Eitelkeit und Festlichkeit

Auf einem Gutshof lebten Menschen und Tiere friedlich zusammen. Es gab dort einen Hund und Katzen, Pferde und einen Pfau mit seinem Harem.

Der Pfauenmann war herrlich anzusehen. Seine Schleppe schillerte in der Sonne und wenn er ein Rad schlug blieben alle staunend stehen und bewunderten ihn. Er war eitel, stolz und duldete keine Konkurrenz. Nebenbuhler waren unerwünscht.

Zur Adventszeit stellten die Gutshofbesitzer einen Tannenbaum in den Hof. Der Baum war groß, dunkelgrün und ebenmäßig gewachsen. Der Pfau beobachtete das Schauspiel ohne großes Interesse, er stellte lieber einer seiner Damen nach.

Eines Nachts hatte es geschneit und früh morgens war alles weiß, wie mit Puderzucker bestäubt. Der Gutsherr und seine Kinder kamen mit einer großen Kiste in den Hof und begannen die Tanne zu schmücken. Nach einiger Zeit wurde aus dem schlichten Baum ein wunderschön geschmückter Christbaum, mit goldenen Kugeln, Strohsternen und einer Lichterkette. Spätestens jetzt hatte auch der Pfau Interesse gezeigt. Als die Menschen wieder im Haus verschwunden waren, stolzierte er auf die prächtige Tanne zu.

Wie war das möglich? Wo kam plötzlich dieser Angeber her? Stand hier mitten im Hof und glitzerte und funkelte das einem fast schwindelig wurde. Der Pfau blies sich empört auf und stellte seine Federkrone auf. Los du Wichtigtuer, zeig mal was du kannst. Er pickte auf eine der Kugeln und als er darin sein Spiegelbild sah, bekam er einen riesen Schreck. Sofort ging er auf Angriff und stellte sein Rad auf. Wie ein riesiger Fächer wedelte er auf und ab und versuchte dem vermeintlichen Gegner damit Angst einzujagen.

Die Tanne rührte sich nicht vom Fleck. Milde Sonnenstrahlen ließen ihre Kugeln schimmern und die Strohsterne bewegten sich leicht im Wind. Der Pfau spürte dass sich sein Gegner nicht provozieren ließ und nach einiger Zeit beruhigte er sich und schritt hochmütig von dannen.

Als die Dämmerung einsetzte und die Kerzen auf unserem Christbaum zu leuchten begann, bekam unser Pfauenmann erneut einen Stich in sein stolzes Herz. Der Baum strahlte und glänzte in der Winternacht wie in einem Märchen.

So nicht Kamerad, du willst Ärger, den kannst du haben. Erneut attackierte er den vermeidlichen Nebenbuhler mit Kampfgebärden, Radschlagen und als Zugabe ließ er einen schrillen Schrei los. Aber wieder bekam er keine Beachtung oder einen Gegenangriff. Die Tanne stand still in ihrem Festkleid und ihr sanftes Licht umhüllte sie wie mit einem Heiligenschein.

Unser eitler Protz verlor nach einigen Minuten seine Energie und er gab auf. Die bescheidene Schlichtheit ließ ihn verstummen. Er drehte sich pikiert um und stolzierte zurück in seinen Bau.

Der Christbaum wartete auf seinen großen Tag mit bescheidener Festlichkeit und seine Ausstrahlung brachte Besinnung und Freude zur Heiligen Nacht.

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Autor: Barbara Pronnet


www.barbarapronnet.de


Fotograf/Künstler: © Grey59 / www.pixelio.de

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3 Kommentare

    • Baumgaertner
    • Margrit Baumgärtner on 9. Dezember 2013 at 07:04
    • Antworten

    Man kann sich diese Szene richtig gut vorstellen, als ob es wirklich genau so passiert wäre. Der Pfau hat dieses Mal keine Chance gegen den schönen „Nebenbuhler“ – glücklicherweise!

  1. ja, so fantasievoll sind die Tiergeschichten!

    • W.R.Guthmann on 9. Dezember 2013 at 14:10
    • Antworten

    Wenn ihr dem Pfau etwas gutes antun wollt, fahrt mit ihm auf die Pfaueninsel nach Berlin. Dort gibt es viele echte Rivalen. Das ist dann wie eine Kur.

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