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Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht

Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht, München 2013, dtv Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-423-21472-8, Softcover, 60 Seiten, Format: 16,8 x 11,6 x 0,8 cm, Buch: EUR 7,95 (D), EUR 8,20 (A), Kindle-Edition: EUR 6,99.

„Der Teufel hatte – und der Papst staunte, dass er nicht darüber staunte – wortwörtlich dasselbe gesagt wie der Kardinal-Staatsekretär bei der letzten Budgetbesprechung. Aber im Gegensatz zum Kardinal hatte er eine Lösung anzubieten.“ (Seite 55)

Ewig zu existieren muss ziemlich langweilig sein. Kein Wunder, dass der Teufel sich gelegentlich ehrgeizige Ziele steckt, um ein bisschen Spannung in seinen Alltag zu bringen. Ausgerechnet in der Weihnachtsnacht will er den Papst zu unmoralischem Handeln verführen. Welchen Lebensbereich mag das bei so einem betagten Herrn wohl betreffen? Nun, die Finanzen!

Der Satan fährt im roten Ferrari vor, trickst sich bis ins Schlafgemach des Heiligen Vaters und schlägt ihm allerhand raffinierte Methoden vor, um das Geschäftsmodell der katholischen Kirche zu optimieren und die schwächelnden Finanzen aufzubessern.

Ehe er es sich versieht, sitzt der Papst neben dem Teufel im Ferrari und rast mit ihm quer duch Europa, von Geschäftsvorschlag zu Geschäftsvorschlag. Doch weder das Vermieten von Kirchen für weltliche Zwecke noch die Fusion mit der Unterhaltungsindustrie findet seine Zustimmung. Von dem Vorschlag, wie man dem Priestermangel personalpolitisch begegnen könnte, hält er ebenso wenig wie vom Beichtautomat. Werbespots? Talkshows? Nonnen und Mönche auf dem Catwalk? Ja, pfui Teufel! Einstieg in die Kosmetikindustrie? Also, bitte!

Der Teufel ist schon ganz verzweifelt. Keiner seiner Vorschläge findet Anklang. Ein bisschen Sponsoring, vielleicht? Hmm …

Was ist der Papst froh, als der Wecker klingelt und er in seinem eigenen Bett aufwacht anstatt auf dem Beifahrersitz des satanischen Sportwagens. „Ein Alptraum!“, denkt er erleichtert. Ja, zweifellos …

DER TEUFEL IN DER WEIHNACHTSNACHT ist eine herrlich böse und unterhaltsame Geschichte über die Institution Kirche und deren nicht immer instinktsicheren Umgang mit Geld. Die Medien kriegen ebenfalls ihr Fett weg. Und dass alle Werbeleute in die Hölle kommen, wissen wir jetzt auch – aus des Teufels eigenem Mund. Also, liebe (Ex-)Kolleginnen und Kollegen: Wo immer ihr jetzt seid – wir sehen uns!

Der Autor
Charles Lewinsky 1946 in Zürich geboren, arbeitete als Dramaturg, Regisseur und Redakteur, seit 1980 als freier Autor. Er schreibt u. a. Hörspiele, Romane und Theaterstücke und Drehbücher. Für die Romane ›Melnitz‹ (dtv 13592) und ›Johannistag‹ (dtv 13761) wurde er mehrfach ausgezeichnet.




Rezensent: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Foto Cover-Bild: © Edith Nebel

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