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Die Reise der sanften Riesen, Teil 8: Der Kapitän

Am Morgen spürte Sunshine ein erstes schmerzhaftes Ziehen im Bauch. Die Geburt stand unmittelbar bevor. Tom hatte ihr im Wohnzimmer einen großen Korb mit einem Kissen zurechtgemacht, in den sie sich zurückzog. Es war noch nicht Mittagszeit, als sie drei Kätzchen geboren hatte, ein Katerchen und zwei Mädchen. Sie biss die Nabelschnur durch und leckte die drei winzigen Katzenbabys trocken. Sofort suchten sie ihre Zitzen und begannen zu trinken. Tom war die ganze Zeit in der Nähe und hatte alles beobachtet.

Als er sah, dass alles gut gelaufen war und die Jungen offensichtlich gesund waren, sagte er zu Sunshine: „Gut hast du das gemacht. Doch bald kommt Molly und ich werde euch eine Weile alleine lassen. Ich werde nach Biddeford gehen und sehen, ob ich Mr. Woodman finde. Ich muss ihm doch erzählen wo du bist und was passiert ist, nicht war?“

Um die Mittagszeit kam Molly. Jonathan und Molly Haley lebten auf der Haley Farm, etwa eine Meile von der Tarbox Farm entfernt und Molly kam öfter herüber und schaute nach Toms Katzen. Die Tarbox Familie beschäftigte sich auch mit den Katzen und Joseph war auch froh darüber, dass welche auf der Farm waren, doch sie konnten sich nicht so darum kümmern, wie sie eigentlich gewollt hätten.

Molly war ganz hingerissen von den Neugeborenen und hätte sie am liebsten geknuddelt. Doch sie wusste, dass sie Sunshine und ihre Kinder fürs erste in Ruhe lassen musste. Sie hatte schon einiges von den so genannten „Bauernkatzen“ oder auch „Shag Cats“, Zottelkatzen, wie sie manchmal genannt wurden, gehört, die auf den weit verstreuten Farmen in den Wäldern leben sollten, doch gesehen hatte sie noch keine. Und hier war jetzt eine und was für eine wunderschöne. Molly konnte gar nicht mehr wegsehen.

Foto Maine-Coon-Kitten: Gabriela P. / www.pixelio.de

Tom hatte sich unterdessen fertiggemacht. Er wollte nach Biddeford, und schauen ob Mr. Woodman noch in der Stadt war. Immerhin musste er ja wissen, wo Sunshine jetzt war und dass sie eine Weile bei ihm bleiben würde.

In der Stadt konnte er den Geschäftsmann nicht finden, so fragte er sich durch. Doch erst der Hufschmied konnte ihm Auskunft geben. Bei ihm waren Wagen und Pferde des Eisenwarenhändlers untergestellt, daher wusste er, dass Christian Woodman im Haus des Arztes war.

Es klopfte an der Tür. Christian fragte sich, wer das sein könnte, er wusste, dass der Arzt zur Zeit ausser Haus war. Sein Bein hatte der Arzt geschient, doch die Schmerzen waren immer noch heftig, obwohl jetzt schon mehrere Tage vergangen waren.

„Herein.“ rief Christian. Langsam öffnete sich die Tür und ein Kopf mit einer Hornbrille auf der Nase schob sich herein. Christian konnte ein Schmunzeln nur schwer unterdrücken. Denn der Kopf hatte, vor allem wegen der Brille, eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Waschbären. Dann kam es ihm wieder in den Sinn. Das war doch dieser Tom, mit dem er vor dem Saloon zusammengestoßen war. Was wollte der denn hier?

„Verzeihung Sir, wenn ich sie einfach hier belästige, aber ich würde gerne mit ihnen reden.“
Christian war irritiert. „Mit mir reden? Worüber denn, wir kennen uns doch nur flüchtig, oder irre ich mich?“ „Nun Sir, es ist wegen ihrer Katze, Sunshine.“ „Was ist mit ihr, ich habe mich schon gefragt, wo sie ist. Ich kann ja nicht nach ihr schauen, wie sie unschwer erkennen können. Ist ihr etwas passiert?“
„Nein Sir, da kann ich sie beruhigen, sie ist wohlauf und sie ist in meiner Obhut. Ja, und Sir, es ist so, sie hatte heute Vormittag einen Wurf von drei Kätzchen. Daher denke ich, dass es das Beste ist, wenn sie eine Weile bei mir bleibt, wenn sie einverstanden sind.“
Christian hatte gewusst, dass Sunshine trächtig war, doch er hatte geglaubt, dass bis zur Geburt noch einige Zeit blieb und sie dann wieder zuhause wären.

