein passives und gutes Auskommen mit so genannter Heimarbeit, mit Marketing, das noch dazu kinderleicht sein soll. Einfach im Bekanntenkreis herum hören, die guten Freunde ansprechen und einschreiben.
Schon blüht das Geschäft. Stimmt, das Geschäft desjenigen, der es uns angeboten hat, unseres nicht. Wir kaufen meistens eine Ware, die wir benötigen, weil wir wissen müssen, wie sie ist, denn sonst können wir ja nicht mitreden. Oder wir kaufen ein Buch oder sonstiges um uns in die Materie einzulesen.

In wenigen Monaten hätten wir unser eigenes Geschäft aufgebaut und könnten schon satte Gewinne einfahren, wenn wir es richtig machen würden. Wir taten genau das, was man von uns verlangt hatte, aber es funktionierte nicht. Wir waren unser Geld los, unsere Freunde und Bekannten waren sauer auf uns und wir suchten wieder einmal einen Nebenjob.

Da fanden wir eine Anzeige die sich gut anhörte, also riefen wir dort an und stellten uns vor.
Schien gut zu sein, wir sollten Kunden besuchen und Ware ausliefern. Die Kunden sollten wir selber suchen, die Ware lieferte die Firma. Die Kunden suchen funktionierte ganz gut, die Ware liefern auch, nur die Abwicklung dauerte einige Tage. Und das lief so ab: Kunden suchen, Ware liefern, nach einigen Tage, Ware wieder abholen oder kassieren. Die Bezahlung war lausig, Benzingeld gab es nicht, und Geld nur, wenn etwas verkauft war. Keine Heimarbeit die uns gefiel.

Dieses Mal wollten wir auf Nummer sicher gehen, wir riefen beim Arbeitsamt an und fragten uns zur Dienststelle „Heimarbeit“ durch. Die gab es auch und wir freuten uns, endlich hatten wir es geschafft. Dann kam die Auskunft, ja, die Heimarbeitsstelle gab es schon, aber Heimarbeit gäbe es schon seit einem halben Jahr nicht mehr, nur die Stelle sei besetzt, falls wieder Heimarbeit rein käme. Es gäbe ja genug Stellen auf dem Arbeitsmarkt, wenn man wirklich arbeiten wolle, war die freundliche Auskunft der netten Dame. Und die Moral von der Geschicht: “Heimarbeit gibt es eher nicht.“

Foto: © Andreas Morlok /  pixelio.de

Foto: © Andreas Morlok / pixelio.de




Autor: Ursula Geier

UrsulaGeier@web.de
www.urska.jimdo.com


Fotograf/Künstler: © Andreas Morlok / www.pixelio.de

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5 Kommentare

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  1. Witzig: Genau das war gestern Thema in der aktuellen Episode der TV-Serie „Lindenstraße“: Hans sucht eine Heimarbeit, und seine Exfrau erzählt ihm was von „Kugelschreiber zusammenbauen“. Darauf er: „Aber Helga, das war in den 60-er Jahren!“ Und dann machen sie sich über das Jobangebot lustig, er solle im Auftrag er*tische E-Mails schreiben. Der spargelige Rentner Hans als kesse Jaqueline! 😀

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 10. März 2014 at 07:47
    • Antworten

    Beim Thema „Heimarbeit“ klingeln bei mir sämtliche Alarmglocken !

  2. Katzenhüten – das ist meine seriöse „Heimarbeit“ : -) Die eine Katzenbande wohnt nur ein Stockwerk höher, die Katzen meines Ex-Kollegen kommen zu mir in die Wohnung.

    Ansonsten ist das wirklich etwas aus ferner Vergangenheit. Meine Großmutter reinigte und polierte in Heimarbeit Porzellanfigürchen für eine ortsansässige Firma, meine Mutter hatte ihre Schneiderwerksstatt im Haus und meine Cousine erfasste daheim für einen Verlag Texte. Das alles ist Jahrzehnte her.

  3. Man kann es nicht glauben, aber das ist im Jahr 2010 passiert, ich selbt traute meinen Ohren kaum.

  4. Katzen hüten finde ich gut, die ärgern einen wenigstens nicht und zum Dank für die liebevolle Betreuung schnurren sie auch noch.

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