«

»

Rosmaringo

Beitrag drucken

Kein Reh-zept dagegen

Ich mag Rehe nicht, kann sie nicht ausstehen, würde weder eines streicheln, noch würde ich ein solches Tier füttern. Schon gar nicht würde ich es essen.

Schon als Jungtiere erschleichen sie sich mit albern gefleckten Fellen unsere Sympathie. Jede wilde Jungsau mit ihren niedlichen parallelen Streifen ist mir da herzensnäher. Wachsen die Bambis (welche Schleimerei) dann heran, werden zumindest die maskulinen Exemplare durch krankhafte Wucherungen auf dem Stirnbein derart entstellt, dass ihr Anblick beinahe Unbehagen hervorruft. Die List dahinter ist offenbar. Diese Verunstaltung soll Mitleid erregen. Füllung von Futterkrippen für derart bresthafte Wesen wird so für manche Menschen, die dieses Spiel nicht durchschauen, zur guten Tat. Auch Pfadfinder sollen zuweilen darauf hereinfallen.

Nun, all das bisher Angeführte könnte man einfach wegstecken, nicht aber den Namen des Tieres. Reh, das Reh – neutrum. Eine hinterhältige Irreführung, um die absonderlich größenwahnsinnige Herleitung der Bezeichnung zu vertuschen. Der Name soll nämlich unterschwellig an den altägyptischen Sonnengott Re erinnern, den vielleicht einige Leser auch als Ra im Gedächtnis haben. Durch das Anfügen eines völlig deplatzierten „h“ soll diese Anmaßung verschleiert werden. Dass sich diese Bestie (man mag meine Erregung entschuldigen) den Namen selbst verliehen hat, steht außer Zweifel. Kein Mensch würde auf so eine absurde Idee verfallen.

Ja, und so schleicht sich das Reh unter seiner eigentlichen Schreibung „Re“ auch dreist in viele Begriffe, Ortsbezeichnungen und dergleichen ein. Man denke nur an die Verunstaltung der Stadt Gensburg durch diese Geschöpfe. Warum muss das Tier aus einer Organisation ausgerechnet eine Re-organisation machen? Dabei schafft es auch eine Reihe von Missverständnissen, wie etwa in Rehgen, also Gen eines Rehs, das dann oft als „Regen“ dasteht.

Kurz und gut, bevor ich mich in begründete Wut schreibe, merke ich abschließend an, dass ich von rehlicher Bosheit missgestaltete Wörter nach Möglichkeit in Zukunft meiden werde. Cklinghausen, Paratur und chnen kommen sehr wohl ohne ärgerliche Voranstellung aus.




Autor: Ingo Baumgartner

rosmaringo@aon.at


Fotograf/Künstler: © Jens Roth / www.pixelio.de

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.tiergeschichten.de/2014/01/20/kein-reh-zept-dagegen/

6 Kommentare

1 Ping

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Margrit Baumgärtner

    Genauso machen wir es mit den Worten Zept, Flex und Ttich….(LACH)!

    1. Ingo Baumgartner

      Schmunzelnde Grüße tour, ich freue mich cht. LG Ingo

  2. Hans Witteborg

    Dem Contra folgt zuweilen Re(h),
    jedoch wie ich die Sache seh,
    dreh ich es dieses Mal herum
    Der Ingo hält uns hier für dumm.
    Der Tod von einem scheuen Reh
    tut Ingo in der Seele weh!
    Ihn kann man deshalb nicht beglücken
    mit einem zarten Rehrücken!
    In Kulleraugen, die rehbraun
    mag Ingo aber gerne schaun!

    1. Ingo Baumgartner

      Das Reh läuft frei und ungeschoren
      in meinem Garten , schaut und frisst,
      als wäre es auch hier geboren,
      was seltsam, aber möglich ist..

      😀
      Hans, seit dem Frühjahr besuchen mich Reh und Kitz (mittlerweile mit Knöpfen versehen) im Garten. Vogelfutter beanspruchen sie für sich. ! LG Ingo

  3. W.R.Guthmann

    Ich möchte keine Meinung dazu sagen,
    dafür darf ich doch einmal fragen,
    gilt dieser Rum-mit-Tee-Schock
    auch für den gehörnten Rehbock?

    1. Ingo Baumgartner

      Natürlich diesem gilt er ganz besonders. 😀

  1. Salzburger-Locken » Weltgrösste Tiergeschichtensammlung

    […] hochgeschätzter Dichter hier schrieb übers Reh als scheußlich Tier. er mag ´s nicht, nicht einmal gebraten, das hat er allen Ernst´s […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.