Gut, es war nun eben so und dieser Tom schien ja ein Katzenkenner zu sein. Ausserdem blieb ihm zu Zeit nichts anderes übrig. So stimmte er Toms Vorschlag zu. Er hatte einen berittenen Boten zu seiner Familie geschickt, mit einem Brief, in dem er die Situation erklärte. Sunshines Verschwinden hatte er nicht erwähnt, denn Sarah, seine Frau, würde jetzt andere Sorgen haben. Seine Tochter würde zwar traurig sein, doch das ging jetzt nicht anders.
„Nun,“ sagte Christian, „ich danke ihnen, dass sie sich um Sunshine kümmern und sobald ich wieder gehen kann, werde ich mich auf jeden Fall erkenntlich zeigen Mr…?“
„Tom, wie ich schon sagte.“
„Nur Tom?“
„Nein, eigentlich Thomas. Thomas Coon.“

Und so blieben Sunshine und ihre Jungen auf der Tarbox Farm. Die GLEN LAURIE lief nach einigen Tagen in Richtung Boston aus. Die Frachträume waren voll mit Mais, daher hatten Cheri, Buster und Diabolo ziemlich zu tun um die Ratten, die sich an Bord geschlichen hatten, im Zaum zu halten. Passagiere waren nur zwei an Bord, beides Geschäftsreisende, daher hatte Tom in seiner Funktion als Kabinensteward nicht all zuviel zu tun.

Molly Haley sorgte inzwischen für Sunshine und ihre Kätzchen. Joseph Tarbox war erleichtert, dass seine Familie das nicht tun musste, denn sie hatten genug Arbeit auf der Tarbox Farm. Und nach drei Wochen war die GLEN LAURIE aus Boston zurück.

Eines Tages fuhr ein Einspänner vor und ein Mann mit einer Krücke stieg umständlich aus.
Christian Wooodman machte einen Besuch auf der Farm. Er wurde von der Familie Tarbox herzlich begrüßt und auch Tom war da.

Christian hatte sich soweit erholt, dass er nach hause reisen konnte und er wollte nach Sunshine schauen. Mitnehmen würde er sie noch nicht können, dafür waren ihre Jungen noch zu klein. Also würde sie wohl den Winter über bei Tom bleiben müssen. Aber er wusste, dort war sie gut versorgt. Und er fragte Tom, wie er sich denn erkenntlich zeigen könnte.

Der druckste erst verlegen herum. „Nun, Mr. Woodman, es ist so …“ „Heraus mit der Sprache, und keine Hemmungen!“ „Sir, sie werden Sunshine nach dem Winter wieder abholen, nur …“
„Was, nur?“ „Es ist einfach so, dass wir uns an die drei Kleinen gewöhnt haben und sie sehr mögen, daher, Sir, wenn es nicht zu vermessen ist, bitte ich sie, ob wir nicht eines oder zwei behalten könnten.“ „Thomas, das ist das mindeste, mit dem ich mich bedanken kann. Aber wissen sie was, ich schenke ihnen alle drei.“
Tom war sprachlos, das hatte er nicht erwartet. Christian blieb noch einige Zeit auf der Tarbox Farm und fuhr dann gegen Abend nach Biddeford zurück.

So zog Sunshine also ihre Jungen auf der Tarbox Farm auf. Tom nannte den Kater Silver, weil er ein fast silberfarbiges Fell hatte, den beiden Katzen gab er die Namen Blinky und Jessy. Der Winter kam und die drei wurden grösser. Sie entdeckten die Farm und ihre Umgebung. Mit Cheri, Buster und Diabolo kamen sie meistens gut aus. Manchmal gab es zwar ein Gezerfe und Gefauche, doch schnell war alles wieder gut.

Der Winter ging vorüber und die ersten Blüten streckten sich der Sonne entgegen, als eine offene Kutsche Vorgefahren kam. Christian Woodman war mit seiner Tochter Linda gekommen um Sunshine abzuholen. Es gab eine grosse Begrüssung und dann wollte Linda gleich nach Sunshine schauen. Die schnupperte erst vorsichtig an ihrer Hand, dann erkannte sie Linda und fing sofort zu schnurren an. Christian Woodman und seine Tochter blieben noch einen Tag auf der Tarbox Farm. Dann fuhren sie mit Sunshine nach hause. Da sie die offene Kutsche hatten und nicht Christians schweren Transportwagen, würde die Fahrt nur zwei Tage dauern.

Am Abend des ersten Tages machten sie Rast in einem kleinen Gehöft. Dort wollten sie übernachten. Sunshine war in den letzten Stunden unruhig gewesen, daher hatte sie Linda auf den Arm genommen und gekrault. Die Sonne war bereits am untergehen und sie wollte noch etwas in der Kutsche nachsehen, als Sunshine ihr plötzlich vom Arm sprang und auf den Wald zurannte. Linda war erst erschrocken, dann rannte sie, laut nach Sunshine rufend, hinterher.

Die Bäume standen hier nicht so dicht, auch gab es kaum Unterholz, so dass sie der Katze folgen konnte. Sunshine rannte jetzt nicht mehr, sondern lief nur noch in einem etwas schnelleren Tempo. Linda konnte ihr folgen. Sie rief jetzt nicht mehr, sondern versuchte nur noch, der Katze hinterherzukommen. Es war schon fast dunkel und sie konnte Sunshine gerade noch erkennen. Sie waren schon tief im Wald, als Sunshine unvermittelt stehen blieb.

