Eine schreckliche Krokodilnacht

Zuerst er kassierte für mein Grundstück, mindestens den siebenfachen Preis, weil ja die Papiere echt waren. Hinterher warnte er mich, wie gefährlich man darauf lebt: Pass auf, ringsum, gleich hinterm Nachbargarten beginnt der Sumpfdschungel, da wimmelt es von Krokodilen und giftigen Wasserschlangen. Da ist so mancher Angler verschwunden.

Unser Garten war von einer hohen Mauer umgeben. Da klettert kein Krokodil darüber, beruhigten wir uns. Im Sommer als wir in das noch nicht fertige Haus einzogen, war das Gelände eine heiße Wüste, ein alter knorriger Kajschuhbaum mit vielen abgestorbenen Ästen und ein Mangobaum standen darauf und etwas fast vertrocknetes hohes Schilf. Quer verlief ein ausgetrocknetes Bachbett mit einer Mulde. Die Sonne darüber war ein Schmelztiegel, so dass jeden Grashalm vertrocknete.

Jedoch eines Nachts sollte alles anders werden, da prasselte ein Wolkenbruch stundenlang hernieder. Der Garten verwandelte sich in einem Teich, der Bach der durch die Mauer vom Nachbar hereinströmte, schaffte es nicht, die Wassermassen durch die andere entgegengesetzte Maueröffnung zu entleeren.

Durch die aufgequellte Küchentür, die nicht mehr geschlossen werden konnte, lief schon das Wasser herein. Wir saßen nebenan vorm Fernseher und staunten, wie mitten in einer Stadt viele Polizisten in olivebraunen Uniformen von Regen gepeitscht mit starken Seilen bewaffnet ein mindestens 6 Meter langes Krokodil einfingen.

Gott sei Dank, uns kann das nicht passieren! Sagte ich mir immer wieder.

Plötzlich ein Gekreische in der Küche. Mit dem Besen in der Hand stürzte Silva herein, rief mich. Da musste ich lauthals lachen drei große Frösche hüpften in der Küche herum. Bei jedem Sprung , sprang Silva zurück und schrie. Jedoch ich fing jeden Frosch ein und setzte sie an die frische Luft.

Plötzlich brüllte Silva noch lauter noch entsetzlicher, als vorher. In mir kochte es, wie kann man nur so eine Angst vor diesen kleinen, harmlosen Fröschen haben. Habe ich Halluzinationen? Das kann doch nicht wahr sein! Das gibt es doch nicht!

Da kommt doch durch die Küchentür ein grasgrünes Krokodil hereinspaziert, etwa anderthalb Meter lang. Vor Staunen vergaß ich die Angst, doch danach rannte ich Silva hinterher, die aus dem niedrigen Fenster sprang und den Nachbarjungen holte, der mit seinen über Einmeterundachzig, schon fast erwachsen war.

Juoso lachte nur über uns, nahm das Krokodil wie ein Baby in die Arme und schloss es im Bad ein. Am anderen Morgen holte er das Krokodil und setzte es auf einem Ast des Kajschuhbaumes. Darauf saß es und sonnte sich stundenlang. Das vermeintliche Krokodil entpuppte sich als Grüner Leguan.

Sieben Tage lang konnten wir den Grünen Leguan bewundern, mit Bananen füttern, sogar streicheln, aber nur bis zur nächsten Regennacht, dann war er für immer verschwunden.

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Autor: Jürgen Köditz

jkditz@yahoo.com


Fotograf/Künstler: © Stefan Klaffehn / www.pixelio.de

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4 Kommentare

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  1. Man siehtt ´s dem Leguan nicht an,
    daß er auch Krokodil sein kann.

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 18. Januar 2014 at 10:22
    • Antworten

    Derart exotische Tiere in der Küche — das ist ja eine tolle Geschichte! Wo ist das passiert ?

    1. Auf der Insel Itaparica bei Vera Cruz . Da passierte auch weninger Gut`s z. B. die giftige Bambusotter tauchte im Garten auf. Wo kann man Bilder Fotos einbauen.
      Beste Grüsse! Jürgen
      Vera Cruz, 27.2.14.

  2. Ich hab mal gegoogelt. Der Autor scheint auf der brasilianischen Insel Itaparica ansässig zu sein.

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