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Automarder

Durch Freiburg streicht, wenn Alle schlafen,
ein Schreckgespenst auf leisen Sohlen,
schleicht wie ein Wolf zu frommen Schafen,
dort seinen Anteil sich zu holen.

Mit vollem Wanst und schweren Sorgen
wälzt durch den Traum sich manch‘ ein Bürger,
nur niemand ahnt, wie da verborgen
im Dunklen lauert schon der Würger.

Als Schatten naht er seinen Opfer
und schlitzt es blitzschnell und ganz lautlos
vom Bauch her auf, anstatt vom Kopfe;
er meuchelt Menschen nicht, doch Autos!

Auf neue Nobel-Limousinen,
die einsam in Garagen stehen
und zu makabren Spielchen dienen,
hat er’s besonders abgesehen.

Was er mitunter auch bevorzugt,
ist das Gedärm von Staatskarossen;
besudelt wie er da hervorlugt,
hat er den Blutrausch sehr genossen.

Nimmt er für all‘ die Tiere Rache,
die täglich auf den Straßen enden,
als Don Quichote in ihrer Sache,
ihr Schicksal kann er doch nicht wenden.

Läßt sich ein Wolf noch lange drängen,
wenn dicht an dicht die Schafe dösen?
Wo Hühner sich im Schlage zwängen,
macht da ein Marder Federlesen?

Gepfercht gleich Schafen stehen Wagen
des Nachts herum im Stadtteil Herdern;
geht’s denen meuchlings an den Kragen,
dann danke ich den Automardern.

Sind morgens Tanks und Schläuche trocken,
zu jubeln wäre eher peinlich,
doch keimt, wenn die Motoren stocken,
in mir wohl Freude auf, klammheimlich.




Autor: Klaus-Ulrich Geis

kontakt@kaeferklaus.de
www.kaeferklaus.de


Fotograf/Künstler: © Ich-und-Du / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Mit einem solchen „Don Quichote“ hatten wir auch schon zu tun — dabei fahren wir KEINE Nobel-Limousine!

  2. Hans Witteborg

    Das Gedicht ist super! so mag ich es bei tiergeschichten!

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