Langsam ging die Katze weiter. Der Mond war inzwischen aufgegangen und sein fahler Schein schimmerte durch die Bäume. Linda wusste nicht, wie sie Sunshines Verhalten deuten sollte. Jedenfalls konnte sie erkennen, dass die Katze erst auf etwas hinabsah und dann langsam irgendwo hinunterging. So vorsichtig wie möglich pirschte Linda sich näher.

Ihr bot sich ein seltsames Bild. Da war eine kleine Senke, bedeckt mit altem Laub. Zwei Bäume und eine Menge Gebüsch wuchsen auch darin. An einer Seite war eine freie Fläche. Vielleicht lag es auch am schwachen Mondlicht, doch Linda glaubte ihren Augen nicht zu trauen. Denn mitten auf der freien Fläche saßen sechs, nein, jetzt waren es sieben, Katzen. Soweit sie in dem Dämmerlicht erkennen konnte, war eine davon Sunshine. Die anderen kannte sie nicht, doch es waren alles diese großen, langhaarigen Waldkatzen. Sie saßen einfach so da. Nichts weiter geschah.

Es war still. Die Katzen schauten sich gelegentlich gegenseitig kurz an, das war alles, was an Bewegung zu erkennen war. Linda wusste nicht, wie lange sie schon da gestanden und diese unheimliche Zeremonie beobachtet hatte. Sie traute sich nicht zu rühren. Plötzlich, wie auf ein Kommando, standen alle Katzen auf und liefen in verschiedene Richtungen davon. Auch Sunshine lief auf dem Weg zurück, den sie gekommen war. Sie musste unweigerlich an Linda vorbeikommen. Das tat sie auch, doch sie lief an der ihr vorbei, als wäre die nicht vorhanden. Linda war sprachlos und machte keinen Schritt. Da blieb Sunshine stehen, drehte sich um, und schaute Linda an, als würde sie die junge Frau auffordern, doch endlich mitzukommen. Die war völlig durcheinander. Sunshine hatte gewusst, dass sie da war! Und sie hatte das als völlig selbstverständlich hingenommen. Ab dem Tag betrachtete Linda alle Katzen mit anderen Augen.

Auf der Tarbox Farm lief unterdessen alles seinen gewohnten Gang. Tom war mit der GLEN LAURIE nach Philadelphia unterwegs und Silver, Blinky und Jessy waren bei ihm. Für die drei Geschwister war es die erste Seereise. Buster und Diabolo hatte er auch mitgenommen. Cheri war auf der Farm geblieben, denn auch dort wurde eine Mäusejägerin gebraucht.

Molly schaute gelegentlich nach ihr. Eines abends wollte sie gerade nach hause gehen, als sie ein leises Miauen hörte. Sie schaute sich danach um und da sah sie einen riesigen langhaarigen Kater, der sie interessiert musterte. Er war ähnlich wie Sunshine, gross und langhaarig. Verblüfft musterte sie ihn, dann sagte sie: „Wo kommst du denn her? Wem gehörst du denn?“ Der Kater schaute sie weiterhin an und das irritierte Molly so ziemlich. Doch dann ging sie weiter in Richtung Haley Farm. Einmal drehte sie sich um und der Kater saß immer noch an derselben Stelle und schaute ihr nach.

Die Sache ging ihr die ganze Nacht nicht mehr aus dem Kopf und so beschloss sie, am nächsten Tag ziemlich früh noch mal nach Tarbox zu gehen, es war ja nur eine Meile dorthin. Als sie am nächsten Morgen dort ankam, saß der Kater vor der Haustüre, als ob er sie erwartet hätte. Joseph Tarbox war bereits auf den Feldern, doch die Tür wurde eigentlich nie abgeschlossen. Also öffnete sie die Tür und sofort lief der Kater hinein, als wüsste er wohin er wollte und würde sich hier auskennen.

„Na gut,“ meinte Molly „du willst wohl hierbleiben. Das kannst du meinetwegen auch. Trotzdem werde ich herumfragen, ob dich jemand vermisst. Tom kommt erst in einer Woche wieder und dann werden wir weitersehen. Doch bis dahin brauchst du einen Namen.“

Sie sah den Kater genauer an. Er war grau mit schwarzen Flecken. Auf dem Rücken hatte er einen auffälligen schwarzen Streifen. „Weißt du was,“ sagte Molly „ich nenn‘ dich Strippes, weil du den lustigen Streifen auf dem Rücken hast.“ Strippes ließ durch nichts erkennen, ob er mit der Namenswahl einverstanden war und begann das Haus zu erkunden. Cheri war nicht im Haus, doch er roch sie. Doch offensichtlich hatte er nichts dagegen, dass noch mehr Katzen im Haus wohnten. Molly beschloss, jeden Tag nach Strippes zu schauen. Am Sonntag würden sie mit Jonathan nach Biddeford in die Kirche gehen, dort konnte sie dann einige Leute fragen, ob sie ihren Kater vermissten. Doch ihre Überraschung war gross, als sie am nächsten Tag wiederkam und zwei weitere dieser Langhaarkatzen im Haus fand. Sie war völlig perplex.

