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Der Nebelparder

Auch nach 10 Jahren Redaktionsarbeit für www.tiergeschichten.de bin ich nicht allwissend, nicht einmal bei meinen Lieblingstieren, den Affen und den Katzen. Dass es unter den Großkatzen einen Nebelparder gibt, war mir zwar bekannt, doch ich habe mir immer nur so vage eine Art Leopard darunter vorgestellt und mich nicht weiter darum gekümmert.

Im Internet folge ich den Arbeiten einiger Tier- und Naturfotografen. Die Künstler sind international, die Verkehrssprache ist Englisch. Immer wieder faszinierte mich eine Katze mit einer pythongleichen Fellzeichnung. „Clouded leopard“ nannten die Fotografen sie.

„Ich weiß nicht, wie das Tier auf Deutsch heißt“, schrieb ich in einem Forum. „Sicher nicht ‚bewölkter Leopard’.“ – „Das ist ein Nebelparder“, antwortete eine Tierfotografin aus den Niederlanden.
„Ah, das ist der Nebelparder, sieh an! Seine „Verwandtschaft“ müsste man doch eigentlich kennen!“

Jetzt habe ich mich mal schlau gemacht, was es mit diesen Tieren auf sich hat.

Der Nebelparder gehört, wie gesagt, zu den Großkatzen, den Pantherinae. Die Gattung heißt Neofelis und davon gibt es zwei Arten: Neofelis nebulosa und Neofelis diardi.

Nebelparder-Muster:

Foto: Nancy Vandermey of EFBC“s Feline Conservation Center, Rosamond CA http://www.wildcatzoo.org

Python-Muster:

© Patrick JEAN / muséum d’histoire naturelle de Nantes“.
Der Urheberrechtsinhaber erlaubt es jedem, dieses Werk für jeglichen Zweck, inklusive uneingeschränkter Weiterveröffentlichung, kommerziellem Gebrauch und Modifizierung, zu nutzen.

Äußeres Erscheinungsbild
Der englische Name clouded leopard („wolkiger Leopard“) bezieht sich wie der deutsche Name auf die rauchigen Flecken seines Fells, die etwas an Nebel oder Wolken erinnern. Jeder dieser Flecken wird nach innen hin blasser. An den Beinen und am Kopf sind die Flecken kleiner und einfarbig schwarz. Am Nacken und an den Wangen befinden sich dunkle Längsstreifen und der Schwanz ist ebenfalls dunkel geringelt. Die Unterseite ist weißlich. Es sind auch schwarze oder fast weiße Exemplare des Nebelparders bekannt. Seine Färbung tarnt den Nebelparder perfekt. Selbst erfahrene Forscher bekommen ihn in freier Wildbahn selten zu Gesicht.

Mit seiner Körperlänge von bis zu 90 Zentimetern, einem Gewicht zwischen elf und 20 Kilogramm und den kurzen Beinen gehört der Nebelparder zu den mittelgroßen und stämmigen Vertretern der Katzenfamilie. Der Schwanz ist lang und buschig und dient beim Klettern der Balance. Die ca. 4,5 cm langen oberen Eckzähne sind im Verhältnis zur Körpergröße länger als bei jeder anderen lebenden Katzenart.

Verbreitung und Lebensraum
Verbreitet ist der Nebelparder im Südosten Asiens, von der südlichen Volksrepublik China bis Malakka und vom östlichen Himalaya bis Vietnam. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes liegt in der chinesischen Provinz Shaanxi. Auf dem Indischen Subkontinent ist der Nebelparder nur im äußersten Nordosten zu finden.

Die Katzen sind sehr anpassungsfähig und kommen nicht nur in dichten Regenwäldern vor, sondern sind auch in Mangroven- und Monsunwäldern sowie in Buschwäldern heimisch. Nebelparder leben einzelgängerisch und halten sich vorwiegend im Geäst auf. Sie scheinen den Tag meist in einer Astgabel oder Baumhöhle zu verbringen und gehen offenbar erst nachts auf die Jagd.

Sie gehören zu den besten Kletterern unter den Katzen. Ein Nebelparder spaziert Baumstämme mit dem Kopf voran hinunter, hangelt an waagrechten Ästen, mit dem Rücken nach unten hängend entlang, oder hängt nur mit den Hinterpfoten festgekrallt von einem Ast herab. Kein anderes Raubtier dieser Größe ist zu ähnlich akrobatischen Kletterleistungen fähig. Seine starken Krallen, der körperlange Schwanz und die muskulösen Beine ermöglichen es ihm, von Baum zu Baum zu springen und dabei selbst fünf Meter breite Lücken zu überwinden.

Foto: Vearl Brown

Nahrung
Zu den Beutetieren gehören Hirsche, Schweine, Stachelschweine, Affen und Vögel, aber auch Schlangen und andere Kleintiere. Im Schutz der Äste lauern der Nebelparder seinen Opfern auf, bevor er sich unvermittelt auf sie stürzt. Neuere Beobachtungen weisen darauf hin, dass seine Hauptnahrung wohl aus Primaten wie Nasenaffen, Schweinsaffen und Gibbons besteht. Gelegentlich reißt der Räuber auch Haustiere des Menschen wie Ziegen und Geflügel. Vor der Mahlzeit raspelt der er das Fell oder die Federn der Beute mit seiner hornigen Zunge ab.

