Der Eseldieb

Am Wochenende waren wir bei Freunden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen. Noch stand im Wohnzimmer der Weihnachtsbaum und auf einer Kommode eine handgefertigte Krippe. Die einzelnen Figuren aus Stoff genäht, dazu ein gestrickter brauner Ochse und ein grauer Esel, ca. 10 cm groß.

In der Familie gibt es seit kurzer Zeit auch einen Kater, erst 4 Monate alt, doch schon groß wie ausgewachsen und ein stolzer, hübscher Wildfang: Grau-getigert mit weißer Brust und weißen Pfoten. Der junge ANTON muss natürlich noch viel lernen. Die Gastgeber wiesen uns gleich darauf hin, dass wir alle gut aufpassen müssten, da ANTON sich mit besonderer Vorliebe den Esel aus der Krippe stibitzt – und zwar nur diesen, die anderen Figuren interessierten ihn nicht.

„Wahrscheinlich hält er das für eine graue Maus“, mutmaßte ich. Jedenfalls stand der große runde Esstisch genau vor besagter Kommode, wir waren nun also dem Kater im Weg und er musste sich einen Schlachtplan ausdenken. Das tat er auch über den ganzen Nachmittag: Mal startete er einen Versuch unter dem Tisch, dann im Schleichgang über alle Menschenbeine, schließlich auch im Sprung über unsere Schultern. Erfolglos. Aus Frust musste dann mal eine Weihnachtskugel herhalten. „Klong“, schepperte es kurz, aber der Baum blieb immerhin stehen.

Am frühen Abend ließ unsere Konzentration vielleicht nach, jedenfalls waren wir im angeregten Gespräch. Plötzlich, nach einer langen Ruhephase, ein gewaltiger Sprung zwischen unsere Beine und ein blitzschnelles Zuschlagen…der Esel war weg ! A-N-T-O-N erschall es aus vielen Kehlen und alle Gäste sprangen auf, um den Kidnapper zu fangen. Das gelang erst nach vielen Rangeleien, der Esel wurde gerettet. Doch er bot schon ein Bild des Jammers ! „Für das nächste Jahr werde ich wohl einen neuen Esel stricken müssen“, bemerkte die Gastgeberin. Oder ANTON muss bis dahin den Unterschied zwischen Esel und Maus lernen, wer weiß.

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Autor: Margrit Baumgärtner

margritbaumgaertner@web.de


Fotograf/Künstler: © Sabine Jaunegg / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Mit Asinus wäre das nicht passiert!!!

    • W.R.Guthmann on 13. Januar 2014 at 20:43
    • Antworten

    Das ist doch ein schönes Weihnachtsritual. Ich würde es belassen.

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