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Was ist Weihnachten ?

Es ist dunkel geworden und die Sterne leuchten am Himmel. Nun kann ich mich aus meinem Versteck wagen ohne das mich jemand sieht. Die Menschen waren in der letzten Zeit sehr hektisch und aufgeregt. Immer wieder habe ich Wortfetzen mitbekommen: „Weihnachten….. eilig….. keine Zeit…. Fest….. Heiliger Abend“. Ich muß herausfinden was das bedeutet. Was ist Weihnachten ? Und warum verstehe ich überhaupt die Sprache dieser grausamen Wesen ?

Es ist eine stille Nacht heute. Kaum Menschen unterwegs, auch nicht in ihren Mordmaschinen mit denen sie durch die Straßen rasen um Katzen zu töten. Ich könnte das nutzen und mich in die Fußgängerzone wagen ….. vielleicht finde ich da Weihnachten ? Die Menschen haben hier alles festlich geschmückt. Lichter und Sterne hängen zwischen den Häusern und auch die Schaufenster blinken und blitzen und ziehen damit  meine Blicke an. Eine fremde Katze starrt mich aus einem der Schaufenster an. Aber nein, das ist nur mein Spiegelbild. Ein magerer Kater mit stumpfen Fell. Das schöne „M“ auf meiner Stirn ist kaum noch zu erkennen. Es fällt mir in letzter Zeit immer schwerer etwas zu fressen zu finden – ich bin immer sehr müde.

Auf dem großen Platz in der Fußgängerzone haben die Menschen viele bunte mit Tannen geschmückte Hütten aufgestellt. Von dort wehen mir die verschiedensten Düfte in die Nase und erinnern mich an meinen Hunger. Aber auch hier finde ich nichts zu fressen. Die Menschen achten sehr auf ihr Futter, nur manchmal stellen sie gelbe Plastiksäcke vor die Tür. Wenn man die aufreisst und etwas Glück hat findet man noch eine Dose mit Resten von köstlichem Futter. Aber das ist selten, meistens wird man vorher entdeckt und fortgejagt.

Was wollte ich eigentlich hier ? Weihnachten. Ich muß wissen was Weihnachten ist. Also laufe ich zu den Häusern der Menschen, das Weihnachten kann nur dort sein. Aus einem der Häuser dringen fröhliche Stimmen und Musik. Mühsam springe ich auf die Fensterbank, früher ist mir sowas ganz leicht gefallen. Die Menschen haben auch ihre Wohnung geschmückt. In einer Ecke des Raumes steht eine prächtige Tanne. Sie ist verziert mit glänzenden Kugeln, Lichtern und ganz oben auf der Spitze ein wunderschöner Stern. Unter dem Baum liegen viele bunt verpackte Geschenke und: ein kleiner Hundewelpe der von den Menschen liebkost, gestreichelt und gefüttert wird.

Jetzt erinnere ich mich wieder, auch ich war einmal ein kleines Katzenbaby und habe unter einem Weihnachtsbaum gespielt. Und ich weiß auch wieder was Weihnachten ist ….. es ist das Fest der Liebe. Die Menschen machen sich gegenseitig Geschenke. Sie schenken sich auch Tiere, aber diese Tiere lieben sie leider nur für kurze Zeit. Dann werden sie lästig, sie stören, sie müssen weg und werden vergessen. Warum sind die Menschen nicht wie wir Tiere ? Wenn wir lieben dann für immer ….. wir vergessen nicht. Oder doch ? Auch ich habe vergessen wie es ist von einem Menschen geliebt zu werden. Gibt es Tiere die immer von ihren Menschen geliebt werden ? Wenn ja dann sind sie bestimmt nicht am Fest der Liebe verschenkt worden.

Oh. Ich habe gar nicht gemerkt das ich eine meiner Pfoten gegen die Fensterscheibe gedrückt habe. Aber das ist nicht schlimm. Den Pfotenabdruck wird niemand bemerken. So wie auch ich niemals jemanden auffalle. Mir ist kalt, ich habe Hunger und bin müde. Besser ich gehe jetzt wieder in mein Versteck und rolle mich auf meinen Blättern zusammen. Zu Fressen finde ich heute Nacht bestimmt nichts mehr. Aber vielleicht träume ich. Von meinem Weihnachtsfest …… ich bin wieder ein Katzenbaby rolle mich auf meiner weichen Decke ein, habe den Bauch voll und die warme Heizung ist neben mir. Vielleicht träume ich auch von dem kleinen Jungen der mich damals geliebt hat. Auch wenn es nur für eine kurze Zeit war.

Es ist eine stille Nacht und ich schleiche langsam zurück zu meinem Versteck. Jetzt weiß ich wieder was Weihnachten ist.




Autor: Klaus Albers

klaus.albers1@gmx.de


Fotograf/Künstler: © Janina Briesemeister / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Eine anrührende Geschichte, mit der sehr treffend auf das Schicksal vieler „Weihnachtstiere“ gezeigt wird.

  2. W.R.Guthmann

    Wenn er ein „M“ auf der Stirn trägt, ist es bestimmt der Kater, der jede Nacht heimlich am Hund vorbei schleicht und unsere Katzennäpfe leer futtert. Frauchen ist nur aufgeregt, weil er dafür eine für Katzen gut riechende Duftmarke hinterlässt. Und viele der kleinen Katzenkinder in der Gegend sehen ihm ähnlich. In der Scheune musste er sich erst gegen den Steinmarder durchsetzen. Und für seine „Geschäfte“ nutzt er den Sandkasten der Kinder. Jetzt im Winter gönnen wir es ihm. Alle anderen hoffentlich auch. Dafür war und ist deine Geschichte eine schöne Anregung.

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