Der Sonntag kam und bis dahin waren nochmals zwei aufgetaucht und hatten sich einquartiert. Jetzt waren es schon fünf! Molly glaubte nicht mehr, dass die Katzen jemand gehörten und einfach so entlaufen waren. Da steckte mehr dahinter.

Strippes indes schien sich hier wohlzufühlen. Er war vor Tagen, als er hier angekommen war, ziemlich ausgehungert gewesen. Die lange Wanderung war wohl schuld daran. Molly wusste es nicht, aber er war einer der wenigen Waldkatzen die noch in der Wildnis gelebt hatten. Vor einiger Zeit hatte sich unter den Katzen eine Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet. Es kam von einer Katze namens Sunshine. Sie hatte sich mit anderen an einem Versammlungsplatz getroffen und eigentlich nur berichtet, wie es ihr in letzter Zeit ergangen war. Und sie hatte von Thomas Coon erzählt. Niemand hat je erfahren, was die Katzen sich auf dieser Versammlung sonst noch erzählt und was sie beschlossen haben, doch manchmal, so scheint es, haben sie Kenntnis von Dingen, die den Menschen verschlossen bleiben. Jedenfalls machten sich alle, die noch in der Wildnis lebten, auf den Weg nach Biddeford Pool und Strippes war nur der Erste gewesen, der angekommen war.

Drei Wochen später legte die GLEN LAURIE im Pool an. Und dort hatte sich sehr viel geändert. Als sie in Philadelphia vor Anker lagen, hatte der Erste Maat wieder einmal Streit angefangen. Er war wie so oft betrunken gewesen. Dann hatte er mit Kapitän Snow gestritten und der Streit war immer mehr eskaliert. Als der Erste Offizier eingreifen wollte, hatte der Maat sein Messer gezückt und den Ersten Offizier niedergestochen. Natürlich war der Maat sofort verhaftet und der Erste Offizier in ein Hospiz gebracht worden. Ob er überleben würde, wusste noch niemand. Als ob das noch nicht genug wäre, hatten einige der Mannschaft nach dem Vorfall ihre Heuer verlangt und waren von Bord gegangen. Kapitän Snow konnte es ihnen nicht verdenken. Doch nun stand er nur noch mit einem Drittel seiner Mannschaft da. Auf die Schnelle war kein Ersatz zu finden. Also bot er einem der verbliebenen einfachen Matrosen die Stelle des Ersten Maats an. Und Tom sollte Erster Offizier werden, denn er wusste, dass Tom sowieso das Kapitänspatent machen wollte und bereits jetzt eifrig lernte. Außerdem mochte er Tom und auch seine Katzen und er würde sich freuen, wenn Tom eines Tages seine Stelle einnehmen könnte.

Er hatte schon Toms Vater Israel gekannt, sie hatten zusammen im Unabhängigkeitskrieg gekämpft. Also lief der Viermastschoner mit Thomas Coon als Erstem Offizier in Biddeford Pool ein. Mit Buster und Diabolo auf dem Arm und Silver, Blinky und Jessy im Gefolge machte sich der frischgebackene Erste Offizier auf den Weg zur Farm.

In Philadelphia hatte er bei der Abreise ein kleines Problem mit Buster und Diabolo zu lösen gehabt. Die Beiden waren herumgestromert und Tom hatte Mühe, sie gerade noch rechtzeitig aufstöbern, bevor das Schiff ablegte. Silver, Blinky und Jessy waren zwar auch mehrmals von Bord gegangen, jedoch immer nur für kurze Zeit, sonst waren sie ihm fast wie Hunde bei Fuss gefolgt. Mit der Überlegung, wen er bei der nächsten Fahrt mitnehmen sollte, kam er auf der Farm an.

Molly erwartete ihn bereits. Sie war etwas durcheinander. „Ist etwas passiert?“ fragte Tom.
„Ich weiß nicht. Nein, eigentlich nicht. Oder doch. Also komm erst mal rein.“
Im Wohnzimmer setzte er sich erst mal in einen Sessel. Er schaute sich um. Alles war wie sonst. Plötzlich gab es ein Poltern und Joseph Tarbox kam zur Tür herein.
„Ah Thomas, da bist du ja. Da hast du uns ja was eingebrockt.“