Sozialverhalten und Fortpflanzung
Über das Sozial- und Fortpflanzungsverhalten der einzelgängerisch und überwiegend nachtaktiv lebenden Katzen ist nur wenig bekannt. Je nach Verbreitungsgebiet sind die Reviere eines Tieres vier bis 17 Quadratkilometern groß.

Gesicherte Befunde über das Fortpflanzungsverhalten liegen nur von Tieren in Gefangenschaft vor. Die Tragzeit dauert 87 bis 102 Tage. Ein Wurf besteht im Schnitt aus drei Jungen. Sie sind anfangs blind und wiegen rund 140 bis 170 Gramm. Nach etwa zehn bis elf Tagen öffnen sie die Augen. Obwohl sie nach zehneinhalb Wochen erste feste Nahrung zu sich nehmen, werden sie etwa fünf Monate lang gesäugt. Die Flecken sind bei der Geburt völlig schwarz und hellen sich dann in den Zentren immer mehr auf, bis sie nach einem halben Jahr dem Muster der erwachsenen Tiere entsprechen. Man nimmt an, dass Nebelparder mit etwa neun Monaten selbstständig sind. Sowohl Männchen als auch Weibchen sind mit ca. zwei Jahren fortpflanzungsfähig. Nebelparder können in Gefangenschaft bis zu 17 Jahre alt werden. Wie das in freier Wildbahn aussieht, weiß man nicht.

Nebelparder sind, wie gesagt, Einzelgänger und treffen in der Natur nur während der Paarungszeit aufeinander. Früher waren Zuchterfolge bei Nebelpardern selten, da die Männchen häufig die Weibchen töteten. Als man Kater und Katze jedoch schon als noch nicht geschlechtsreife Jungtiere zusammenleben ließ, stellten sich nach der Geschlechtsreife die Zuchterfolge ein.

Bedrohte Art
Weltweit sollen noch rund 10.000 Tiere in Freiheit leben. Wegen seines schönen, weichen Fells, das auf dem Pelzmarkt sehr begehrt ist, wurde der Nebelparder in der Vergangenheit stark bejagt. Auch heute wird er noch von Wilderern verfolgt. Seine Zähne werden zu Schmuckstücken und Glücksbringern verarbeitet, seine Knochen finden in der traditionellen orientalischen Heilkunde Verwendung, und das Fleisch gilt beispielsweise in Thailand und China als Delikatesse und wird in Restaurants wohlhabenden asiatischen Touristen angeboten.

Der Nebelparder Neofelis nebulosa wird von der Weltnaturschutzunion IUCN in der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. Die Tiere oder Produkte aus ihnen dürfen nicht gehandelt werden. Der Nebelparder steht mit Ausnahme von Laos und Bhutan in allen Verbreitungsstaaten unter nationalem Schutz. Die Schutzbestimmungen nützen den Nebelpardern aber kaum, solange sie vielerorts nur mangelhaft umgesetzt werden.

Die Abnahme der Nebelparder-Bestände ist neben der illegalen Bejagung vor allem auf die großen ökologischen Umwälzungen in ganz Süd- und Südostasien zurückzuführen. Riesige Waldflächen werden dort für die Gewinnung von Holz und Papier, für Plantagen, Siedlungen und Straßen abgeholzt. Dadurch bleibt den Nebelpardern immer weniger Platz für ihre ausgedehnten Streifzüge.

Der WWF setzt sich seit vielen Jahren in den Verbreitungsstaaten des Nebelparders dafür ein, dass die Abholzung der Wälder gestoppt wird und die geltenden Artenschutzgesetze eingehalten werden. In Zusammenarbeit mit der Weltnaturschutzunion IUCN und weiteren Nichtregierungsorganisationen unterstützt der WWF verstärkt Forschungsarbeiten zur Verbreitung und Bestandsaufnahme der Nebelparder.

Hoffen wir, dass die Bemühungen von Erfolg gekrönt sind. Es ist schade um jede Tierart, die uns Menschen zum Opfer fällt.




Autor: Edith Nebel

EdithNebel@aol.com
http://www.boxmail.de


Fotograf/Künstler: © Nancy Vandermey, Patrick JEAN, Vearl Brown / Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Dieses Werk darf von dir verbreitet werden – vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden, neu zusammengestellt werden – abgewandelt und bearbeitet werden zu den folgenden Bedingungen: Namensnennung – Du musst den Namen des Autors/Rechteinhabers in der von ihm festgelegten Weise nennen (aber nicht so, dass es so aussieht, als würde er dich oder deine Verwendung des Werks unterstützen). Weitergabe unter gleichen Bedingungen – Wenn du das lizenzierte Werk bzw. den lizenzierten Inhalt bearbeitest, abwandelst oder in anderer Weise erkennbar als Grundlage für eigenes Schaffen verwendest, darfst du die daraufhin neu entstandenen Werke bzw. Inhalte nur unter Verwendung von Lizenzbedingungen weitergeben, die mit denen dieses Lizenzvertrages identisch, vergleichbar oder kompatibel sind.

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2 Kommentare

  1. Margrit Baumgärtner

    Dieser „Namensvetter“ ist wirklich ein wunderschönes Tier, Frau Nebel ! Hatte ich auch noch nicht gehört oder gesehen !

  2. Hans Witteborg

    Der Name ist wohl nicht Programm,
    man schau sich nur den Python an.
    Frau Nebel stand beim Tier nicht Pate,
    sie anderes zu tun hatte.

    Man lernt nie aus . Wunderbare Tiergeschichten,

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