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Die Geisterbären von Kanada

Im nördlichsten Weil Teil der Küste Britisch Kolumbiens (Kanada), kurz vor Alaska, liegt eine 32.000 Quadratkilometer große Wildnis, der Great Bear Rainforest, der „Regenwald des großen Bären“. In diesem unzugänglichen Kaltregenwald sind viele der Bäume mehr als 1.000 Jahre alt und fast 100 Meter hoch. Moose überziehen Bäume und Felsen.

Hier leben die Geisterbären, weiße bis rotblonde Bären, die weder Albinos noch Eisbären sind. So absurd es klingt: Es sind weiße Schwarzbären, die ihren Farbschlag einer Genmutation verdanken. Diese steckt in der gesamten Bärenpopulation des Regenwalds, tritt aber nur in Erscheinung, wenn sich zwei Schwarzbären paaren, die das Weiß-Gen in sich tragen.

Foto: Flickr.com, Fotograf: Valard LP
Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) (CC BY-NC-ND 2.0), http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/deed.de

Dieses Farbphänomen wird übrigens durch eine rezessive Mutation auf dem Gen MC1R ausgelöst, das beim Menschen für rotes Haar und helle Haut verantwortlich ist.

Es ist tatsächlich so, dass schwarze Schwarzbären weiße Kinder haben können. Etwa jedes zehnte Bärenjunge ist weiß. Insgesamt wird die Zahl der seltenen Tier auf wenige hundert geschätzt.

Den Ureinwohnern war der Geisterbär lange Zeit heilig. Sie verehrten ihn und schrieben ihm übernatürliche Kräfte zu. Nach ihrer Mythologie hat der Schöpfer jeden zehnten Schwarzbären weiß gemacht, um an die Zeit zu erinnern, in der das Land von Gletschern bedeckt war. Möglicherweise ist die Mutation tatsächlich ein Überbleibsel von der Anpassung an die letzte große Eiszeit.

Der Kult um den Geisterbären spielt heute keine große Rolle mehr, doch aus Respekt vor der Tradition ihrer Ahnen schützen die Ureinwohner den weißen Bären heute immer noch mit großem Engagement. Sie haben ihn nie gejagt und auch den weißen Jägern und Pelzhändlern nie von ihm erzählt.

Erst im Jahr 1900 machte die Wissenschaft Bekanntschaft mit dem weißen Bären. William Hornaday, ein Mitglied der New Yorker Zoologischen Gesellschaft stieß beim Katalogisieren von Bärenfellen auf einen cremefarbenen Pelz, der die Form eines Schwarzbärenfells hatte. Er bat Francis Kermode, den Direktor des Provincial Museum von Britisch Kolumbien um Hilfe bei der Einordnung der unbekannten Bärenart. 1905 dann nannte Hornaday ihm zu Ehren den Bären Ursus americanus kermodei. Der Geisterbär ist auch unter dem Namen „Kermodebär“ bekannt.

Der männliche Kermodebär kann rund 225 kg schwer werden. Wenn er sich auf die Hinterbeine stellt, kann er sich rund 2,5 m hoch aufrichten. Die Weibchen sind deutlich kleiner und leichter. Wie wiegen um die 130 kg und sind aufgerichtet rund 1,80 m groß.

In ihrer Lebensweise und ihrem Verhalten unterscheiden sich die Kermodebären nicht von anderen amerikanischen Schwarzbären. Bis auf eine Kleinigkeit: Weiße Bären sind rund 30 % erfolgreicher beim Fischfang als ihre schwarzen Artgenossen. Man vermutet, dass sie aufgrund ihrer hellen Färbung aus Fischperspektive weniger leicht zu erkennen sind als die dunklen.

Teile ihres Verbreitungsgebiets sind von Abholzung bedroht. Das Vorhaben, eine Öl-Pipeline durch Bärengebiet zu legen (Northern Gateway-Pipeline) scheint fürs Erste vom Tisch zu sein. Zum Glück! Aber es gibt ja kein Naturwunder, das der Mensch nicht kaputt kriegt.




Autor: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


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5 Kommentare

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  1. Margrit Baumgärtner

    Faszinierend, was es noch zu entdecken gibt. Wer weiß, wie lange man die Geisterbären noch in Ruhe lässt….

  2. Hans Witteborg

    Die Bären sind wie „schwarzes“ Geld,
    das geisterhaft vom Himmel fällt!

  3. Ich

    Ich finde geisterbären einfach fantastisch ich finde es traurig das es nur noch 200 davon auf der ganzen Welt gibt
    🙁
    I Love geisterbären

    1. Andreas

      wir haben um die 400 momentan, so no worries! Komm doch mal auf Urlaub wenn du die Baeren sehen willst!!!

      http://www.fishinginkitimat.com
      Beste Gruesse, Andreas

  4. Gerhard

    Ich wundere mich nur darüber, dass sich die Tierfotografen aus aller Welt noch nicht drauf gestürzt haben.
    Wie ist es überhaupt möglich, diese seltene Tierart vor „Interessenten“ zu schützen?
    Ich hoffe wie alle anderen Tierfreunde, dass sie noch lange Zeit in Ruhe leben dürfen.
    Gerhard

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