Tom verstand jetzt überhaupt nichts mehr. Plötzlich kam durch die immer noch geöffnete Tür eine große haarige Katze in den Raum. Sie schaute sich um, sprang auf das Fensterbrett und legte sich hin. Alle anderen im Raum ignorierend schaute sie zum Fenster hinaus. Tom schaute Molly fragend an. „Darf ich vorstellen,“ sagte sie „Strippes!“ Tom sagte immer noch nichts. „Ach ja, bevor ich’s vergesse,“ fuhr Molly fort, „da wären auch noch Carlos, Ramses, Dotty und Marie-Lou. Nur damit du’s weißt.“ Tom brachte nur „wa… wa… wa …?“ heraus. „Thomas, ich weiß nicht, wo sie herkommen. Jonathan war in Biddeford und hat alle möglichen Leute gefragt, ob sie ihre Katze vermissen. Niemand vermisst eine Katze. Und alle sind sie von der gleichen Rasse wie Strippes hier. Einige Farmer haben solche Katzen, aber ich glaube nicht, dass sie dort entlaufen sind. Die kamen von alleine und absichtlich hierher.“

Jetzt hatte sich Tom einigermaßen gefasst. Er dachte nach. Katzen mochte er sehr und hätte am liebsten einen ganzen Haufen davon gehabt. Doch er wohnte nun mal auf der Tarbox Farm und die gehörte Joseph Tarbox. Allerdings war er jetzt Erster Offizier und hatte folglich mehr Heuer. Nun, er würde sich mit Joseph einigen, der würde bestimmt nichts gegen ein paar Dollars mehr haben. Und auch Molly Haley würde nicht leer ausgehen.

Strippes indes schien das ganze nicht im geringsten zu interessieren. Er hatte schon gewusst, als er hier ankam, dass er am richtigen Ort war. Alle, die noch in der Wildnis lebten, wussten davon und sie würden kommen. In voller Länge lag Strippes ausgestreckt auf der Fensterbank und fühlte sich einfach nur wohl. Den Ganzen Abend debattierten sie und schließlich stand fest, die Katzen konnten bleiben. Die Farm war groß genug und sie waren fast Selbstversorger. Damit war das auch geregelt.

Erst über eine Woche später Tage lief die GLEN LAURIE wieder aus, denn es musste erst wieder eine neue Manschaft angeheuert werden. Diesmal waren sechs Katzen mit an Bord, doch Tom hatte nur die neu zugezogenen mitgenommen, denn er hatte auch bei ihnen die Erfahrung gemacht, dass sie ihm auf Schritt und Tritt folgten. Der Schoner sollte diesmal länger unterwegs sein, Die Route führte diesmal über Boston, New York und Philadelphia bis Portsmouth. Strippes war auch dabei auf dieser Reise und da die GLEN LAURIE lange im Pool vor Anker gelegen hatte und auch eine Menge Lebensmittel als Fracht an Bord hatte, hatte das eine Menge Ratten angezogen. Jedenfalls erwischte er gleich am ersten Tag drei dieser gefräßigen Biester. Doch da gab es lose Bretter in einem Verschlag, hinter die er nicht herankam und genau dahinter hatte sich das Rattenvolk verschanzt. Die anderen Katzen versuchten sich auch daran, doch die Nager konnten sich durch die engen Schlitze zwängen.

Doch Katzen haben Geduld, viel Geduld. Strippes hatte auch Geduld. Die Ratten waren zwar vorsichtig und schlau, doch irgendwann trieb sie der Hunger nach draußen und in die Frachträume. Alles sah danach aus, als würde Strippes sich ausruhen oder schlafen, doch er war hellwach. Da, es raschelte, dann hörte er das trippeln kleiner Füße. Bewegungslos verharrte er. Langsam schob sich eine kleine Nasenspitze durch den Spalt und schnupperte. Noch rührte sich der Kater nicht. Jetzt kam eine graue Schnauze und zwei Kulleraugen zum Vorschein. Die Ratte war sehr vorsichtig. Immer noch machte Strippes keine Bewegung.

Die Ratte schien jetzt sicher zu sein, dass keine Gefahr drohte. Sie kam ganz hervor und wollte zu den Fässern rennen. Doch Strippes war schneller. Mit einem kurzen Sprung hatte er sie mit seinen Pfoten niedergedrückt und packte sie im Genick. Die Ratte versuchte, sich zu wehren und zu entkommen, doch gegen Strippes war das aussichtslos. Mit der zappelnden Ratte zwischen den Zähnen suchte er ein Plätzchen, an dem er ein wenig mit der Beute spielen konnte, bevor er sie verspeiste.
Im weiteren Verlauf der Fahrt wurden die schlauen Ratten zwar immer vorsichtiger, aber auch immer hungriger und Strippes und die anderen Katzen machten sich einen Spaß daraus, sie in die Enge zu treiben.

Endlich hatte die GLEN LAURIE ihr erstes Ziel, Boston, erreicht und die Schauerleute gingen daran die Ladung zu löschen. Tom wollte noch eine Besorgung in der Stadt machen. Als er das Schiff verließ, stellte er mit Erstaunen fest, dass ihm Strippes, Ramses und Marie-Lou folgten. Nun, wenn sie wollten, Tom hatte nichts dagegen. In der Stadt erregte er ziemliches Aufsehen mit den Katzen, war das ein doch etwas ungewohnter Anblick. Hunde ja, aber Katzen … Jedenfalls blieben alle bei ihm, auch als er kurz in einem Saloon reinschaute.

Carlos, Silver und Dotty waren an Bord geblieben, sie hatten nicht mitbekommen, dass Tom nicht mehr auf der GLEN LAURIE war. Während Dotty schlief, erkundeten die beiden Kater den Kai und die Hafenanlagen. Sie entfernten sich jedoch nie zu weit vom Schiff. Es lebten einige Katzen hier, aber das waren keine Waldkatzen. Den beiden Katern war das so ziemlich egal und wenn eine davon rollig war, nutzten sie die Situation.

Neue Fracht wurde eingeladen und die GLEN LAURIE machte sich auf den Weg zu ihrem nächsten Etappenziel, New York. Auch dort folgten die Katzen Tom überall hin und ebenso war es in Philadelphia. So hatte sich alles eingependelt und mit der Zeit lebten siebzehn Waldkatzen auf der Tarbox Farm.

Zwei Jahre waren vergangen, als Kapitän Enoch Snow in den Ruhestand ging. Er zog nach Provincetown in Massachusetts. Thomas Coon wurde nun Kapitän der GLEN LAURIE und auf allen seinen Reisen begleiteten ihn die Waldkatzen. Natürlich hatte er als Kapitän mehr zu tun als vorher, er musste sich eigentlich um alles kümmern, doch die Katzen vernachlässigte er dabei niemals. Und immer folgten sie ihm, wenn er von Bord ging, selbst in die Pubs und Saloons oder wenn er mal wieder mit Geschäftspartnern verhandelte.

Schon bald redeten die Leute von dem verrückten Kapitän Coon und seinen Katzen, doch Tom scherte sich nicht darum und so hörten die Leute auch irgendwann auf zu tuscheln. Er verschenkte auch immer wieder ein junges Kätzchen, wenn es auf dem Schiff oder auf der Tarbox Farm zu viele wurden. Und immer häufiger geschah es, dass irgendwo in den Hafenstädten eine Katze einen Wurf langhaariger Jungen hatte. Dann hieß es wieder: „Schau, wieder eine Coon-Katze!“ Tom bekam das schon mit und irgendwie freute er sich auch darüber.

Manchmal waren geschäftliche Verhandlungen sehr hart und Tom war dann froh, wenn er abends in die Koje konnte. An einem Tag war es besonders anstrengend gewesen. Sein Geschäftspartner wollte unbedingt die Frachtkosten drücken und Tom hatte Mühe seine Preise durchzusetzen. Entsprechend müde war er, als er sich in die Koje legte. In dieser Nacht träumte er wieder.

Da war wieder diese Wiese. Und darauf waren wieder viele der sanften Riesen. Doch diesmal rannten sie herum und spielten miteinander. Tom hatte plötzlich das Gefühl, dass da noch jemand wäre. Alles war irgendwie unwirklich. Er schaute auf den Boden und da sah er ihn, den sandfarbenen Kater. Der schaute zu ihm hoch und fing zu reden an. „Sie waren die Verlorenen, die Verlassenen, doch du hast ihnen einen Namen und damit eine Heimat gegeben. Alle Katzen werden dir dafür immer dankbar sein. Doch die Katzen schätzen nicht wie die Menschen materielle Dinge. Daher ist ihr Dank, dass dein Name nicht vergessen wird und für immer mit ihnen verbunden sein wird.“

Der Traum verblasste und Tom wachte auf. Am Fußende der Koje lag Strippes zusammengerollt und schlief. Tom setzte sich auf und strich ihm über das Fell. Er sah jetzt vieles anders und glaubte das Geheimnis der sanften Riesen zu kennen. Strippes bewegte sich im Schlaf und Tom strich ihm noch einmal über den Rücken. Der Kater wachte auf und sah ihn aus seinen unergründlichen Katzenaugen an. In ihnen lag eine Dankbarkeit, die nicht in Worte zu fassen war. Der Kater begann leise zu schnurren.

Endlich waren sie angekommen, ihre Reise war zu Ende. Sie kamen über das Meer aus der Alten Welt, sie jagten, sie kämpften und der Tod war allgegenwärtig, doch sie waren stark, sie haben überlebt. Und nie haben sie Leif und sein Volk vergessen. Doch mit Hilfe von Kapitän Coon haben sie in diesem Land Maine ihre neue Heimat gefunden. Und nach dem Land in dem sie nun leben und nach dem Kapitän wird die Sippe der sanften Riesen heute noch benannt: Maine Coon.

Foto Maine-Coon: snuesch / www.pixelio.de

Epilog

„Sie hatten wirklich eine lange Reise.“ sagt Edward. „Ja, das hatten sie,“ antwortet Miezka, Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.“ „Was geschah denn noch?“ will Edward wissen.
„Weißt du, sie waren früher nie sehr zahlreich und es gab eine Zeit, da glaubten die Menschen, sie wären ausgestorben. Doch es gab sie noch und mit der Zeit wurden es immer mehr.
Und die Menschen mochten sie sehr.

Es gab da einen Mann, der hiess Joseph E. Brennan, der war der Erste im Staat Maine. Die Menschen nennen so etwas Gouverneur. Und er hat den Maine Coon eine Ehre erwiesen, wie sie den Katzen seit der Zeit der Pharaonen nicht mehr zuteil wurde. Denn nach der Zeitrechnung der Menschen geschah es im April der Jahres 1985 dass eben dieser Gouverneur Joseph E. Brennan die Maine Coon Katzen zu Staatskatzen ernannt hat und sie offiziell in die Staatsbücher von Maine eintragen ließ. So haben sie nach all ihren Mühen und allen Widernissen zum trotz ihren Platz gefunden. Und mit den Menschen kamen sie sogar zurück in die alte Welt und der Kreis hat sich geschlossen.“

„Miezka, woher kennst du diese Geschichte?“
„Weißt du, ich kenne eine Maine Coon, Milwaukee ist ihr Name. Von ihr habe ich diese Geschichte erfahren. Denn sie hatte einen Sohn, sein Vater war kein Maine Coon Kater, aber das ist nicht wichtig. Dieser Sohn war Mowgli, von dem ich dir erzählt habe.“
„Mowgli?“ fragt Edward „Etwa dein Mowgli?“
„Ja, Mowgli, mein Gefährte. Ich habe ihn so geliebt, doch er musste dies Welt verlassen, die Krankheit war stärker.
Und darum, kleiner Edward, bitte ich dich, wenn du eine Maine Coon Katze siehst, denke daran, was die Maine Coons durchgemacht haben, wie sie auf ihrer Suche gelitten haben und wie viele gestorben sind und sie doch allen Widernissen zum Trotz blieben, was sie immer nur sein wollten: Die sanften Riesen.“

Teil 1 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/07/17/die-reise-der-sanften-riesen-teil-1/
Teil 2 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/07/17/die-reise-der-sanften-riesen-teil-2/
Teil 3 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/08/27/die-reise-der-sanften-riesen-teil-3-snorri/
Teil 4 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/09/03/die-reise-der-sanften-riesen-teil-4-heimatlos/
Teil 5 hier klicken: http://www.tiergeschichten.de/2013/09/16/die-reise-der-sanften-riesen-teil-5-die-ankunft//
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Autor: Mike

champicnac@yahoo.de


Fotograf/Künstler: © Gabriela P., Snuesch / www.pixelio.de

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Eine faszinierende Geschichte, liebevoll erzählt !

  2. Mike

    Ich hoffe die Geschichte gefällt den geneigten Leserinnen und Lesern.
    Trotzdem seien mir einige Anmerkungen dazu gestattet.
    Es war mir schon seit längerem ein Anliegen, diese Geschichte zu schreiben und erste Anzeichen dafür finden sich in den Geschichten „Auf grosser Fahrt – aus dem Leben eines Bordkaters“ und „Eine Liebe im Feuer“.
    Doch um eine durchgängige Geschichte niederzuschreiben, bedurfte es einiger Recherchen.
    Alle Namen und Orte der Wikinger sind historisch belegt. Die Katzennamen habe ich ausgedacht, doch in der alten Wikingersprache haben sie tatsächlich eine Bedeutung. So bedeutet z.b. Aldavinur tatsächlich „Alter, vertrauter Freund“.
    Und es ist belegt, dass die Wikinger Katzen auf ihren Schiffen hatten.
    Viele denken, dass Vinland Weinland bedeuten würde. Dies geht jedoch auf eine Fehlinterpredation des Adam von Bremen (* wohl vor 1050; † 1081/1085) zurück.
    Die richtige Übersetzung aus der alten Wikingersprache lautet „Weideland“.
    Auch Snorri und seine Eltern sind historisch belegt, Snorri war tatsächlich das erste europäische Kind, das auf dem nordamerikanischen Kontinent geboren wurde.
    Auch die Siedlungen Leifsbouir, Hop und Straumfjord gab es.
    Hier habe ich mich auf die Aussagen der Grönländer- und der Vinlandsaga gestützt, die ziemlich präziese sind.
    Die genaue Lage von Vinland ist bis heute unklar. Daher habe ich Vinland südlich des Lorenzstromes angesiedelt, denn ich wusste nicht, wie ich es aus erzählerischer Sicht glaubwürdig bewältigen sollte, dass die Katzen, völlig auf sich selbst gestellt, diesen riesigen und kalten Strom überqueren konnten.
    Da die ganze Geschichte zum größten Teil aus Sicht der Katzen erzählt wird, habe ich im Kapitel „die Ankunft“ bewusst Jahreszahlen weggelassen. Jedoch landeten die Franzosen ca. 1604 in Maine. Ein Anhaltspunkt in der Geschichte gibt die Erwähnung des englischen und des französischen Königs, sowie die Person des Samuel de Champlain.
    William McGalham, seine Familie und seine Nachkommen sind Erfindungen von mir.
    Jedoch gab es tatsächlich in der fraglichen Zeit einen Eisenwarenhändler namens Woodman, der in Biddeford eingekauft hat. Sein Vorname und sein Wohnsitz sind nicht überliefert.
    Alle anderen Personen und Orte im Kapitel „Der Kapitän“ sind belegt.
    Es gibt Hinweise, dass die Tarbox Farm heute noch existiert. Angeblich soll es sogar heute noch in Maine Nachkommen von Molly Haley geben. Um jedoch das zu überprüfen, müsste ich allerdings vor Ort recherchieren. Sicher ist, dass die Tarbox Farm an der Pool Road lag und mindestens 1916 noch existiert hat. Und die GLEN LAURIE war tatsächlich ein Viermastschoner, der die Neuenglandstaaten bereiste.
    Jedenfalls sind Molly und Jonathan Haley, Joseph Tarbox und Kapitän Enoch Snow überliefert.
    Thomas Coon war wirklich Kabinensteward auf der GLEN LAURIE und wurde später Kapitän auf dem Schiff. Und es ist überliefert, dass er tatsächlich Langhaarkatzen bei sich hatte. Er hatte ein Wohnrecht auf der Tarbox Farm und sein Vater war Israel Coon, ein Soldat im Unabhängigkeitskrieg.
    Alle diese Informationen habe ich von der „Biddeford Historical Society“ bekommen und ich denke, dass sie einigermaßen korrekt sind.
    Was die Katzen selbst betrifft, so mögen einige Passagen der Geschichte befremdlich oder ziemlich unwahrscheinlich wirken.
    Jedoch ist bekannt, dass Katzen oft mit Artfremden Freundschaft schließen oder ein artfremdes Junges adoptieren. Auch diese Versammlungsplätze existieren und hier in der Stadt gibt es mindestens zwei davon. Ich selbst konnte mehrmals eine solche Versammlung beobachten und sie läuft tatsächlich so ab, wie sie Linda in der Geschichte erlebt hat.
    Wenn man das real einmal beobachtet hat, kommt man eigentlich nur zu dem Schluss, dass da irgendeine Kommunikation abläuft. Daher habe ich das einfach „Stille Sprache“ genannt.
    Was das im Kapitel „Der Kapitän“ erwähnte „Gesundschnurren“ betrifft, so ist es mittlerweile wissenschaftlich belegt, dass die Schnurrfrequenz von Katzen Knochen schneller heilen lässt. Ich beziehe mich auf die Forschung von Prof. Dr. Leo Brunnberg an der Poliklinik für Haustiere in Berlin-Zehlendorf. Auch andere Wissenschaftler haben den Effekt weltweit bestätigt und es gibt Forschungen darüber, wie man das praktisch nutzen könnte.
    Es gibt mehrere Versionen über die Herkunft der Maine Coon.
    Die verrückteste ist die einer Kreuzung zwischen Waschbär und Katze. Naja, wer’s unbedingt glauben will…
    Dann heisst es, dass europäische Siedler norwegische Waldkatzen mitgebracht hätten. Nun, trotz der Vermehrungsrate von Katzen und der Ähnlichkeit zwischen Norweger und Maine Coon gibt es doch ziemliche Unterschiede. Auch dürften die Siedler ihre Katzen bei sich behalten haben. Daher glaube ich nicht, dass der Druck der evolutionären Selektion so gross gewesen ist, dass sich daraus in relativ kurzer Zeit die Maine Coon entwickelt haben.
    Ebenso unwahrscheinlich halte ich die Geschichte von Kapitän Samuel Clough der die Perserkatzen der Marie Antoinette nach Amerika gebracht haben soll. Da nämlich Marie Antoinette 1792 hingerichtet wurde, konnte der Kapitän nicht vor diesem Zeitpunkt in Amerika sein, also ist auch hier der Zeitraum zu kurz. Daher habe ich mich für die wahrscheinlichste, die Wikingerversion entschieden. Der oben erwähnte evolutionäre Druck dürfte meiner Meinung nach in der Wildnis und über diesen langen Zeitraum gross genug gewesen sein, um aus Norwegischen Waldkatzen die Maine Coon entstehen zu lassen.
    Ausserdem erschien mir diese Version am interessantesten und ich hoffe, dass die Leser und Leserinnen das auch so sehen.
    Was die beiden Traumsequenzen im letzten Kapitel betrifft, so war es mir ein persönliches Anliegen, diese in die Geschichte einzubauen. Wer meine Geschichten kennt, weiß, wer mit dem sandfarbenen Kater gemeint ist. Doch da er in diesem Kapitel nicht real, sondern nur im Traum auftritt, denke ich, dass ich das verantworten kann.
    Vielleicht überkommt es mich irgendwann in der Zukunft, noch mehr über die Katzen und ihre Abenteuer in Amerika zu schreiben, vor allem die Kapitel „Heimatlos“ und „Die Ankunft“ bieten sich ja geradezu an. Doch das ist Zukunftsmusik.
    Vorerst geht’s weiter mit Geschichten um Edward.

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